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Der Bahnhof Markt Schwaben wird nicht so bleiben, wie man ihn seit Jahrzehnten kennt. 

Markt Schwaben und der Bahnausbau

Mit 160 km/h mitten durch den Ort

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Markt Schwaben ist in Sorge, dass der Ausbau der Bahnstrecke München - Freilassing mit Folgen insbesondere für die eigenen Bürger verbunden ist.

Markt Schwaben – Es war so eine Zahl, die mehr oder weniger nebenbei dahingesagt war, als am Dienstag Vertreter der Bahn AG im Marktgemeinderat berichteten über das, was neuester Stand ist im, vor und nach dem Bahnhof Markt Schwaben. Einem wichtigen Punkt im Zuge der Strecke München - Freilassing – bei der Bahn Ausbaustrecke 38 oder ABS 38 genannt. Mit sage und schreibe 160 Stundenkilometer sollen irgendwann einmal Züge durch Markt Schwaben rauschen. Ohne Halt. Da musste etwa CSU-Ratsfrau Monika Schützeichel, eine seit Jahrzehnten engagierte Schwabenerin, was den Bahnausbau und den entsprechenden Schutz der Anlieger in der Marktgemeinde angeht, schon mal kräftig schlucken. Und noch eine andere Zahl muss ihr runtergegangen sein wie Lebertran: Obwohl von den Bahn-Mitarbeitern offiziell am Dienstag nicht bestätigt, ist wohl von künftig einmal täglich um die 240 Zugbewegungen auszugehen. Verbunden mit allem, was einem die Sorgenfalten auf die Stirn treiben kann: Lärm und Erschütterungen.

Bis zu 240 Zugbewegungen pro Tag werden erwartet

Dass der Bahnhof der Marktgemeinde einmal erweitert, um- und ausgebaut und zugleich ertüchtigt werden wird für solche Zugbewegungen, weiß man in der Gemeinde seit Jahrzehnten. Entsprechende Pläne haben die politisch Verantwortlichen und die in einer Initiative organisierten Bürgerinnen und Bürger gefühlt schon im Dutzend gesehen. Sie sind z.T. älter als Rainer Kunze, der Projektleiter Markt Schwaben für die ABS 38. Der hatte am Dienstag das Vergnügen, die neuesten Variationen eines Bahnausbaus im Plenum präsentieren zu dürfen, manche sagten zu müssen.

Konkret geht es um eine ganze Reihe an Einzelmaßnahmen, die zusammengefügt einen ganz neuen Schwabener Bahnhof ergeben: 1. Durchgehend zweigleisiger Ausbau zwischen Markt Schwaben und Ampfing, 2. Elektrifizierung der zweigleisigen Strecke im Abschnitt Markt Schwaben –Mühldorf, 3. Anhebung der Streckengeschwindigkeit auf bis zu 200 Kilometer pro Stunde, 4. Verbreiterung vorhandener Eisenbahnüberführungen und Aufweitung bestehender Straßenüberführungen für das zweite Gleis, 5. Ersatzmaßnahmen für Bahnübergänge, 6. Umsetzung von Schallschutzmaßnahmen (aktiv und passiv), 7. Neubau der Einbindung des zweiten Streckengleises im Bahnhof Markt Schwaben, 8. Verdichtung und Optimierung zwischen Markt Schwaben und Mühldorf zur Erhöhung der Zugfrequenz.

Neues Bauwerk bei Haus wird nötig

Konkret bedeuten die nun neu präsentierten Planungen für den Bahnhof Markt Schwaben, dass die Gleise 1 und das künftig neue Gleis 5 den Fernverkehr bedienen werden, die anderen die S-Bahnen. Um den Abzweig bei Haus in Richtung Erding zu optimieren, wird ein Überwerfungsbauwerk notwendig werden, verlautete im Gemeinderat. Man kennt so etwas aus dem Münchner Ostbahnhof. Dort, wo die S-Bahn wieder unterirdisch verschwindet.

Gegenwärtig fänden laut Kunze Abstimmungen mit Projektpartnern statt. Die Gesamtplanung der Trassierung im Bahnhof Markt Schwaben soll im ersten Quartal 2020 abgeschlossen sein. Im April oder Mai kommenden Jahres will man dem Vernehmen nach die bis dahin noch konkreter werdende Planung den Bürgern vorstellen. Was Sinn mache, wie Bürgermeister Hohmann im Plenum mit Blick auf den dann vielleicht schon neu gestarteten Gemeinderat bzw. Bürgermeister sagte.

Kritik gab es aber schon jetzt reihenweise Richtung Bahn. Mehrere CSU-Räte wiesen darauf hin, dass die Bahn es seit Jahrzehnten nicht geschafft habe, den Bahnhof für Behinderte zugänglich zu machen. Von massenhaften Fehlplanungen war sogar die Rede. Davon, immer wieder mit neuen Ideen konfrontiert worden zu sein, von denen bis heute nichts ungesetzt worden sei. „Der Unmut ist groß“, fasste Hohmann die Stimmungslage zusammen.

Infocenter im Bahnhof Mühldorf

Immerhin: Im Bahnhof Mühldorf wurde unlängst ein Infocenter eingerichtet. Dort kann man sich direkt über den Streckenausbau München – Freilassing/Burghausen informieren. Auf rund 80 Quadratmetern können sich Besucher u.a. über Nutzen und Hintergründe des Großprojekts schlaumachen. Speziell aufbereitet wurden die Themen Baugrund, Schallschutz und Elektrifizierung. „Durch Virtual-Reality-Brillen, Schallsimulationen und Exponate wird der Bahnausbau zum Erlebnis“, heißt es sogar auf der Homepage zur ABS 38. Das Infocenter ist immer donnerstags zwischen 14 und 19 Uhr geöffnet.

Internet

www.abs38.de

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