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Hauptdarsteller beim Grafical, einer Hommage an Oscar Maria Graf: Josef Kloiber, Georg Unterholzner und Martin Regnat gastieren in Markt Schwaben.

Hommage an Oscar Maria Graf in der Theaterhalle in Markt Schwaben

Ein „Grafical“ für einen ganz Besonderen

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Ein Tierarzt als Schauspieler. Das hätte zu Oscar Maria Graf passt.

Markt Schwaben – Eigentlich ist Georg Unterholzner Tierarzt. Beschäftigt als Veterinär im Staatsdienst in Bad Tölz. Also in jenem Landkreis, in dem er 1961 geboren wurde; und zwar in Deining. Und wo er bis heute lebt. Es ist auch die Gegend nahe des Starnberger Sees, die die Heimat von Oskar Maria Graf war. 1894 in Berg geboren, Schulzeit in Aufkirchen. Bis 1911, als er vor seinem Bruder nach München fliehen musste.

Was verbindet Unterholzner, 57, mit dem Schriftsteller, der wie kaum ein anderer in voller Schonungslosigkeit vom Leben der ganz einfachen Menschen erzählte und dem es dabei irgendwie gelang, anhand von ganz normalen Begebenheiten dieser einfachen Leute die Welt zu erklären? In Markt Schwaben wird es demnächst Antworten auf diese Frage geben.

Da ist zum Beispiel die ganz besondere Sprache, das ganz besondere Bairisch, das Graf Zeit seines turbulenten Lebens zu sprechen und auch zu schreiben pflegte. Unterholzner erwähnt als Beispiel den Begriff „Liagnschippe“. In der Schwabener Umgebung eine eher unbekannte Vokabel, im Oberland aber mitunter denen vertraut, die sich mit Sprache und – sagen wir mal – lokalen Dialekten intensiver befassen.

Graf-Spezialist Georg Unterholzner (r.) im Gespräch mit EZ-Redakteur Jörg Domke.

Solche Besonderheiten sind es, die den Deininger Tiermediziner schon früh gefesselt haben an Oskar Maria Graf und dessen Schaffen. Unterholzner befasst sich seit der Jugend mit dem „Provinzschriftsteller“, wie sich Oskar Maria Graf selbst einmal nannte. Herausgekommen ist inzwischen, in Zusammenarbeit mit Profimusikern wie „Bodo“ Kloiber und Martin Regnat, eine dramatische Lesung, die die drei „Grafical“ nennen. Ein Musical über Graf, wenn man so will.

Anhand kurzer, prägnanter Texte und Lieder wird Grafs Leben dargestellt. Eine Hommage mit Zitaten aus seinen Büchern, begleitet mit Gitarre, Mundharmonika und auch der „Diatonischen“. Wobei das Wort Begleitung hier wohl eher Untertreibung wäre, denn erst durch die Musik wird das Ganze zum „Grafical“, das Unterholzner unlängst in stillen Stunden im Kloster Bernried zusammengestellt hatte.

„In Unterholzners „Grafical“ wird Oskar Maria Grafs bewegtes Leben (1894 - 1967) durch eine ganz spezielle Auswahl seiner Texte nachgezeichnet: Die Jugend als neuntes von elf Kindern, die Flucht nach München im Alter von 17 Jahren, das Leben in der Bohème, die verhasste Militärzeit, die ersten schriftstellerischen Erfolge und schließlich die Flucht vor den Nazis nach New York, wo sich der überzeugte Bayer nicht anpasste, Deutsch sprach und seine Lederhose trug“, wie der Merkur in einer früheren Rezension feststellte.

Das „Grafical“ ist der dritte Termin in einer Hommage-Reihe, die der Theaterverein Markt Schwaben einst mit Franz Xaver Bogner startete und mit Fredl Fesl fortsetzte. Aufgeführt wird es am Freitag, 14. September, ab 19 Uhr in der Theaterhalle im Burgerfeld. Karten zu 16 Euro können online auf der Seite des Vereins bestellt werden (Tischbestuhlung ohne Reservierung).

Unterholzner, selbst Mitglied der Münchner Oskar Maria Graf Gesellschaft, wird mit seinen Spezln dann zum siebten Male das „Grafical“ aufführen. Graf, sagt er bei einem Besuch in der EZ-Redaktion, sei stets schwierig zu fassen gewesen. Er nennt ihn einen nicht poltischen Menschen. Aber jemanden, dem die Nazis auf die Nerven gingen. Was ihn, Unterholzner, mit Graf verbinde, sei die Sprache, der ganz spezielle Duktus. Ja, vielleicht auch, dass seine Urgroßmutter einst Nachbarin des Schriftstellers war, den Bert Brecht einmal einen verjagten Dichter nannte. Unterholzner verspricht jedenfalls einen unterhaltsamen Abend, der witzig und hintersinnig zugleich wird, bei dem aber nicht geblödelt wird.

Seine Stimme erinnere übrigens an den unvergessenen Helmut Qualtinger, heißt es in der Merkur-Rezension. „Unterholzner fand stets den rechten Ton für die dramatischen und humorvollen Schilderungen... Dabei war er, wie er selbst sagte, pathologisch ehrlich, hatte es nicht nötig, im Rückblick irgendetwas in seinem Leben zu beschönigen. Deshalb konnte er auch sagen: „Ich bin draußen in der Emigration … immer daheim geblieben.“

Neben seinem medizinischen Beruf und dem Vorbild Oskar Maria Graf beschäftigt sich Unterholzner übrigens mit Krimis. In seinen Büchern beschreibt Unterholzner Menschen und Situationen, die er kennt. Aus dem jeweiligen Ambiente heraus entwickeln sich seine Kriminalgeschichten. Ganz in Grafscher Tradition, wenn man so will.

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