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Der Markt Schwabener Metzger Stefan Elst (l.) hat sich frühzeitig Gedanken gemacht, wie er in seinem Betrieb im Burgerfeld Energie ef fizienter nutzen kann. 

Energiesparen mit Köpfchen

Markt Schwabener Metzger setzt auf Kältetechnik aus der Natur

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Warum teure Chemie nutzen, wenn es  natürlich billiger geht? Ein Markt Schwabener Metzger spart jede Menge Energie  - mit einem einfachen Trick.

 

Markt Schwaben– Spricht man heutzutage über Energiesparen oder gar Energiewende, meinen die meisten von uns den elektrischen Strom. Dabei macht der im gesamten Energiepaket nur 20 Prozent aus. 30 Prozent entfallen auf das Thema Mobilität; in welcher Form auch immer. Aber bei der Hälfte dessen, was mit Energie zu tun hat, geht es um Wärme- oder Kälteerzeugung.

Eine Rechnung, die der Geschäftsführer der Energie Agentur Ebersberg/München, Hans Gröbmayr, dieser Tage bei einem Ortstermin in Markt Schwaben aufmachte. Aus gutem Grund, denn Schauplatz einer Zusammenkunft von interessierten Gewerbetreibenden aus dem gesamten Landkreis war die Metzgerei Elst im Gewerbegebiet Burgerfeld. Der 

Zehn Kühlräume werden kostant auf 4 Grad gehalten  

Fleischereigroßbetrieb war früher zwei Jahrzehnte lang in Anzing angesiedelt, agiert nun aber seit gut zwei Jahren von der Zeppelinstraße aus.

Im Einzelhandel verkauft das Unternehmen nur heimisches Schweine- und Rindfleisch (Färsen) aus den Landkreisen Ebersberg und Erding. Schweine bezieht man von Josef Obermaier in Forstern, Färsen (weibliche Jungrinder) von Andreas Mair, Harlachen aus Neuching. Die Schlachtung der Tiere wird in Pastetten bei den Firmen Bachmaier oder Wohlmuth durchgeführt. Geflügelfleisch bezieht Elst von der Geflügelschlachterei Groß, aus Massing/Niederbayern. Frische Enten und Gänse (auch Teile davon) kommen vom Geflügelhof Lugeder aus Pleiskirchen/Niederbayern. Wie Stefan Elst angibt, werden gezielt Großküchen, Gastronomen, Cateringfirmen, Krankenhäuser, Altenheime oder andere Metzgereien mit seinen Erzeugnissen aus der Region beliefert. Zusätzlich bietet Elst auch einen werktäglichen Imbissservice für die Mitarbeiter im Schwabener Gewerbegebiet an, deren Unternehmen keine eigene Versorgung betreiben.

Um das alles bewerkstelligen zu können, hat Elst in der Zeppelinstraße alleine zehn Räume geschaffen, die ständig rund um die Uhr bei vier Grad Temperatur 

Kälteerzeugung schluckt die meiste Energie

heruntergekühlt werden müssen. Dazu kommen zwei weitere Räume, in denen Tiefkühlatmosphäre herrscht. Heißt: minus 22 Grad. Man ahnt also, dass hier ganz schön viel Energie zur Kälteerzeugung benötigt wird. Das hatte sich der 38-jährige Chef auch gedacht, als er seinen Firmensitz in die Marktgemeinde verlegte. Sich bei der Konzeption aber nicht ausschließlich verlassen wollen auf die Fachleute, die Bauherren (privat oder gewerblich) eben doch nur das verkaufen wollten, was sie im Angebot haben. Eine unabhängige Beratung fehle und werde von den meisten Unternehmerkollegen im Landkreis arg vermisst, so Elst bei einem Ortstermin in seiner Firma, an der neben Kollegen und Mitarbeitern der Energieagentur auch kurzzeitig Landrat Robert Niedergesäß teilnahm.

Elst habe sich, so Gröbmayr, wie nur wenige reingehängt in eine komplizierte Thematik. Und offenbar eine Lösung gefunden, die Nachahmerqualität haben dürfte. Sein Geheimnis, das eigentlich gar keines ist: Die Kälteanlage wird mit natürlichen Kältemitteln (Ammoniak und CO2) betrieben, nicht mit den chemischen Mitteln, die zum Beispiel in Autos zum Zuge kommen. Der Kältetransport im Gebäude erfolgt durch ein minus acht Grad kaltes Wasser-Glykol-Gemisch. Die Abwärmenutzung erfolgt durch eine Absorptionskältemaschine.

Beleuchtung nur noch mit LED

Im ganzen Gebäude, bis auf einen Raum, wird eine energiesparende LED-Beleuchtung eingesetzt. „Durch diese und noch viele weitere kleine Maßnahmen sparen wir jedes Jahr 32 806 134 kg CO2 ein, also 32 806 Tonnen“, schreibt Elst auf der Homepage seines Unternehmens. Das entspreche in jedem Jahr einer Fahrleistung von 10 935 Pkw mit einer Jahresfahrleistung von 20000 km (150g/km).

Im Netz nennt er noch weitere Maßnahmen: Eigenstrom-Erzeugung durch Fotovoltaik und Erdgas-Blockheizkraft, Wärmeerzeugung durch Erdgas-Blockheizkraftwerk, schadstofffreie Wärme durch Wärmerückgewinnung der Kälteanlage.

Der eloquente Kaufmann drückt es auch anders, vielleicht sogar noch anschaulicher, so aus. Der Energieverbrauch gegenüber seiner Tätigkeit in Anzing hat sich fast nicht verändert. Dafür aber ist der Betrieb am Standort Markt Schwaben gut um das Zehnfache größer.

Zahlen, die nicht nur die Kollegen Metzger und Unternehmer aus der direkten Nachbarschaft im Burgerfeld beeindruckten, sondern auch die Experten der Ebersberger Energieagentur. Die hörten auch Elsts Kritik sehrwohl. Der Metzgereichef forderte dazu auf, bei allen Gedankenspielen um Energieeinsparpotenziale gerade auch das Thema Kälteerzeugung mehr als bislang in den Fokus zu rücken. Mit seinen Einlassungen bekam Stefan Elst eigentlich nur Zustimmung; etwa vom Kollegen Peter Heimann aus Grafing oder Horst Kerfers, Prokurist der Hasi Bäckerei in Grafing, die demnächst in Schammach ein Großprojekt vor Augen hat. Kerfers fasste für alle Unternehmer zusammen: „Das Thema Kälte und Energierückgewinnung ist immer interessant“.

Über die Arbeit der Energieagentur Ebersberg-München lesen Sie hier

Auch das Thema Elektromobilität spielt im Landkreis Ebersberg eine Rolle - wenn auch nur eine kleine. 

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