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Mahnende und aufrüttelnde Worte bekamen die Teilnehmer der Dekanatssynode in Markt Schwaben zu hören.

dekanatssynode 

Profil zeigen, Kräfte konzentrieren

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500 Jahre Reformation: 2017 ist eigentlich für die evangelischen Gemeinden ein Jubiläumsjahr. Doch es gibt auch ein Jahr der Fragen, wie sich bei der Dekanatssynode in Markt Schwaben zeigte.

Markt Schwaben - Es sind Fragen, die ins Fundamentale gehen und auf die die Protestanten hierzulande ab sofort möglichst die richtigen Antworten finden wollen – und müssen. Ein ganzes Paket solcher Fragen hatte Dekan Jochen Hauer zusammengefasst in seinen Dekanatsbericht zur Dekanatssynode, die im neuen Gemeindezentrum in Markt Schwaben stattfand. Im Dekanat Freising sind insgesamt zehn evangelische Kirchengemeinden aus den Landkreisen Freising, Erding und dem nördlichen Landkreis Ebersberg (mit Poing und Markt Schwaben) zusammengefasst. Dort hatte Kirchenrat Thomas Prieto Peral, Planungsreferent der Landeskirche, vor den geladenen Synodalen ein Grundsatzreferat mit dem Titel „Profil und Konzentration“ vorgetragen. Ein Referat, so Hauer gegenüber der Heimatzeitung, das das Zeug habe, einen Paradigmenwechsel innerhalb der evangelischen Kirche einzuleiten. Es sind die seit Jahren rückläufigen Zahlen an Gemeindemitgliedern, die die Protestanten selbst in einer Wachstumsregion wie dem Münchner Umland zu verzeichnen haben. Im Dekanat Freising spricht man derzeit von einem jährlichen Schwung von bis zu einem Prozent. Dabei steht man im Vergleich zu anderen Dekanaten der Landeskirche noch relativ stabil da.

Gravierend aber schlagen die Austritte zu Buche, so Hauer vor der Synode. Hier bewege man sich mit 1,5 Prozent per anno über den landeskirchlichen Durchschnitt (ca. ein Prozent). „Eine zu hohe Zahl“, so Jochen Hauer. Und eine, die sich im Lichte eines statistischen Zuwanderungsgewinns in Oberbayern durchaus auch dramatischer lesen ließe. Der Dekan: „Wir werden weniger, auch im Speckgürtel und Zuzugsgebiet um München“.

Hauer spricht von einer kritischen Gesamtlage, die nicht erst seit der Synode 2017 Fragen aufwerfe. Hier nur ein paar: Wie will man auf das geschilderte Szenario reagieren? Soll man gar in Depression verfallen? Soll man die Angebote noch stärker auf die Kirchenaffinen ausrichten? Was aber ist mit den Anderen? Mit denen, die die bestehenden Angebote der Kirche (übrigens auch der katholischen) nicht wahrnehmen?

Wie, so Dekan Hauer, könne man mit ihnen in Kontakt treten? Und in Verbindung bleiben, ohne den verbliebenen, stabilen Kern der Gemeinden zu vernachlässigen? Wo müsse man sich als Kirche zeigen? Was sind die Themen, die die Kirchengemeinden dringend besetzen müssen? Was sind die Fragen der Menschen? Was könne man antworten auf die brennenden Fragen der Menschen, sodass man auch verstanden werde? Wie die Menschen nachhaltig erreichen, die nicht zu den zehn Prozent gehören, die man Kerngemeinde nennt?

Schier endlos lang erscheint derzeit der Fragenkatalog, den die Landessynode in Coburg erarbeitet hat und der nun in die örtlichen Gemeinden getragen wird. Ein paar Antworten hat man freilich schon parat. Hauer sagt zum Beispiel: „Wir müssen wach sein.“ Und: Man müsse zur Kenntnis nehmen, dass die Kirchensprache nicht von allen verstanden werde. Gefragt seien seiner festen Auffassung nach nun Antworten, die nicht ausschließlich auf Besitzstandswahrung, also die Pflege der Kerngemeinde, aus seien und an der Grenze der eigenen Kirchengemeinde endeten.

Jochen Hauer spricht gegenüber der Heimatzeitung von neuen Räumen, die es ab sofort zu besetzen gelte. Von Sonderseelsorge, von einer neuen Art des Religionsunterrichts. Von effektiverer Zusammenarbeit über Gemeindegrenzen hinaus. Von Aufgabenteilung und Synergieeffekten. Ja, die innere Erneuerung müsse auch so weit gehen, Überlegungen zulasse, sich in puncto Ökumene neu auszurichten. Die Zeit konfessioneller Eigenbrötlerei sei jedenfalls vorbei.

Womöglich spielt auch die Personalpolitik der Landeskirche hier keine unwesentliche Rolle. Hauer: „Eine Untersuchung hat ergeben, dass Hauptamtliche, vor allem Pfarrerinnen und Pfarrer, erhebliche Bedeutung haben für die Bindung an eine Gemeinde, an die Kirche.“

Die Umsetzung des Projekts „Profil und Konzentration“ werde, so der Freisinger Dekan, eine Aufgabe der nächsten Jahre sein. In Markt Schwaben wurde regional sozusagen der Anfang gemacht und die Frage erörtert, was man wie umsetzen wolle und könne.

Trotz der geschilderten Probleme aber verbiete es sich, so der Dekan zum Abschluss seiner Ansprache, in allgemeines und grundsätzliches Gejammer zu verfallen. Auf eine sich selbst bemitleidende evangelische Kirche habe niemand Lust. Hauers Schlussbemerkung lautete folgerichtig: „Wir haben eine gute Botschaft, das Evangelium von dem menschenfreundlichen Gott“.

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