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Nicht mehr attraktiv: Zwei Störche im Frühjahr auf dem Markt Schwabener Horst. Sie sind nicht lange geblieben.  

Vogelschutz in Landkreis

Störche machen sich rar

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Um den Landkreis Ebersberg haben sie in diesem Jahr einen großen Bogen gemacht. Dabei ist die Storchenpolulation in Bayern erfreulich gewachsen. Das berichtet der Markt Schwabener Vogelschützer Richard Straub.

Markt Schwaben– Wenn ein Artenhilfsprogramm eingestellt wird wie erst unlängst das für den Weißstorch in Bayern, ist das nur auf den ersten, oberflächlichen Blick, eine schlechte Nachricht. Nein, Richard Straub, seit Jahrzehnten ein ehrenamtlich engagierter Horstbetreuer aus Markt Schwaben, sieht in dem Abschluss des erwähnten Programms sogar etwas Positives. Warum? Nach 30 Jahren außerordentlicher Anstrengungen um den Erhalt des lange vom Aussterben bedrohten Weißstorchs in Bayern können die Schutzbemühungen quasi eingestellt werden. „Wegen des Erfolgs der Gesamtmaßnahme“, so der Schwabener.

Richard Straub ist einer von rund 350 ehrenamtlichen Storchenbetreuer im Freistaat. Bei der offiziellen Abschlussfeier des Artenhilfsprogramms in Öttingen war er, stellvertretend, als Abgesandter Oberbayerns vertreten. Einmal mehr ein überregionaler Termin für den Storchenexperten aus dem Landkreis Ebersberg.

Als das Hilfsprogramm vor drei Jahrzehnten in Gang gesetzt wurde, berichtet Straub, gab es in ganz Oberbayern lediglich in Langengeisling im Nachbarlandkreis Erding noch ein Storchenpaar. In ganz Bayern waren es 58. Damals. Die Gefahr des Aussterbens des Storchs stand akut im Raum. Doch die ergriffenen Maßnahmen im Freistaat, so erzählt Straub, trugen Früchte. Zurzeit weiß man von 480 Paaren, die immer wieder nach Bayern kommen. Straub: „Vom Aussterben spricht keiner mehr.“

Was aber nicht bedeutet, dass engagierte Storchenfreunde wie der Markt Schwabener sich nunmehr ausruhen könnten. Gegenwärtig hilft Straub beratend mit, dass in der Gemeinde Schechen im Landkreis Rosenheim ein Horst entstehen kann. Beratung ist auch angesagt, wenn wieder mal die Euphorie riesengroß ist, weil Bürger meinen, dass eine einmalige Übernachtung eines Paares schon die Grundlage dafür sei, einen neuen Horst anzubieten. Entscheidender ist es, so Straub, dass die Umgebung, die Landschaft rundherum stimmt und den sensiblen Tieren das Nahrungsangebot bietet, das zum Überleben dringend nötig ist.

Auch im Landkreis Erding ist Straub gegenwärtig tätig. Störche gibt es in Eitting sowie in Langengeisling. Und auch wieder in Sonnendorf, einem Ortsteil von Wörth.

Und wie schaut es in seiner Heimat aus – im Landkreis Ebersberg? „Schlecht“, sagt Straub. Eine zeitlang waren der Horst in Forstinning auf dem inzwischen verschwundenen alten Gasthaus sowie der in direkter Nähe geschaffene Ersatzhorst heuer besetzt. Das Storchenpaar im alten Horst hatte sogar, so berichtet Richard Straub, andere Besucherstörche im neuen Ersatzbau nebenan zur Kenntnis genommen – und dann doch vertrieben. Plötzlich aber seien alle Tiere verschwunden gewesen. Weder er noch seine Kollegen vom Landesbund für Vogelschutz kennen wirklich die Gründe.

Über die besondere Tragik, die mit dem anderen großen Storchenhorst im nördlichen Landkreis auf dem Dach des alten Schulhauses in Markt Schwaben verbunden war, hatte Straub ja schon vielfach berichtet. 19 Jahre lang gab es in der Marktgemeinde den Weißstorch. Doch bei Sanierungsarbeiten am Gebäude hatte ein neugieriger Arbeiter die Störche auf dem Dach verstört. Seitdem sind sie nicht mehr wiedergekommen. Bis heute. Diese traurige Geschichte ist übrigens inzwischen in ganz Deutschland bekannt. Die Nachrichtenagentur dpa hatte unlängst erst mit Straub, dem Storchenbetreuer aus Markt Schwaben, ein Interview geführt. Erst in diesen Tagen erschien der Wortlaut zum Beispiel auf der Kinderseite einer Flensburger Tageszeitung.

Darin äußert Straub übrigens auch seine ganz persönliche Hoffnung, dass irgendwann einmal wieder Störche auch seinen Heimatort Markt Schwaben zum längeren Verbleib anfliegen mögen.

Bei nüchterner Betrachtung aber habe sich das Umfeld für den Weißstorch in und rund um die Marktgemeinde jedoch nicht verbessert. Ein Grund sei die rege Bautätigkeit, ein anderer der starke Verkehr auf der FTO. Zwar gebe es immer wieder mal Storchenpaare, die zu Besuch kämen und den Horst auf dem alten Schulhaus als Herberge nutzen. Sie flögen jedoch nach ein, zwei Tagen wieder weiter – weil ihnen das Angebot im Umfeld nicht attraktiv genug erscheine. Straub hegt nun große Erwartungen und Hoffnungen an die im Raume stehenden Hochwasserschutzmaßnahmen; insbesondere im Bereich des Einbergfeldes auf Anzinger Flur.

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