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Vor einem Jahr war die Stimmung noch gut bei der Vorsitzenden Marina Krauß (2.v.li.) und ihrem Stellvertreter Sven Idek (li.) von der DAV-Sektion Markt Schwaben. Das Foto stammt von der Mitgliederversammlung im März 2018, als der Vorstand neu gewählt wurde. Seit einigen Tagen ist dem Führungsgremium und den Mitgliedern gar nicht mehr zum Lachen zumute.

Sperrung Kletteranlage

„Wir werden mit aller Kraft kämpfen“

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Nachdem Markt Schwaben die Kletteranlage gesperrt hat, meldet sich nun der Vorstand der DAV-Sektion zu Wort. Der geht mit der Marktgemeinde hart ins Gericht.

VON ARMIN RÖSL

Markt Schwaben – Nach der Hiobsbotschaft für den Verein, dass die Marktgemeinde die Kletteranlage am Sägmühlenweg gesperrt hat (siehe unser Bericht in der Freitagsausgabe), äußert sich der Vorstand der Sektion Markt Schwaben des Deutschen Alpenvereins (DAV) in einer Pressemitteilung, die am Sonntag verschickt wurde, detailliert zur Situation und zu den Umständen.

Laut Vorsitzender Marina Krauß habe den Vereinsvorstand am vergangenen Mittwoch ein „Ein-Satz-Schreiben von Bürgermeister Georg Hohmann erreicht“. Wie berichtet, hat der Marktgemeinderat am Dienstagabend in nicht-öffentlicher Sitzung beschlossen, vorerst kein Geld in die Kletteranlage im alten Klärwerk zu stecken.

Baurechtlich müsse es eine Nutzungsänderung geben, erläuterte Hohmann am Freitag im Gespräch mit unserer Zeitung. Darauf habe das Landratsamt hingewiesen, weil das Areal offiziell lediglich als „Klärwerk“ genutzt werden dürfe. Die Verwaltung schlug laut Hohmann dem Marktgemeinderat eine Vorabuntersuchung und ein Gutachten zum baulichen Zustand des ehemaligen Klärwerks und Faulturms (beides wird vom DAV als Kletter- und Vereinszentrum genutzt) vor. Dies lehnte der Marktgemeinderat ab. Aus rechtlichen und aus Haftungsgründen habe die Verwaltung deshalb die Anlage geschlossen, so Hohmann.

DAV-Sektionsvorsitzende Marina Krauß beklagt, dass in dessen Schreiben eine Begründung zum Nutzungsverbot fehle. Von Heute auf Morgen sei der Verein vor vollendete Tatsachen gestellt worden, sagte schon am Freitag 2. Vorsitzender Sven Idek unserer Zeitung. Vorsitzende Krauß: „Wir sind fassungslos und verstehen diesen Umgang nicht. Unsere gesamte Jugend- und Familienarbeit läuft dort (im Kletterzentrum,die Redaktion), Mitglieder trainieren, unsere Geschäftsstelle sitzt dort und unser Materiallager wird im Gebäude verwaltet. Kurzum, das Herz des Vereins hängt an diesem Ort, jetzt fühlen wir uns wie amputiert. Eine Sperrung ist für uns existenzbedrohend.“

Laut Vorstandsschreiben geht die Geschichte der DAV-Sektion bis ins Jahr 1953 zurück. Damals wurde das Turner-Alpen-Kränzchen Markt Schwaben im DAV gegründet, das sich 2008 als Sektion eigenständig gemacht hat. Die Mitgliederzahl habe sich seitdem mehr als verdoppelt, von 800 auf heute rund 1700 Mitglieder. „Das alte Klärwerksgelände haben die Mitglieder in mehreren aufwendigen Stufen mit bis heute circa 8000 Stunden ehrenamtlicher Arbeit und mit einem mittleren sechsstelligen Eurobetrag zum Kletter- und Vereinszentrum ausgebaut“, schreibt der Vorstand. Der tatsächliche und ideelle Wert sei freilich weitaus höher.

Neben der seit 1988 zum Klettern genutzten Außenanlage am Betonturm bauten die Mitglieder 2005 den ehemaligen Faulturm mit 250 Quadratmetern Kletterfläche zur Indoor-Anlage aus. 2011 folgte ein neuer und von der stellvertretenden Landrätin Magdalena Föstl eröffneter Boulderbereich (250 Quadratmeter), blickt der Vorstand zurück. 2015 kamen eine neue Außenkletterwand (100 Quadratmeter) und die Geschäftsstelle hinzu.

Wie der Vorstand weiter aufzählt, hat die DAV-Sektion Markt Schwaben vier Jugendgruppen mit vollen Wartelisten, eine Familien-, Mountainbike- und Rennradgruppe sowie verschiedene Klettergruppen. Das Franz-Marc-Gymnasium trainiere mit seiner Sportklettergruppe jede Woche auf bzw. in der Anlage. Den beiden Vorsitzenden Marina Krauß und Sven Idek zufolge wurde der Verein unter anderem vom Bayerischen Landes- Sportverband seit 2010 in Summe mit 45 000 Euro gefördert, allerdings teilweise nur unter der Auflage einer 25 Jahre andauernden Nutzung. „Das alles steht jetzt auf dem Spiel, obwohl unser Nutzungsüberlassungsvertrag noch bis 2041 läuft“, sorgt sich Krauß.

Die Vorsitzende schreibt in der Pressemitteilung: „Die Gebäude sind natürlich nicht mehr neu und gehören der Marktgemeinde. Es hieß zuletzt immer, es muss Sanierungen geben. Klar ist, die Nutzungsuntersagung hängt nicht mit unseren Aktivitäten zusammen. Wir suchen bereits seit zwei Jahren intensiv den Kontakt mit der Gemeinde, um Gewissheit über die weitere Nutzung zu bekommen. Erst letztes Jahr bestärkte uns der Gemeinderat bei einem gemeinsamen Ortstermin, lobte das Idyll und sprach sich klar für den Erhalt aus. Dass die Gemeinde jetzt von Heute auf Morgen ohne irgendeine Alternative zusperrt, ist für uns ein Schlag ins Gesicht und ein Armutszeugnis für die Gemeinde. Aber wir sehen nach vorne, wir werden mit aller Kraft für ein Kletter- und Vereinszentrum in Markt Schwaben kämpfen.“

Am Ende der Pressemitteilung heißt es, dass der Verein deshalb jetzt an die Öffentlichkeit gehe, „um für jeden sichtbar zu zeigen, dass es hier eine Lösung geben muss“. Das alte Klärwerk in Markt Schwaben, am Ortsausgang Richtung Ottenhofen, sei seit 1988 der Anlaufpunkt schlechthin der Schwabener Alpenvereinsmitglieder und weit über die Landkreisgrenzen bekannt.

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