+
Nach 19 Jahren ist Schluss: FMG-Direktor Gerhard Dittmann verlässt Ende Juli die Bühne. 

Franz-Marc-Gymnasium

Servus, Herr Direktor!

  • schließen

Wenn am Freitag die Abiturienten des Franz-Marc-Gymnasiums Markt Schwaben ihre Zeugnisse erhalten, wird Direktor Gerhard Dittmann zum letzten Mal die Rede halten. Nach 19 Jahren im Amt geht der Schulleiter Ende Juli in Pension. 

Markt Schwaben – Der kommende Freitag, der Tag der Abi-Zeugnis-Übergabe, wird in der Sporthalle des Franz-Marc-Gymnasiums (FMG) mit hoher Wahrscheinlichkeit für Gerhard Dittmann so ablaufen wie die letzten 18 Zeugnis-Übergaben auch: Er wird seine Ansprache wie immer zweiteilen. Wird genüsslich die Mathematik und die Statistik bemühen und vergleichende Studien vorstellen zum ewigen Kampf der Geschlechter. Das hat den Hauptprotagonisten in den letzten fast 20 Jahren stets immer ein gewisses Lächeln in die Gesichter gezaubert. Und auch heuer wird das nicht anders sein; höchstwahrscheinlich. Eine „nette Abrechnung“ nennt das der Direktor. Nicht mehr, nicht weniger.

Der Schulleiter aber wird auch ernstere Worte ans Auditorium richten. Ganz darauf verzichten kann man wohl nicht. Ein paar tiefgründige Anmerkungen an junge Menschen in einer Welt, die sich immer schneller verändert – und leider nicht immer nur positiv, werden wohl auch erwartet. Den jungen Leuten wird er aufzeigen, dass sie unterschiedlichen Einflüssen unterliegen werden, sich aber von außen nicht auf Irrwege drängen lassen sollten. Wer einen solchen nicht korrigiere, begehe Fehler, wird es heißen.

Irgendwann einmal hatte aber ein Kollege Dittmann geraten, nicht zu viel Weltbewegendes bei Abi-Nachmittagen zu sagen – weil dort keine Stimmung herrsche, in der viele viel aufzunehmen bereit seien. Dittmann hat den Rat beherzigt. Und wird das auch am Freitag so handhaben. Höchstwahrscheinlich.

Es wird für ihn, bei aller Routine, dennoch eine besondere Veranstaltung werden. Nach 19 Jahren am Schwabener Gymnasium ist in ein paar Wochen Schluss. Nachfolger wird sein derzeitiger Stellvertreter Peter Popp (47) werden.

Dittmann macht in diesen letzten Tagen und Wochen als Schulleiter einen aufgeräumten Eindruck. „Ich mag die Menschen und mag, wenn sie mich mögen“, sagt er lächelnd. Ein nettes „Guten Morgen“ unter Kollegen und in der Begegnung mit Schülern bewege ihn noch immer. Es sei ein persönlicher Segen, noch immer jeden Tag an eine Dienststelle kommen zu können und sich darüber ehrlich zu freuen, fügt er an. Der gebürtige Würzburger spricht von einer guten Stimmung im Haus im Vieleck zwischen Kollegium, Schulleitung, Eltern, Schülern und Mitarbeiter. Erst unlängst haben ihm Schülervertreter ein Plakat gemalt mit Danksagungen. Es hängt an der Eingangstür zu seinem Dienstzimmer. Und: Es bedeutet dem Neubiberger sichtlich viel. So viel wie die vielen anderen Losungen, die man im Gebäude überall findet: Haltung zeigen, Miteinander, die Würde des Menschen ist unantastbar, Vielfalt leben, Rassismus erkennen und bekämpfen. Kernpunkte im Wertekanon des FMG; und eindeutig auch versehen mit Dittmanns Unterschrift.

Der Chef spricht von einer derzeit allgemein „guten Stimmung“ im Hause. Aber die ist keine gottgegebene Sache, sondern Resultat eines besonderen Führungsstils und, wenn man so will, auch einer gewissen Marketing-Strategie. Wie nur wenige Schulleiter im Landkreis hat Dittmann vom ersten Tag an begriffen, dass eine Schule kein in sich isoliert existierendes Gebilde ist, sondern so etwas wie eine (Schul-)Gesellschaft inmitten einer (gemeindlichen) Gesellschaft. Dittmann stand und steht immer für ehrliche Dialoge; für das offene Elterngespräch ebenso wie für eine offensive Öffentlichkeits- und Pressearbeit. Für ehrliche Worte und fundierte Kritik. Zum Beispiel, als es darum ging, im Ministerium darauf hinzuweisen, dass das dort geborene G 8 unter den damaligen Umständen nie eine Chance bekommen habe, normal zu laufen. Vorgelebte Zivilcourage, von der sich die Schülerinnen und Schüler gut etwas haben abschauen können.

Auch schwierige Themen ging man an. Die bayernweit viel beachtete Ausstellung und Forschungsreihe zum vergessenen Widerstand etwa hatte dem FMG nicht nur Applaus eingebracht. Im Sinne der Wissenschaft sei es dennoch ein einmalig gutes Projekt gewesen, bilanziert Dittmann heute. Immer wieder hatte er das FMG geöffnet und das Schulgebäude zu einem Veranstaltungsort für Kultur, Politik, Wissenschaft gemacht. Dem Ruf der Schule habe das alles nicht geschadet, sagt er. Im Gegenteil: Die Beliebtheit des Gymnasiums ist so groß wie selten. Ein Indiz: Acht (!) Eingangsklassen wird es heuer geben.

Die offizielle Verabschiedungsfeier Dittmanns übrigens ist am 18. Juli ab 11.30 Uhr. Und dann sind es für ihn nur noch ein paar Tage.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Urlaubszeit ist Stauzeit
Ferienzeit ist Bauzeit. Das gilt vor allem für Arbeiten an den Straßen. Die größten Verkehrsbehinderungen in den kommenden Wochen wird es wohl an der B 304 in Höhe …
Urlaubszeit ist Stauzeit
Servus, altes Haus!
Wehmut, Teil 1: Beim allerletzten Sommerfest in der alten Grundschule Karl-Sittler-Straße in Poing-Süd haben Schüler, Lehrer und Eltern offiziell Abschied genommen. Am …
Servus, altes Haus!
Diskussion um Hallenbad spitzt sich zu
Zwei Bürgerbegehren beschäftigen derzeit die Schwabener besonders. Ein Infoabend am Donnerstag soll etwas mehr Klarheit bringen.
Diskussion um Hallenbad spitzt sich zu
Graue Wolken im Kopf
Wenn Jugendliche in der Pubertät launisch werden, kann auch eine ernst zu nehmende Depression dahinter stecken. Laut einer Studie sind zwischen drei und zehn Prozent …
Graue Wolken im Kopf

Kommentare