+
Auch Ausflüge hatte das „Offene Haus“ mit Gründerin Bettina Ismair (kniend, li.) organisiert.

Initiative

„Offenes Haus“ für immer geschlossen

  • vonJörg Domke
    schließen

Die mehrfach ausgezeichnete Initiative „Offenes Haus“ gibt es nicht mehr. Sie wurde aufgelöst. Die Gründe:

Markt Schwaben – Das Problem hat sich bereits abgezeichnet, nun ist es Wirklichkeit geworden: Das „Offene Haus“ an der Markt Schwabener Grundschule, eine 2001 ins Leben gerufene Initiative zur besseren Integration von Schulkindern mit Migrationshintergrund, hat sich mit sofortiger Wirkung aufgelöst. Das gab die Gründerin Bettina Ismair in Form einer Pressemitteilung bekannt.

In einem Gespräch mit der Heimatzeitung berichtet sie, dass es zuletzt immer schwieriger geworden sei, geeignete Betreuerinnen zu finden: „Heute ist die Suche nahezu aussichtslos, da es praktisch keine Frauen mehr gibt, die noch die nötige Zeit haben.“ Politisch gewollt seien beinahe alle Frauen mit Kindern im Grundschulalter (voll) berufstätig. Dementsprechend wurde in den vergangenen Jahren die Zahl der zur Verfügung stehenden Plätze in der gemeindlichen Mittagsbetreuung und Hausaufgabenhilfe sowie in den Horten diverser Träger kontinuierlich erweitert und ausgebaut.

Zuziehende junge Familien, ausländische Migranten ebenso wie Deutsche, melden ihre Kinder frühzeitig bereits in den kommunalen Einrichtungen an. Den Kindern bleibe am Nachmittag keine Freizeit mehr für das Angebot des „Offenen Hauses“, so Bettina Ismair.

Es gebe noch weitere Gründe, die den Fortbestand erheblich erschwert hätten, fügt die Gründerin hinzu: „Migrantenkinder, die während des Schuljahres kommen oder deren Eltern sich nicht für die kostenpflichtigen kommunalen Nachmittagsangebote interessieren, werden aus Datenschutzgründen nicht mehr dem Offenen Haus gemeldet.“ Die Folge: In der Grundschule landen fremdsprachige Kinder nun in einer eigenen Sprachlernklasse. Ismair: „Die Kinder werden sozusagen exkludiert und haben kaum Kontakt zu deutschen Kindern. Für die Betreuung sorgt die Schulsozialarbeit, ein Hinweis auf das Offene Haus erfolgt nicht mehr.“ Früher sei die Grundschule noch mehr so etwas wie ein Türöffner für das „Offene Haus“ gewesen, das gebe es heute so nicht mehr. „Wir müssen uns diesen Tatsachen stellen und akzeptieren, dass unserer Elterninitiative damit die Grundlagen für die Fortsetzung der so wichtigen Integrationsarbeit entzogen wurden“, bedauert Ismair.

Gleichzeitig dürfe man aber mit großer Freude erleben, dass sich der von Lehrern und Schülern getragene Zweig „Offenes Haus“ im Franz-Marc-Gymnasium und in der Grafen-von-Sempt-Mittelschule bestens etabliert habe und kontinuierlich wachse. 2007 hatte Bettina Ismair erstmals Kontakt mit dem Gymnasium aufgenommen und dort für mehr Integrationsarbeit geworben. Der Vorstoß diente weniger der Hilfe für Gymnasiasten mit Migrationshintergrund als vielmehr der Idee, Schüler zu gewinnen, die ihrerseits anderen Schülern behilflich sind bei der Integration. Zunächst passierte das über Wahlfächer, später etablierten sich P-Seminare.

Längst kann man von einer erfolgreichen Schulpartnerschaft zwischen dem Gymnasium und der Grafen-von-Sempt-Mittelschule sprechen. Dass diese Form der Zusammenarbeit auch ohne den formellen Bestand der Initiative „Offenes Haus“ fortgesetzt werde, sei sicher, so Ismair. Im aktuellen P-Seminar am FMG gibt es beispielsweise 75 Schülerinen und Schüler.

Das „Offene Haus“ ist vielfach auch bundesweit ausgezeichnet worden. Die bedeutendste Würdigung ist der Deutsche Bürgerpreis, der 2014 in Berlin verliehen wurde. Bettina Ismair: „Das Besondere war nicht die Idee, dass wir ausländische Kindern betreuten, sondern das wir das daheim taten. Alles folgte der Erkenntnis: Zeige mir, wie du wohnst, und ich sehe, wer du bist“.

Das Ende des „Offenes Hauses“ als Initiative soll trotz allem gefeiert werden. Dazu ist die Bevölkerung einladen zu einem Empfang im Foyer des Rathauses – am Freitag, 30. November, ab 13 Uhr.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare