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Sie haben dem Indischen Springkraut den Kampf angesagt (v.li.): Wilhelm Lehnert, Susanne May, Manfred Drescher und Balduin Koczynski.

Neophyhten-Bekämpfung In Markt Schwaben

Indisches Springkraut wird jedes Jahr weniger 

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Der Aktivkreis Umwelt bleibt in und um Markt Schwaben aktiv: Das Indische Spruingkraut soll weg! Genauso wie andere eingeschleppte Pflanzenarten auch.

 Markt Schwaben– Es ist noch gar nicht so lange her, da hatte in dieser Zeitung ein Vorsitzender eines Imkervereins in Form eines Leserbriefes eine Lanze für das Indische Springkraut gebrochen. Schließlich sei das Gewächs mit seinen rot-rosa-farbigen Blüten und einem relativ hohen Zuckergehalt im Nektar (48 Prozent) eine von Bienen willkommene Nahrungsquelle, hieß es sinngemäß.

Postwendend gab es andere Bienenzüchter-Kollegen, die sich ebenso vehement gegen Impatiens Glandulifera äußerten, so der lateinische Name des Springkrauts. Autor: Balduin Koczynski aus Markt Schwaben. Dieser öffentliche Disput zeigte und zeigt, wie umstritten das Springkraut nach wie vor ist.

In jedem Fall ist und bleibt es eine Pflanze, die die Fachleute zu den Neophyten zählen. Und so bezeichnet man das, was ursprünglich nie hier heimisch war.

Für Susanne May vom Aktivkreis Umwelt in Markt Schwaben ist die ganze Diskussion ohnehin unverständlich. Die rechtlichen Vorgaben seien doch ganz klar, sagt sie. Es gebe eine eindeutige EU-Verordnung aus dem Jahr 2015. Und darin wird die Beseitigung solcher Pflanzen wie das Indische Springkraut oder der japanische Knöterich gefordert. Ja, es gebe sogar eine Verpflichtung zur Bekämpfung, fügt die Naturschützerin an.

Sie verweist zugleich auf eine so genannte Unionsliste, die man im Internet beim Bundesamt für Naturschutz unter neobiota.bfn.de herunterladen kann. Eine Liste gebietsfremder Arten aus Fauna und Flora, die von A wie Alligatorkraut bis T wie Trachemys Script (Buchstaben-Schmuckschildkröte) reicht. Das drüsige Springkraut, wie es auch genannt wird, ist seit 2. August 2017 auf dieser Liste.

Die amtliche Beurteilung sei also eindeutig, betont die Marktgemeinderätin. Doch nicht alle behördlichen Stellen würden der Verordnung auch folgen, lautet zurzeit die Kritik des Schwabener Aktivkreises. Gemeint ist damit konkret nicht der untere Naturschutz, sondern vielmehr die Forstverwaltung. „Wir wünschen uns hier mehr Unterstützung“, sagt Susanne May.

Kritik, die aber auch an die eine oder andere Gemeinde in der direkte Nachbarschaft gerichtet ist. Springkraut macht eben an kommunalen Grenzen keinen Halt. Markt Schwaben kann ein Lied davon singen.

Der örtliche Aktivkreis Umwelt hat jedenfalls seinem Namen alle Ehre gemacht – und ist aktiv geworden. Vor ziemlich genau einem Jahr begleitete diese Zeitung die Freiwilligen am Schwarzgraben bei einem Neophyten-Ramadama, wie es in der Ausgabe der EZ vom 6. September hieß. Susanne May, Wilhelm Lehnert, Manfred Drescher und Balduin Koczynski gingen auf Schwabener Flur dem unerwünschten Kraut an den Kragen. Sie hatten damals reichlich zu tun. Die rot-rosa-leuchtenden Blüten waren, weil das Kraut so zahlreich vorkam, teils schon auf mehreren hundert Metern Entfernung auszumachen.

Gegen Neophyten geht der Aktivkreis schon seit 2012 vor. Doch es reicht nicht, einmal eine Flur zu durchkämmen. Das fremde Springkraut ist nämlich ein hartnäckiger Geselle. In diesen Tagen, fast auf den Tag genau ein Jahr nach der letzten großen Aktion am Schwarzgraben, traf man sich auf Initiative der Heimatzeitung nochmals an Ort und Stelle, um gemeinsam nachzuschauen, was das 2017-Ramadama gebracht hat.

„Zusammengefasst: Es hat sich gelohnt“, sagt Drescher, einst Gymnasiallehrer in Markt Schwaben. Am Schwarzgraben sei die Pflanze zu fast 100 Prozent eliminiert worden. Fast, denn beim gemeinsamen Rundgang entdecken die Aktivkreis-Mitwirkenden immer wieder noch einzelne Gesellen.

Besonders hartnäckig scheint die Pflanze in dem Waldbereich südlich der St 2080, etwa zwischen Löfflmühle und Köppelmühle, zu sein. Obwohl man heuer schon viermal die Flur durchforstete, sprießt das Kraut hier und da nach wie vor.

Nicht, weil man es einst übersehen hätte. Es sind die ganz speziellen Eigenschaften der Pflanze, die die Aktivisten dazu zwingt, heuer und auch noch in den nächsten Jahren immer wieder nachzukontrollieren. Die Pflanze, sagt Drescher, sterbe zwar mit dem ersten Frost ab, die Samen aber überwinterten und seien je nach Standort bis zu acht Jahre keimfähig. Drescher: „Die Samen keimen von April bis Anfang Oktober, abhängig von der Temperatur, der Niederschlagsmenge und der Sonneneinstrahlung.“

In Markt Schwabener Breiten habe es 2017 und heuer keine so guten Bedingungen für das Indische Springkraut gegeben, 2016 und die Jahre davor seien dagegen ideal gewesen. Aber es habe auch echte Misserfolge aus Sicht des Aktivkreises gegeben. Das Springkraut, so Drescher, sei am Hennigbach im Bereich Postanger sowie am Gigginger Bach schon weitgehend beseitigt gewesen. Aus wohl mangelnder Kontrolle habe sich der Bestand aber innerhalb von zwei Jahren wieder erholt, sodass diesen Sommer viele Stunden Arbeit notwendig waren, um es wieder zu entfernen. Nur er alleine schätzt seinen zeitlichen Aufwand auf gut 40 Stunden. Aufwand, den er und seine Kollegen gerne leisten. Man sehe ja, dass es Jahr für Jahr weniger werde.

Trotzdem schauen die vier beim Rundgang mit der EZ zufrieden. Auch, weil sie mit Freude beobachten können, was auf manchen Flächen inzwischen an Vielfalt entstanden ist, die vor Jahren noch vom Springkraut beherrscht waren. Kleine Erlen, Eschen oder Bergahorn haben sich blicken lassen. An einer anderen Stelle am Waldesrand, dort wo Mitglieder des Marktgemeinderates mal auf Neophytenjagd gingen, sprießen heute Disteln, Brombeeren oder das heimische gelbe Springkraut.

Verjüngung und Vielfalt, die gut und wünschenswert sei, wie es unisono heißt. Dass das noch mehr wird, dafür müssen May, Drescher, Lehnert, Koczynski und Co. aber auch in Zukunft noch viel tun. Und hoffen, dass auch jenseits der Schwabener Gemeindegrenze das Bewusstsein wächst, Neophyten gezielt ans Zeug zu gehen. Dass es eine Samenverbreitung durch fließende Gewässer gibt, ist bekannt und kann an Sempt und Schwarzgraben auch beobachtet werden. Auch Tiere verbreiten die Pflanze indirekt. Ein nicht unbedeutender Faktor ist der Mensch, der die Pflanze schon im 19. Jahrhundert über den Gartenbau nach Europa brachte.

Die ehrenamtliche Arbeit, so scheint es, wird dem Aktivkreis Umwelt vorerst nicht ausgehen. Denn der nächste unerwünschte Gast wartet bereits zahlreich an den Feldrändern und in den Fluren. Und der wird, da ist sich die Runde einig, ebenso viel Arbeit machen: die kanadische Goldrute. Susanne May: „Es wäre ein gutes Konzept für die Zukunft, wenn es uns gelingen sollte, bei der Neophytenbekämpfung eine Art Patenschaftssystem für Gebiete in Gang zu bringen“.

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