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Da ist der begehrte Pokal: Flipper-„König“ Johannes Ostermeier (17) aus Markt Schwaben wurde in Mailand erstmals Weltmeister. Kein Deutscher hatte das zuvor geschafft.

Flipper-Weltmeister 2019

Keiner spielt die Silberkugel so gut

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Noch nie wurde ein deutscher Spieler Weltmeister beim Flippern. Einem 17-Jährigen ist dieses sensationelle Kunststück gelungen. Er kommt aus Markt Schwaben. 

Markt Schwaben – „Fantastisch, sensationell, unglaublich“ sei er gewesen. Jürgen Ostermeier (55) scheinen die Worte zu fehlen, um zu beschreiben, was sein Sohn Johannes da gerade sich und allen anderen bewiesen hat, die bis dato von sich geglaubt hatten, im Spiel am Flipper-Automaten unbesiegbar zu sein. Wenn einer zurzeit unschlagbar ist im Umgang mit der Silberkugel, wie sie die Rockband „The Who“ 1969 in ihrer Oper „Tommy“ einst besang, dann Johannes Ostermeier. Nach dem Gewinn des nationalen Titels im Mai setzte der Bursche seinem Hobby jetzt sozusagen die absolute Krone auf. Der 17-Jährige wurde nach einer unbeschreiblichen Leistung im Finale, wie Vater Jürgen schwärmt, erstmals Flipper-Weltmeister. Als erster Deutscher überhaupt. Und das bei seiner erst zweiten WM-Teilnahme nach 2018, als er in Toronto an den Start ging.

Natürlich hat der Titelgewinn des Filius’ in Mailand ganz viel auch mit der intensiven Förderung durch den Papa zu tun. Der erinnert sich natürlich noch ganz gut, als er Johannes erstmals mit einem Flipperautomaten in Verbindung brachte. Damals so, dass der Bub noch auf einen Hocker hatte steigen müssen, um überhaupt erkennen und sehen zu können, was sich hinter den Glasscheiben über dem Spielfeld alles rührt. Das alles ist immerhin schon 13 Jahre her.

Wie sehr Vater und Sohn dem Geschicklichkeitsspiel verfallen sind, bei dem es um reaktionen, um Technik, die besondere Regelkenntnis und Nervenstärke geht, haben sie in den letzten Jahren schon oft erzählen müssen: Nicht nur den lokalen Reportern der EZ, die schon im Oktober 2011 oder im November 2013 ausführlich über das damals noch reifende Talent des Gymnasiasten berichteten. Auch überregionale Medien sind danach auf die Ostermeiers aufmerksam geworden, zuletzt u.a. der BR.

Zurzeit stehen 31 Automaten in Ostermeiers Sammlung. Wobei zumindest manchmal Apparate auch wieder verkauft und ersetzt werden durch Neuankäufe, wie der 55-Jährige erzählt. Es gibt aber auch, sagt Jürgen Ostermeier, die unverkäuflichen Schätze. Die, an denen sein Herzblut so sehr hängt, dass es ihm unvorstellbar erscheint, sich jemals davon zu trennen. Liebevoll gepflegt und gewartet wird jede Maschine. Auch die Luftfeuchte ist optimal tariert. Grundlage dafür, dass alle Geräte stets einsatzbereit sind.

Mit sportlichen Folgen: Erst vor ein paar Wochen stand Johannes wieder im Fokus. Und in zahlreichen deutschen Zeitungen. Als er sich den Titel des Deutschen Meisters sicherte. Die „tz“ schrieb, in Anlehnung an einen Who-Klassiker, von einem bayerischen „Pinball Wizard“, also einem Flipper-Zauberer.

In ihrer Rockoper ist Tommy der am Ende gefeierte Held. Im Song „Pinball Wizard“ heißt es: „Ever since i was a young boy, i’ve played the silver ball. From Soho down to Brighton, i must have played them all. But i ain’t seen nothing like him, in any amusement hall... that deaf dumb and blind kid, sure plays a mean pin ball! He stands like a statue, becomes part of the machine. Feeling all the bumpers, always playing clean. He plays by intuition, the digit counters fall. That deaf dumb and blind kid, sure plays a mean pin ball!“

Teil der Maschine werden, Spielen mit Intuition wie einst Tommy, der in der Rock-Oper ein tauber und blinder junger Mann ist? „Genau mein Erfolgsrezept“, wie Johannes berichtet. Es sei so, dass er quasi mit dem Flipperspieler verschmelze. Dass er zu jedem Zeitpunkt genau wisse, was zu tun sein. Oftmals schon weit im Voraus. Dass er nicht lange überlegen müsse, was zu machen sei.

Wohl auch nur so kann Johannes seinen bislang größten Erfolg erklären. Im Halbfinale hatte er mit Raymond Davidson (26) schon den amtierenden Weltmeister und Ranglistenersten besiegt. Im Finale aber wurde dramatisch. Gegen Daniele Acciari aus Rom lag Johannes nach sieben Matches 3:4 zurück; und gewann dann doch im entscheidenden neunten und letzten Spiel und mit der letzten Kugel nach einem nahezu unaufholbaren Rückstand an dem Automaten, der auf den Namen Dracula hört, mit 5:4 Partien. „So wie wenn man im Fußball zur Halbzeit 0:5 zurückliegt und dann doch noch gewinnt“, erzählt der neue Champion. Das brachte ihm den WM-Titel sowie den Sprung auf der Weltrangliste von Platz 3 auf 2. Und den grenzenlosen Respekt zahlreicher Flipper-Größen dieser Welt, die im Zuschauerraum Ostermeires Zaubereien bestaunten. Wie genau das abgelaufen ist, kann man auf „You Tube“ im Internet unter dem Stichwort jdl Pinball“ nachschauen. Dort ist als Film das dramatische Finale dokumentiert.

64 Teilnehmer waren bei der WM in Mailand vertreten; je zwei aus den 20 größeren Flipper-Nationen, der Rest je nach Ranglistenplatzierung. Die größte Konkurrenz kommt stets aus Deutschland, Schweden, Italien, England, den Niederlanden, Australien, Neuseeland, Japan, Kanada und den USA.

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