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Beim Demontieren eines Reinigungsgerätes muss wohl einiges falsch gemacht worden sein. Die Folge: ein Großeinsatz der Feuerwehr in der Bahnhofstraße in Markt Schwaben.

Gefahrguteinsatz in Markt Schwaben

Bei Demontage in chemischer Reinigung geht alles schief

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Offenbar unsachgemäß wurde versucht, eine Spezialmaschine in einer ehemaligen chemischen Reinigung in Markt Schwaben zu demontieren. Es trat Gas aus, Kinder wurden evakuiert. Über 55 Fachkräfte waren stundenlang im Einsatz.

Markt Schwaben – Beißender Geruch im Treppenhaus war es, der am Freitagmorgen Bewohner bzw. Nutzer eines Hauses in der Bahnhofstraße/Ecke Trappentreustraße in Markt Schwaben in Unruhe versetzte. Es handelt sich um jenes Gebäude, in dem sich viele Jahre lang eine Reinigungsfirma befand, die aber schon einige Zeit nicht mehr im Betrieb ist. Mitbewohner im Obergeschoss (dort, wo eine Tagesmutter eine Krippe betreibt) informierten darauf umgehend die Feuerwehr. Unter der Leitung des Kommandanten Christian Hankofer rückte die gleich aus, um dann festzustellen, dass fast 500 Liter des chemischen Reinigungsmittels Tetrachlorethylen den Grund für den merkwürdigen Geruch lieferten. Es handelt sich dabei um ein Kontaktgift, das krebserregend und so gefährlich ist, dass kontaminierte Haut sofort mit viel Wasser abgespült werden muss und verunreinigte Kleidung schnell entfernt werden sollte.

Laut Hankofer befanden sich offenbar schon seit längerer Zeit zwei 200-Liter-Fässer in den Räumen der ehemaligen Reinigung und weitere 50 bis 80 Liter als Reste in einer Spezialreinigungsmaschine italienischer Herkunft. Um den fünf Krippenkindern den Weg durch das Treppenhaus zu ersparten und sie gar nicht erst in die direkte Nähe zur Gefahrenquelle zu bringen, wurden alle mit der Drehleiter aus dem zweiten Stock evakuiert. Nach mehreren Stunden Einsatz – mit teilweiser Sperrung der Bahnhofstraße und anliegender Gassen – gelang es schließlich, die Fässer zu bergen und durch eine Spezialfirma abzutransportieren. Die teilweise abmontierte Maschine jedoch verbleibt zunächst im Erdgeschoss. Sie muss nun mit großem Aufwand von Spezialisten demontiert und gesondert entsorgt werden. Die Polizei brachte inzwischen ein Siegel an den Eingangstüren an.

Am Tag zuvor, also am Donnerstag, hatte jemand begonnen, die Reinigungsanlage zu demontieren, bestätigte ein 35-jähriger Plieninger, der die ehemaligen Geschäftsräume und den ersten Stock darüber vor Kurzem gekauft hat, um dort Wohnungen zu schaffen. Die Reinigungsanlage hatte er bei Ebay nach eigenen Angaben zum Verkauf angeboten. Es soll dem Vernehmen nach ein Kunde aus Aschheim gewesen sein, der sich dann eigenhändig an die Demontage machte. Offenbar, ohne sich bewusst zu sein, mit welch gefährlichen Stoffen er da hantierte.

Neben der Feuerwehr Markt Schwaben sowie den Wehren aus Poing, Gelting, München-Land und Ottenhofen wurden ein ABC-Spezialzug aus München-Land, das BRK und einige Ämter (Wasserwirtschaftsamt, Landratsamt) informiert. Gute Dienste leistete auch ein Passant, der morgens auf dem Weg zum Bahnhof war. Der Chemiker, zugleich THW-Angehöriger, hatte sich umgehend mit seinem Fachwisssen zur Verfügung gestellt und blieb gut drei Stunden am Einsatzort, berichtete die Feuerwehr. Nicht alle Schwabener verhielten sich so vorbildlich. Mehrfach ignorierten Passanten die Absperrungen auf dem Weg zur Arbeit, zum Bahnhof oder nach Hause. Gegen 15.30 Uhr war der Einsatz vorläufig beendet. Auch die Eigentümer der oberen Etage konnten da wieder ihre Wohnung betreten. Mehrfach wurden im Verlauf des Einsatzes Gasmessungen vorgenommen. Gefahr, betonte Hankofer, habe für die Nachbarschaft zu keinem Zeitpunkt bestanden.

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