Der Friedhof in Markt Schwaben: Steinmetzarbeit
+
Der Friedhof in Markt Schwaben: Der Marktgemeinderat beschloss u.a eine Anhebung der Friedhofsgebühren zum Jahreswechsel.

Markt Schwaben erhöht Gebühren

Einmal pieseln für 6,31 Euro, das wäre kostendeckend

  • vonJörg Domke
    schließen

Der Freistaat will es so: Markt Schwaben muss mit den Gebühren kostendeckender werden. leicht gesagt...

Markt Schwaben – Manchmal ist wirklich erstaunlich und interessant, was man mit Mathematik so alles anstellen kann. Wollte man beispielsweise in Markt Schwaben die Benutzung des Hallenbades in der Herzog-Ludwig-Straße kostendeckend machen, müsste die Eintrittskarte für einen Erwachsenen 23,38 Euro kosten. Der dreistündige Aufenthalt in der Sauna schlüge sogar mit 70,14 Euro zu Buche.

Nächstes Beispiel: Wem’s pressiert und wer sich gerade in der Nähe des Bahnhofs aufhält, dem steht eine öffentliche WC-Anlage beim Parkhaus zur Verfügung. Mit 50 Cent ist man dabei, demnächst werden es laut neuem Ratsbeschluss ein Euro sein. Kostendeckend wären derzeit aber 5,40 Euro und demnächst sogar 6,31 Euro.

Solche kostendeckenden Gebühren sind natürlich utopisch. Doch selbst bei einem Euro, so ZMS-Ratsmitglied Wolfgang Korda, sei die Gefahr da, dass der eine oder andere lieber hinter einem Gebüsch verschwinde. Mag sein und vom Marktgemeinderat im Zweifelsfall auch nicht zu verhindern. Doch die Gebührensteigerung sei halt eben ohne Alternative, wie Gemeindekämmerer Andreas Kleebauer im Plenum erklärte. Man mache das (Gebühren für WC, Abwasser, Hallenbad, Sauna und Friedhof teils auch drastisch zu erhöhen) schließlich nicht, um sich als Kommune zu bereichern und Überschüsse zu erwirtschaften, sondern den Vorgaben des Freistaats gerecht zu werden. Der hatte seine dem Markt gewährte finanzielle Stabilisierungshilfe unter anderem an die Auflage gekoppelt, alle kommunalen Gebühren auf den Prüfstand zu stellen. Vier solcher Gebührenanpassungen beschloss der Rat am Donnerstag, in vier Wochen werden weitere neue Benutzungsentgelte folgen; zum Beispiel für den Sportpark, die Bücherei, den Bürgersaal im Unterbräu und die Inanspruchnahme von Leistungen der örtlichen Feuerwehr.

Teils drastische Erhöhungen nötig

Kröten, die geschluckt werden müssen. Und über die zu debattieren im Grunde nicht lohne, wie CSU-Fraktionssprecher Heinrich Schmitt den einen oder anderen Kollegen im Plenum sanft erinnern musste. Er wolle, so drückte sich der Christsoziale dann aus, in der Lokalzeitung nicht lesen, dass sich der Marktgemeinde eine halbe Stunde lang mit dem WC-Groschen befasst habe. Ein Hinweis, den dann doch so ziemlich alle verstanden, wie es schien. Zumal es bei der letztendlich beschlossenen Erhöhung des WC-Nutzungsentgelts um insgesamt rund 2500 Euro/Jahr handelte.

Um etwas mehr ging es bei Hallenbad und Sauna. Das Plenum folgte dem Vorschlag der Verwaltung auf eine moderate Erhöhung. Im Wissen, hier nie kostendeckend werden zu können. Einzeltickets werden ab 2021 jeweils 50 Cent teurer (Erwachsene zahlen dann 4,50 statt 4 Euro, Jugendliche 3 statt 2,50 Euro). Ähnlich ist es bei den Zehnerkarten. Die Sauna kostet künftig 15 statt 12 Euro, Preiserhöhungen gibt es auch bei Sauna-Fünfer- oder Zehnerkarten. Um kostendeckend zu sein, müsste man - noch ein bisschen Mathematik - eigentlich die Preise um 590 Prozent anheben. Damit freilich würde man die Einrichtung menschenleer machen. Bürgermeister Michael Stolze warb konsequenterweise dafür, bei allen künftigen Kalkulationen engmaschiger als bisher vorzugehen. Also die vorliegenden Zahlen in kürzeren Anständen anzusehen und ggf. neu zu bewerten.

Hallenbadticket müsste eigentlich 23,38 Euro kosten

So auch bei der Friedhofsnutzung. Die letzte Komplettkalkulation stammte hier aus dem Jahr 1999. Der aktuelle Deckungsgrad beträgt 75 Prozent. Im Gegensatz zu einigen anderen beschlossenen Anpassungen liegt hier jedoch die Möglichkeit vor, mit einer „nur“ 13-prozentigen Erhöhung die Kosten zu decken. Das Einzelgrab wird demnach künftig pro Jahr 45 statt 40 Euro kosten, das Doppelgrab 90 statt 80 Euro. Die Urnennische schlägt pro Jahr mit 85 statt 50 Euro zu Buche, beim Urnenerdgrab ist es genau so. Mit der Gebührenerhöhung beim Friedhof werden so pro Jahr 60 000 Euro Mehreinnahmen generiert.

Auch interessant

Kommentare