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Freuen sich über einen Preis: Die Eheleute Ernst und Renate Schemmann, M aria Sommer (Mieter) und Ulrich Krapf (Vorsitzender der Wohnungsgenossenschaft Ebersberg).

Markt Schwabener Projekt ausgezeichnet

Senioren-WG mit Vorzeigecharakter

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Markt Schwaben – Von „ländlichem Lärm“ spricht Maria Sommer. Und muss bei dieser Wortschöpfung zugleich schmunzeln. Sie meint die Bulldogs, die schon mal früh am Morgen in Sichtweite ihrer Wohnung in der Loderergasse durchs Moos rasen. Aber auch das eher sanfte Geräusch, wenn sich ein Pferd auf der Koppel nebenan einen Büschel Gras herausreißt. Idylle eben, wie es sie nur auf dem Land gibt.

Und trotzdem wohnt die 68-Jährige nicht weit weg vom städtischen Leben. Zum Marktplatz in Markt Schwaben zum Beispiel sind es keine fünf Gehminuten. „Eine Toplage“, da sind sich Maria Sommer oder die Eheleute Renate und Ernst Schemmann völlig einig. Sie repräsentieren sozusagen zwei der elf Mietparteien in jenem genossenschaftlichen und öffentlich geförderten Wohnprojekt, das längst beispielhaft geworden ist für neue und zukunftsorientierte Wohnformen in Bayern.

Weil das das bayerische Sozialministerium auch so sieht, bekommen die Bewohner der Loderergasse 28 und die Wohnungsgenossenschaft Ebersberg mit ihrem Vorsitzenden Ulrich Krapf demnächst einen Preis. „Zu Hause daheim“ heißt der Wettbewerb, bei dem man sich gemeinschaftlich im vergangenen Jahr beworben hatte. Erfolgreich übrigens. Seit ein paar Wochen haben es Krapf und die Bewohner sogar schon schriftlich: Am 5. Mai wird das im Landkreis einmalige Wohnungsprojekt speziell für ältere Mitbürger prämiert. Welchen Preis sich die Schwabener/Ebersberge an der Donau abholen können, wissen sie noch nicht. Zwischen Platz 1 und 3 ist alles möglich. Dotiert ist der Wettbewerb, mit dem die Staatsregierung zukunftsweisende Wohnprojekte im Freistaat voranbringen will, mit 3000, 2000 oder 1000 Euro.

„Wir lassen uns überraschen“, so Krapf, der sich in diesen Tagen ganz besonders darüber freut, dass es seiner relativ kleinen Genossenschaft in Ebersberg erstmals überhaupt gelungen ist, bei einem bayernweiten Wettbewerb eine Auszeichnung zu erhaschen.

In die Bewerbung mit eingeflossen war die besondere Entstehung des Projekts, aber auch die Finanzierung, die Nachhaltigkeit und die Übertragbarkeit. Dazu musste ein sehr umfassender Fragenkatalog ausgefüllt und mit reichlich Zusatztext versehen werden.

Dass die genossenschaftliche 60-plus-Wohnanlage am Rande des Schwabener Moos eine Art Pilotcharakter haben könnte, hatte Krapf (50) schon erahnt, als sich das Ganze quasi noch in den Kinderschuhen befand. Als sich nach ersten Aufrufen in der Lokalpresse 2012 interessierte ältere Bürger der Marktgemeinde zusammenfanden, um sich danach regelmäßig zu beschnuppern und dabei zu testen, ob sie auch langfristig als Wohngemeinschaft taugen könnten. Einige kamen, manche gingen wieder. Am Ende, nach einem gut zweijährigen Findungsprozess, kristallisierte sich eine Mannschaft heraus, die der Genossenschaft das Zeichen gab: Wir sind eine Gemeinschaft, wir wollen gerne in einem Genossenschaftsmodell miteinander wohnen. Krapf: „Erst als wir genau wussten, wer einmal in dem Mehrfamilienhaus mit seinen elf Einheiten einziehen würde, wurden die Planungen wie die Raumaufteilung konkret.“

Für Krapf und die Ebersberger Genossenschaft war die Bildung eines fixen, harmonischen Mieterstamms die Grundvoraussetzung überhaupt. Das Kalkül ging auf. „Wir würden den gewählten Weg sicherlich wieder so beschreiten“, so Krapf zufrieden. Allersdings liegt der Ebersberger Wohnungsgenossenschaft bis dato zumindest aus dem Kreisgebiet keine weitere Anfrage vor, nochmals ein solches Seniorenprojekt auf die Beine zu stellen. Einer Neuauflage stünde die Genossenschaft durchaus aufgeschlossen gegenüber. Den allerersten Impuls, so betont Krapf, müsse dabei aber immer eine Gruppe interessierter Mieter setzen. So war es schließlich auch in Markt Schwaben.

Allererste Gedanken, wie es einmal im Alter werden sollte, hatten sich hier Renate und Ernst Schemmann (81) gemacht, damals bei stillen Exerzitientagen, wie sich die 77-Jährige erinnert. Durch Zufall kam das Paar später mit Maria Sommer, vielen bekannt als langjährige Mitarbeiterin der Caritas Markt Schwaben, zusammen. Im Gespräch stellten die drei fest, dass sie sich gemeinsam Gedanken machten um ein Thema; nämlich, wie sie einmal in der Zukunft wohnen und leben wollten. Das, was dann mit Hilfe der Genossenschaft entstanden ist, hat inzwischen bereits großes Interesse in ganz Bayern gefunden. Krapf war schon bei diversen Vorträgen, um über das Wohnprojekt zu reden.

Internet

www.wohnen-alter-bayern.de

www.zu-hause-daheim.bayern.de

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