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David Mayonga alias Roger Rekless hat am Dienstagabend in seiner Heimat Markt Schwaben gelesen. 

Rapper kehrt heim 

Roger Rekless: Nicht alles okay, aber auch nicht alles schlecht

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Der Musiker und Moderator Roger Rekless ist heimgekehrt nach Markt Schwaben. Er las aus seinem Buch „Ein Neger darf nicht neben mir sitzen“ und erzählte, wie es dazu kam.

Markt Schwaben – Schulterklopfen, Umarmungen, „Servus! Grias di!“: Für David Mayonga alias Rapper, Musikproduzent und Moderator Roger Rekless war der Dienstagabend im voll besetzten Markt Schwabener Jugendzentrum „Blues“ ein Heimspiel. Alte Bekannte und Freunde werden begrüßt, alte Geschichten und Erlebnisse erzählt. Der 37-Jährige ist in seinen Heimatort zurückgekehrt, um im Rahmen der „Wochen der Toleranz im Landkreis Ebersberg“ (eine Aktion des Kreisjugendwerks, des Katholischen Kreisbildungswerks und anderen Kooperationspartnern) aus seinem Buch „Ein Neger darf nicht neben mir sitzen“ zu lesen und von seinen Kindheitserlebnissen in Markt Schwaben zu erzählen. Und wie das Thema Rassismus ihn bis heute begleitet.

Markt Schwaben: Lesung im Jugendzentrum Blues

Den Satz, der zum Titel des Buches geworden ist, hatte David Mayonga als Dreijähriger gehört, an seinem ersten Kindergartentag in Markt Schwaben, erzählt er. Damals, in den 1980er-Jahren, sei er das einzige Kind im Ort mit dunkler Hautfarbe gewesen. Auf der Suche nach einem Sitzplatz habe er sich in der ersten Reihe neben einen Buben setzen wollen – der ihm aber mit dem Satz „Ein Neger darf nicht neben mir sitzen“ abgewiesen habe. Dem Jungen mache er keinen Vorwurf, wie könne ein Dreijähriger wissen, was er da sagte. Vielmehr gehe es in der Rückschau und in der heutigen Zeit um Vorurteile, die – sei es erzieherisch oder biologisch in Menschen verankert – oft stärker seien als die Realität. Das mache ihm zu schaffen, sagt Mayonga, und wenn gar rassistische Vorurteile stärker als die Realität würden, dann sei dies gefährlich. Siehe AfD.

Rekless: Warnung vor Rassismus im Alltag

Gut zwei Stunden las, erzählte und zwischendurch rappte der unter dem Künstlernamen Roger Rekless auftretende Markt Schwabener von seinen Erlebnissen und Erfahrungen. Sei es als Kind, Jugendlicher, als Zivildienstleistender oder als Erwachsener. Beispiel: „Wenn mich jemand fragt, woher ich komme, antworte ich: Markt Schwaben. Dann wird weitergefragt: Ja, aber woher jetzt wirklich? Aus Markt Schwaben. In München geboren, aufgewachsen in Markt Schwaben. Meine Mutter war eine Hausgeburt in Markt Schwaben.“ Dann werde dennoch weiter nachgehakt: „Und Dein Vater?“ Antwort: „Der ist aus dem Kongo.“ Rückantwort: „Aha, Afrika.“

Aufgewachsen in Hochhaussiedlung Markt Schwaben

Manchmal sei er es leid, derartige Gespräche zu führen, sagt David Mayonga. Müde, erklären zu müssen, warum er auf den ersten Blick nicht in das „Kästchen der Normalität“, wie er es nennt, passe. Eine Normalität, die durch Vorurteile geprägt sei – die nicht immer nur auf die Hautfarbe bezogen seien.

„Normal“ sei damals auch nicht das Umfeld in den Hochhaussiedlungen am Dr.-Hartlaub-Ring und an der Von-Kobell-Straße in Markt Schwaben gewesen, wo er aufwuchs, erzählt der 37-Jährige. „Dort lebten Alleinerziehende und Menschen mit Migrationshintergrund.“ Und dann geht einer von ihnen auch noch aufs Gymnasium. „Weil meine Mutter wollte, dass ich später alle Chancen habe“, erzählt er.

Rekless: Was er seiner Mutter verdankt

Überhaupt die Mutter: Sie spielt eine große Rolle in der Erziehung und im Leben von David Mayonga. Immer wieder erzählt er von ihr, wie sie zu ihm gehalten, wie sie ihn motiviert und bestärkt hat, seinen Weg zu gehen. Der hat ihn am Dienstagabend mal wieder nach Hause geführt – in der ersten Reihe im „Blues“ saß seine Mutter. Ein kurzweiliger Abend mit lustigen und vielen nachdenklichen Passagen. Und mit Mayongas Fazit zur Lage der Nation: „Es ist nicht alles okay, aber es ist auch nicht alles schlecht.“ ARMIN RÖSL

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