Beckstein und Gysi in Markt Schwaben

Schlagabtausch der Hardliner: "Wir schaffen das – dank Österreich"

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Markt Schwaben - Was kommt raus, wenn ein innenpolitischer Hardliner und der Lautsprecher der Linken über Gott und die Welt diskutieren? Zum Beispiel die Erkenntnis, dass die Ansichten der politischen Widersacher manchmal gar nicht so weit auseinander liegen.

Gregor Gysi hatte sich noch gar nicht richtig hinter seinem Rednerpult aufgebaut, da ließ er schon die erste Spitze los. „Vor 25 Jahren wäre es noch undenkbar gewesen, dass ich hier eingeladen werde“, sagt der Bundestagsabgeordnete und Lautsprecher der Linken und kann sich ein Grinsen nicht verkneifen. Hier, das ist das Sonntagsgespräch in Markt Schwaben im Landkreis Ebersberg. Mitten in Bayern, wo die CSU die absolute Mehrheit hält und die Linke bei der letzten Landtagswahl noch weniger Stimmen bekam als die desolate FDP. Wo ein Marx Predigten schreibt statt Manifeste. Günther Beckstein, ehemaliger CSU-Ministerpräsident und langjähriger bayerischer Innenminister mit dem Ruf eines Hardliners, kratzt sich kurz am Kopf – und entscheidet sich, die Steilvorlage zu verwandeln. „Und wenn, dann hätten Sie Mitarbeiter des damaligen Innenministers sicherlich überwacht.“ Gelächter unter den 300 Zuhörern, anerkennendes Nicken beim Gegenüber.

Bei der mittlerweile 79. Sonntagsbegegnung, organisiert und moderiert von Markt Schwabens ehemaligem SPD-Bürgermeister Bernhard Winter, trafen diesmal zwei Menschen aufeinander, die politisch kaum weiter auseinander liegen könnten – und einander doch schätzen. Thema ihrer Diskussion: Gott und die Welt. Am Ende blieb Gott nur der Einstieg und die Welt beherrschte den Dialog. Und auch wenn Günther Beckstein über Gregor Gysi schmunzelnd sagt, „ich habe eigentlich immer eine andere Meinung als er“, zeigt die Diskussion doch, dass die beiden mit ihren Ansichten manchmal gar nicht so weit auseinander liegen, wie ihre parteigefärbten Krawatten vermuten ließen.

Von der Religion zur Flüchtlingsfrage

Da sagt doch dieser Gysi, den der bekennende Christ Beckstein als „atheistisch, antikirchlich und antiklerikal“ einordnet, dass nur Religionsgemeinschaften für allgemein gültige Moralnormen sorgen könnten. „Wenn wir diese Gemeinschaften nicht hätten, gäbe es auch keine Moralnormen. Und diese Zeit würde ich fürchten.“ Aber so ganz ohne Kritik mag Gysi dann doch nicht über die Kirche sprechen. Bei der Kirchensteuer hebt er den Zeigefinger. „Ich bin dagegen, dass das vom Finanzamt eingezogen wird. Jede Organisation muss sich selbst um die Einnahmen kümmern.“ Und auch über die sogenannten Staatsleistungen an die evangelische und die katholische Kirche, die noch in der Säkularisierung kirchlicher Güter von vor über 200 Jahren ihren Ursprung haben, schimpft Gysi: „Das muss jetzt auch mal aufhören.“

Vom Thema Religion landen die beiden Gesprächspartner schnell bei der Flüchtlingsfrage. Hier bezieht Beckstein klar Stellung: „Es ist unsere Christenpflicht, diesen geschundenen Menschen zu helfen.“ Und dennoch: Als ehemaligem Innenminister habe es ihm „alles im Magen umgedreht, als aus einem Bürgerkriegsland hunderttausende von Menschen kamen, ohne kontrolliert zu werden“. Und dann wirft Beckstein Gysi einen Brocken hin: „Wir schaffen das. Dank der Österreicher und der Mazedonier.“ Darauf kann Gysi nur antworten: „Wer hätte je gedacht, dass ich Frau Merkel gegen die CSU verteidige.“ Diesmal hat Gysi die Lacher auf seiner Seite.

Ideologische Gräben? Kaum sichtbar

Doch es gibt auch in diesem Feld Übereinstimmungen, wenn Gysi sagt, Flüchtlinge in Deutschland müssten die Werte des Grundgesetzes akzeptieren. Beckstein fühlt eine gewisse „Genugtuung“, dass es bei der Frage zur Integration mittlerweile einen „gesellschaftlichen Konsens“ gebe.

Und auch was die Außen- und Europapolitik betrifft, wurden die ideologischen Gräben zwischen den beiden Politikern in Markt Schwaben kaum sichtbar. Beide betonen den Wert der Europäischen Union als Friedensordnung, mahnen zu einem unterstützenden, aber auch kritischen Umgang mit der Türkei sowie zu rationalem Verhandeln mit Russland und den USA. „Leider folgen weder Obama noch Putin ihren klugen Ratschlägen“, stichelt ein amüsierter Beckstein nach einem etwas längeren Monolog seines Gegenübers. Der kontert: „Das ist zu befürchten. Aber das galt auch für die Bundesregierungen, die ich bisher erlebt habe.“

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