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Verwaist: Die Nutzung der Kletteranlage am Sägmühlenweg in Markt Schwaben ist derzeit verboten. Lediglich der Boulderbereich ist weiter in Betrieb. 

Sperrung Kletteranlage

Hoffen auf das Landratsamt

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Wie geht es weiter mit der Kletteranlage der DAV-Sektion Markt Schwaben? Montag drei Stunden Diskussion, am Mittwoch ein Termin mit dem Landratsamt - es geht Schlag auf Schlag.

Markt Schwaben – So schnell wie möglich einen Termin im Landratsamt bekommen und Gespräche führen mit den zuständigen Mitarbeitern. Das nannte Markt Schwabens Bürgermeister Georg Hohmann als ersten und wichtigsten Schritt, um das oberste Ziel zu erreichen: „Die Kletteranlage wieder in Betrieb nehmen.“ Das betonte er bei einem Treffen am Montagabend mit der DAV-Sektion.

Rund 60 der insgesamt knapp 1700 Mitglieder waren ins Rathaus gekommen, wo Hohmann aufgrund der aktuellen Situation kurzfristig eine „Sonderbürgersprechstunde“ anberaumt hatte. Dort sagte er, dass er versuchen wolle, zusammen mit Vorstandsmitgliedern der DAV-Sektion schnellstmöglich mit dem Landratsamt als zuständige Genehmigungsbehörde Möglichkeiten zu erarbeiten, die die Nutzung wieder zulassen. In welcher Form, auch beispielsweise mit einer Übergangslösung, hänge einzig und allein vom Landratsamt ab. Wie unsere Zeitung am Dienstagnachmittag erfuhr, findet bereits am heutigen Mittwoch ein Termin mit der Kreisbehörde auf dem Klärwerksgelände statt.

Vor einer Woche hat der Marktgemeinderat in nicht-öffentlicher Sitzung mehrheitlich beschlossen, das alte Klärwerk am Sägmühlenweg ab sofort für jegliche Nutzung zu sperren. Jenes Areal, auf dem die Markt Schwabener Sektion des Deutschen Alpenvereins (DAV) seit 2005 ihre Kletteranlage betreibt. Die wurde laut Chronik des Vereins damals vor der Eröffnung vom TÜV geprüft und freigegeben. Zur feierlichen Einweihung am 2. Juli 2005 erhielt die Kletterhalle zudem den kirchlichen Segen. Die jetzige Sperrung betrifft den ehemaligen Faulturm (Kletterhalle) sowie das alte Betriebsgebäude (heute: Vereinsräume). Vom Nutzungsverbot ausgenommen ist lediglich die Boulderanlage.

Dass die Gebäude auf dem Gelände teilweise marode sind und die Nutzung nicht mehr als eine Duldung ist, ist sowohl der Gemeindeverwaltung als auch der DAV-Sektion seit gut zwei Jahren bekannt. Schon vor eineinhalb Jahren habe es diesbezüglich Gespräche mit dem DAV-Vorstand gegeben, sagte Hohmann am Montag.

Dort berichtete Bauamtsleiter Frank Eichner (der seit 2014 im Amt ist und eigener Aussage zufolge zum Start alle gemeindlichen Liegenschaften und Gebäude geprüft hat), dass er bei der Durchsicht von Unterlagen entdeckt habe, dass für das alte Klärwerk keine (bau-)rechtlich notwendige Nutzungsänderung vorliegt. Demzufolge sei das Areal bis heute offiziell lediglich als Klärwerk ausgewiesen. Jegliche andere Verwendung (neben der DAV-Sektion nutzen Landkreisfeuerwehren einen unterirdischen Teil des Gebäudes für Übungen, zum Teil unter Einsatz von echtem Feuer) ist laut Eichner und Hohmann demnach nicht zulässig bzw. bedarf eines Antrags auf Nutzungsänderung. Weil die Marktgemeinde Eigentümerin des Grundstücks und der Gebäude ist, hafte sie auch dafür. In Person der Mitglieder des Marktgemeinderates und von Bürgermeister Georg Hohmann.

Diese Situation, sagte der Rathauschef, habe er vor einer Woche dem Marktgemeinderat mitgeteilt. Und, dass für eine Nutzungsänderung vorab ein Gutachten notwendig sei, um die rechtlichen Schritte eines Genehmigungsverfahrens einleiten zu können. Die Mehrheit im Gemeinderat aber hat ein Gutachten abgelehnt. Ebenso wolle der Gemeinderat keine Haftung übernehmen, sollte ein Unfall oder ein Schaden passieren, so Hohmann. Diese Verantwortung lehne auch er als Bürgermeister ab.

Dass er dennoch bisher die Nutzung als Kletteranlage sowie für die Feuerwehren zugelassen habe, sei sein eigenes Risiko gewesen. „Ich habe mich immer auf sehr dünnem Eis bewegt, weil ich meinen Kopf hingehalten habe“, sagte Georg Hohmann in der Sitzung mit den DAV-Mitgliedern. Diese Verantwortung könne und wolle er jetzt aber nicht mehr tragen.

Dafür haben die DAV’ler Verständnis, wie mehrere von ihnen während der Diskussion betonten. Nicht nachvollziehbar aber sei, warum die Marktgemeinde von Heute auf Morgen die Anlage gesperrt habe – wo doch die prekäre Situation schon seit Jahren bekannt sei. Dieses Vorgehen kritisierten einige Mitglieder sowie die beiden Vorsitzenden Marina Krauß und Sven Idek. Mitglied Elke Kressierer sprach davon, dass der Klettersport in der Marktgemeinde keine Lobby habe, anders als beispielsweise der Fußball.

Zumindest, so die Meinung vieler Sektionsmitglieder, hätten Marktgemeinderat und Verwaltung ein paar Wochen Übergangszeit einräumen können, damit sich der Verein auf die Schließung hätte vorbereiten können. Jetzt aber habe man kurzfristig Kletterkurse (vor allem für Kinder und Jugendliche) absagen müssen. Außerdem könnten keine Kletterstunden mehr für das Franz-Marc-Gymnasium (FMG) durchgeführt werden, mit dem die DAV-Sektion kooperiert und wo das Klettern ein fester Bestandteil im Sportunterricht geworden ist. Das bestätigte FMG-Direktor Peter Popp, der in der Sitzung am Montagabend ankündigte, für seine Schüler Ersatz zu suchen bzw. Busfahrten zu anderen Kletteranlagen organisieren zu wollen.

Etwa drei Stunden dauerte die Zusammenkunft am Montagabend im Rathaus, zu der neben Bürgermeister Hohmann noch Vertreter der Verwaltung gekommen waren sowie die beiden CSU-Gemeinderatsmitglieder Anja Zwittlinger-Fritz und Heinrich Schmitt. Auf die Frage von DAV-Mitgliedern nach dem wahren Grund dafür, warum der Marktgemeinderat das Gutachten ablehnt, gaben Zwittlinger-Fritz und Schmitt eine Antwort, die sich für die Vereinsmitglieder wie ein Schlag in die Magengrube anfühlte (was am leisen Stöhnen einzelner zu hören war): Ein Gutachten zum Zustand des alten Klärwerks mache keinen Sinn, da der Marktgemeinderat eine Sanierung sowieso nicht bezahlen würde.

Allein das Gutachten würde schon rund 62.000 Euro kosten, wurde am Montag bekannt. Geld, das die Marktgemeinde aufgrund der prekären finanziellen Haushaltssituation und der großen Pflichtaufgaben wie Neubau des Schulzentrums derzeit nicht habe, erläuterten die beiden CSU-Ratsmitglieder. Dies bestätigte Bürgermeister Georg Hohmann (SPD), der erläuterte, dass die Kommune aufgrund der Konsolidierungsphase keinerlei freiwillige Leistungen bzw. Investitionen tätigen könne, zusätzlich zu den eben anstehenden Pflichtaufgaben. Die Kletteranlage sei eine freiwillige Leistung.

Daraufhin wollten einige DAV-Mitglieder wissen, ob und wie es denn überhaupt weitergehen könne, wenn der Marktgemeinderat sowieso nichts tun könne. Sowohl Anja Zwittlinger-Fritz und Heinrich Schmitt (die als einzige Gemeinderatsvertreter bei dem Treffen dabei waren) als auch Bürgermeister Georg Hohmann betonten, dass man die DAV-Sektion im Ort behalten und die Anlage erhalten wolle. Mit welchen Möglichkeiten und Mitteln, könne man aber erst entscheiden, nachdem Gespräche mit dem Landratsamt geführt worden sind.

Eine Möglichkeit, die von Verwaltungsseite sowie von den beiden Gemeinderatsmitgliedern in der Sitzung genannt wurde: Die DAV-Sektion kauft für einen symbolischen Betrag (Hohmann nannte einen Euro) das Gelände und übernimmt die Verantwortung. Die Sektion könne dann, so wie jeder andere Verein auch, bei der Marktgemeinde einen finanziellen Zuschuss beantragen.

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