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Berufsverkehr in der Herzog-Ludwig-Straße in Markt Schwaben. Viele Autofahrer suchen sich da lieber einen Schleichweg.

Täglicher Verkehrskollaps in Markt Schwaben

Stauumfahrer nerven Anwohner

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Harte Geduldsprobe für Bewohner von Ödenburger-, Neusatzer- und Wallbergstraße in Markt Schwaben: Täglich  schieben sich lange Autoschlangen durch die engen Gassen.

 Markt Schwaben – Das, was Norbert Eulitz aus der Böhmerwaldsiedlung jeden Tag erlebt und es gerne auch mal Anderen zeigt, die mit dem Begriff Verkehrschaos womöglich nicht soviel anfangen können, lässt nicht lange auf sich warten. Es ist ziemlich genau 16.45 Uhr. Auf der Ödenburger Straße fährt ein schweres Baufahrzeug bergab Richtung Bachleiten. Unten in der Kurve kommt dem Fahrer ein Pkw entgegen, der gerade eben von der Herzog-Ludwig-Straße abgebogen sein muss. Die beiden einigen sich.

Doch das nächste Problem lauert bereits Sekunden später. In der Straße „An der Bachleiten“, ganz am Anfang in Höhe der Einmündung in die Herzog-Ludwig-Straße, wird es plötzlich brutal eng. Am Straßenrand parken nämlich zwei andere Fahrzeuge, was hier nicht verboten ist. Letztlich schafft der Fahrer des Baufahrzeugs die Weiterfahrt Richtung Hauptstraße nur, indem er die überbreite Frontschaufel seines Fahrzeugs hydraulisch deutlich über das Dachniveau der beiden parkenden Wagen anhebt.

Ohne Rangieren geht da gar nichts mehr in den Bachleiten 

Die Prozedur gelingt. Und das ist auch gut so. Einer der beiden geparkten Pkw gehört nämlich dem Chronisten. Es dauert nur Minuten, und der nächste Kollaps ist da. Zwei Pkw rollen bergab, zwei kommen von der Bachleiten und wollen den Fahrschulberg, wie er in Markt Schwaben schon mal genannt wird, in Richtung Schulzentrum befahren. Ohne besondere Rangierarbeiten aller Beteiligten geht da fast nichts.

Das Problem in der Ödenburger Straße ist nicht neu. Eulitz hatte sich schon bei der Bürgerversammlung im vergangenen Jahr gemeldet und auf die Zustände in seinem Viertel aufmerksam gemacht. Getan habe sich seither praktisch nichts, sagt er jetzt. Im Gegenteil: Die Gesamtlage sei im Grunde noch schlimmer geworden.

Anwohner fühlen sich im Stich gelassen

Zum Beispiel für die Nachbarn, die erst vor Kurzem zugezogen sind wie Rafael Crespo. Der Vater zweier Kinder wohnt seit September 2018 im Viertel. Und hat in den paar Monaten schon erlebt, dass es zu den sogenannten Stoßzeiten in Markt Schwaben so zugehen kann wie in dem Ort, aus dem er zugezogen ist: Düsseldorf.

Von der Gemeinde, sagt Eulitz, erwarte er inzwischen nichts mehr. Mehrfach habe es Kontakt mit dem Bürgermeister gegeben. Auch seine Äußerung vor der versammelten Bürgerschaft habe keine Wirkung erzeugt. Der Rentner zweifelt inzwischen nach eigenen Worten daran. Ob im Marktgemeinderat überhaupt alle Mandatsträger eine Vorstellung davon haben, was in der Ödenburger Straße so los sein kann.

Aber Hürden im Kampf um eine bessere Lösung sieht der 74-Jährige nicht nur im Rathaus, sondern auch auf Kreisebene. Im Oktober sind es bereits zwei Jahre her, dass er dem Verkehrsexperten Hermann Ziegler vom Landratsamt eine Mail schrieb. Von untragbaren Zuständen berichtete Eulitz, fehlendem Bürgersteig, fehlendem Radweg. Davon, dass parkende Autos die Situation noch schlimmer machten, da die Straße immerhin ja auch ein Schulweg sei.

Kollaps im Berufsverkehr

Und eben auch eine offenbar sehr beliebte Umgehung. Früh morgens zwischen 7 und 8.15 Uhr, wenn Eltern ihre Kinder zur Schule fahren und im Habererweg oder auf dem Wittelsbacher Weg direkt vor den Schulgebäuden absetzen. Oder sie mittags wieder abholen. Oder wenn am späten Nachmittag der Berufsverkehr eingesetzt hat und – was die Regel inzwischen ist – die Marktgemeinde phasenweise in einen Kollapszustand versetzt.

Eulitz will beobachtet haben, dass manche sogar mit ausdrücklicher Navi-Hilfe aus Richtung Gelting kommend an der Bachleiten abbiegen, um dann über die Ödenburger Straße und Neusatzer Straße sowie den Wittelsbacher Weg und die Wallbergstraße bei der Esso wieder auf die Ebersberger Straße zur Weiterfahrt Richtung Moos oder Anzing geleitet werden. „Hier spart man sich fünf Ampeln und jede Menge Stau“, so der Schwabener, der seit 1989 in der Marktgemeinde wohnt. Auch das hat er dem Landratsamt mitgeteilt. An eine Reaktion kann sich Eulitz nicht erinnern.

Sein Nachbar Otmar Demharter bestätigt diese geschilderten Beobachtungen. Er ist noch länger Anlieger. Das von ihm bewohnte Haus stammt aus dem Jahr 1936. Seine Mutter hatte noch bis in die Mitte der 80er Jahre dort die damals einzige Lotto-Annahmestelle der Gemeinde betrieben. Weshalb die alten Schwabener bei der Ödenburger Straße auch gerne vom Lottoberg oder Demharterberg gesprochen haben. Eine wie auch immer organisierte Verkehrsberuhigung. Zeitweise hatte es so etwas schließlich schon mal gegeben. Warum das alles wieder rückgängig gemacht worden sei, scheint niemand mehr zu wissen.

Schulzentrum könnte noch mehr Verkehr anziehen

Demharter, Crespo und Eulitz sowie dessen Sohn Michael (36), ebenfalls ein Anlieger, treibt nunmehr noch eine weitere Sorge um. Sie alle, und mit ihren womöglich noch viel mehr Anrainer, fürchten nunmehr, dass der geplante Neubau des Schulzentrums auf dem jetzigen Jahnsportplatz die Verkehrssituation in der Ödenburger Straße noch weiter verschärfen könnte. Aufmerksam hatte man zuletzt das Verkehrsgutachten der Ingenieure Vössing gelesen, das dazu erstellt worden ist und das man auf der Internet-Homepage der Marktgemeinde leicht einsehen kann. Dieses Schulzentrum werde, heißt es dort (Fassung März 2019), werde voraussichtlich nicht nur über den Marktplatz und über den Wittelsbacher Weg /Wallbergstraße angefahren, sondern „zumindest teilweise auch über die Ödenburger Straße“. Die Anlieger fürchten also noch mehr Belastung, noch mehr Chaos vor der Tür und irgendwann einmal dann doch den ersten ernsthafterer Unfall. Eulitz schätzt, dass es in seiner Nachbarschaft nicht wenige Anlieger gebe, die den gewählten Standort für das neue Schulzentrum für falsch hielten.

Schleichwege sind schneller

An anderer Stelle im Gutachten heißt es übrigens einschränkend, dass das Verkehrsaufkommen auf einem sehr niedrigen Niveau stattfinde und die Belastung weiterhin in den Spitzenstunden sehr gut verträglich sei. Es echte Beruhigung scheint dieses Resümee nicht zu sein. Die Stauflüchtlinge werden der Ödenburger wohl erhalten bleiben, egal was mit dem Schulneubau passiert.

Abwegig ist die Sorge nicht. Von der Herzog-Ludwig-Straße/Höhe Bäuerle bis zur Esso-Tankstelle in der Ebersberger Straße braucht der Chronist an diesem Nachmittag siebeneinhalb Minuten. Der Schleichweg hätte (nach einem persönlichen Test) ziemlich genau zweieinhalb Minuten in Anspruch genommen.

Lesen Sie auch zum geplanten Schulzentrum 

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