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Ein 28-Jähriger muss sich dafür verantworten, dass er sein eigenes Baby vom Balkon werfen wollte (Symbolbild).

„Tu‘ das nicht!“

Mann will eigenen Sohn vom Balkon werfen: Drogenrausch sorgt für dramatische Situation

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Wie krank muss man sein, um sein eigenes Baby vom Balkon zu werfen? Dieser Frage musste das Landgericht München II jetzt nachgehen.

Markt Schwaben– In Markt Schwaben hatte ein 28-jähriger Mann versucht, Frau und Kinder vom Balkon zu werfen. Er stand unter einer schweren Psychose, ausgelöste durch Drogenmissbrauch.

Der Abend des 2. August 2017 wird vielen Menschen noch in schrecklicher Erinnerung sein. Gegen 20 Uhr rastete Kevin E. total aus. Er stand auf dem Balkon und hielt seinen fünf Monate alten Buben über das Balkongeländer im vierten Stock. Er schrie herum, unten schrien die Leute herauf und postierten sich unter der Brüstung, um notfalls den Kleinen aufzufangen. Mutter Veronika schrie: „Tu’ das nicht, du wirst das bereuen, das sind unsere Kinder“.

Irgendwie gelang es der Frau, das Baby wieder an sich zu reißen. Daraufhin ging der 28-Jährige mit Messern auf seine Liebsten los. Es bedurfte mehrerer Polizeibeamter, um den rasenden Vater zu stoppen.

Die Polizisten aus Poing und Ebersberg brachen die Wohnungstür auf und fixierten den Mann am Boden. Die Mutter trug eine Schnittwunde am Rücken davon, die Kinder Schürfwunden und Prellungen – an nichts davon konnte sich der Angeklagte vor Gericht erinnern. Seine Situation realisierte er erst wieder, als er im Krankenhaus, ans Bett fixiert, zur Besinnung kam. Eine drogeninitiierte Psychose hatte offenbar zu der Total-Entgleisung geführt.

Drogenkonsum löste Wahnvorstellungen aus 

Nach eigenen Angaben hatte der 28-Jährige in den Tagen zuvor Etliches konsumiert. Mit seiner Frau will er Cannabis geraucht sowie Amphetamine und Tabletten genommen haben. Die Wirkung einen Tag später war verheerend. Im Gerichtssaal erinnerte er sich nur daran, dass er seinen größeren Sohn (15 Monate) auf dem Arm gehalten hatte und ihn nicht mehr absetzen wollte. Angeblich fürchtete er, jemand habe ihn, Kevin E., erschießen wollen.

Es war nicht das erste Mal, dass er unter Wahnvorstellungen litt. Er war auch schon einmal dagegen behandelt worden. Doch nach der Therapie wurde er rückfällig. Mit 15 Jahren hatte er angefangen zu kiffen. Später nahm er Amphetamine und probierte Chrystal Meth. Manchmal konsumierte er mit seiner Frau – auch im Beisein der Kinder.

Mit der Geburt des zweiten Sohnes wuchs ihm alles über den Kopf: er, der Alleinverdiener, die Familie verschuldet. Nur mit Hilfe von Drogen konnte er die Situation ertragen – angeblich.

Wegen der Schuldunfähigkeit zum Tatzeitpunkt konnte gegen den Angeklagte keine Freiheitsstrafe verhängt werden. Die Staatsanwältin plädierte deshalb auf Unterbringung in der Entziehungsanstalt.

Von der Einweisung in die Psychiatrie, als der schärferen Maßnahme, sah sie ab. Das Urteil soll am Montag, 24. September, am Landgericht München II gesprochen werden.

Am Sonntagnachmittag kam es am Ettaler Mandl zu einem folgenschweren Bergunfall: Dabei verunglückte ein achtjähriges Mädchen tödlich (Merkur.de).

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