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So fühlt er sich wohl: Patrick Müller inmitten der Kinder.

Patrick Müller, 28, ist Erzieher in Markt Schwaben

Hallo, Herr Kindergärtner! Patrick (28) sagt, warum es so wenig Erzieher gibt

„Ich weiß nicht, woran es liegt, dass so wenige Männer in den sozialen Berufen arbeiten. Sicher spielt die eher mäßige Bezahlung eine Rolle.“ Das sagt Patrick Müller, 28, Kindergärtner in Markt Schwaben.

Patrick Müller, einer der weniger Männer, die in einem Sozialberuf Karriere machen.

Markt Schwaben – Es war eher ein Zufall, der Patrick Müller zum Erzieherberuf gebracht hat. Seine Eltern zogen um, als er in der zwölften Klasse war. Ein nahtloser Einstieg in der neuen Schule war nicht möglich. Er stand vor der Wahl das Schuljahr im alten Wohnort abzuschließen oder das Schuljahr zu wiederholen. Beides kam für ihn nicht infrage und er entschloss sich, mit seiner bereits erworbenen Mittleren Reife von der Schule abzugehen.

„Danach habe ich dann meinen Zivildienst in einer Heilpädagogischen Tagesstätte gemacht. Eigentlich wollte ich nie Erzieher werden. Alleine schon weil meine Mutter auch Erzieherin ist und es nie infrage kam, das Gleiche zu machen“, lacht er. Doch sein Zivildienst gefiel Patrick Müller so gut, dass er sich entschloss, von seinem Vorsatz abzurücken und er begann in Kempten seine vierjährige Ausbildung zum Erzieher.

Bereits dabei merkte er, dass die Arbeit mit Hortkindern zwischen sechs und elf Jahren ihm am meisten Spaß machte. „In diesem Alter kann man mit den Kindern schon wie mit kleinen Erwachsenen sprechen, das gefällt mir“, so Patrick Müller. Auch die Hausaufgabenbetreuung bereite ihm großen Spaß. „Da kommt mir meine Genauigkeit zu Gute“, schmunzelt er.

Nach seiner Ausbildung verschlug es Patrick Müller vom Allgäu nach Markt Schwaben, wo er Leiter einer Hortgruppe in der Villa Drachenstein wurde. Nach fünf Jahren im Haus übernahm er im letzten Sommer schließlich die Gesamtleitung des Hauses, das neben zwei Hortgruppen auch zwei Kindergartengruppen beheimatet. Insgesamt werden circa 100 Kinder in der Villa Drachenstein betreut.

Mittlerweile hat Patrick Müller sich gut an seine neue Aufgabe gewöhnt. „Dadurch dass ich davor schon stellvertretende Leitung war, war der Sprung nicht ganz so groß.“ Was er allerdings vermisse, sei der direkte Kontakt zu den Kindern.

„Ich bin nicht mehr fest in einer Gruppe, sondern bin als Springer tätig und arbeite überall, wo Notstand herrscht. Zur Not auch in der Küche“, lacht er. Im Büro sei er nur so viel wie es unbedingt sein müsse, denn ich will ja mit den Kindern arbeiten.

Viel geholfen hat ihm eine Weiterbildung zur qualifizierten Kita-Leitung die er im vergangenen Jahr absolviert hat. Für Patrick Müller wäre es wünschenswert, wenn mehr Männer im Erzieherberuf arbeiten würden. Schmunzelnd erzählt er von Eltern, die in seiner Ausbildung zu ihm kamen, um sich „den Mann anzusehen, von dem ihr Kind ganz aufgeregt erzählt hat“. „Bedenklich ist, dass Kinder bis zum Ende der Grundschule oft keine männliche Betreuungsperson haben. Dabei wäre das gerade in diesen jungen Jahren wichtig.“

Dass Männern im Erziehungsberuf von Eltern auch immer wieder skeptisch begegnet wird, kann er einerseits verstehen, findet es aber andererseits schade. „Jeder Missbrauchsfall eines Mannes an einem Kind, der in der Zeitung steht, schadet dem Ansehen von uns männlichen Erziehern ungemein.“

Einerseits sei es natürlich verständlich, dass sich Eltern Sorgen um ihre Kinder machten, die Vorbehalte seien aber gerade am Anfang der Berufslaufbahn schon auch eine erste Prüfung. Er selbst sei solchen Vorbehalten zwar nicht begegnet, kenne sie aber von Kollegen.

Ob sich der Männermangel in den nächsten Jahren ändern wird, da ist Patrick Müller eher skeptisch. Sicher ist jedoch, dass er ab Herbst nicht mehr der einzige Mann in der „Villa Drachenstein“ ist. Denn dann wird ein männlicher FSJler seinen Dienst in der Einrichtung beginnen.

Tobias Bönte

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