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„Lasse mir den Glauben nicht nehmen“

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Von: Jörg Domke

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Stefanie von Usslar (r.) ist neue Pfarrgemeinderatsvorsitzende. Hier im Gespräch mit Ulla Baumhof.
Stefanie von Usslar (r.) ist neue Pfarrgemeinderatsvorsitzende. Hier im Gespräch mit Ulla Baumhof. © jödo

Die neuen Pfarrgemeinderäte haben inzwischen ihre Arbeit aufgenommen. Auch echte Neulinge sind dabei: zum Beispiel Stefanie von Usslar.

Markt Schwaben – Als vor einigen Wochen auch in der katholischen Pfarrei St. Margaret in Markt Schwaben ein neuer Pfarrgemeinderat gewählt wurden, standen die Vorzeichen nicht unbedingt günstig. Lediglich sechs Gemeindemitglieder hatten sich in der Marktgemeinde überhaupt bereit erklärt, dem neuen Beratungs- und Leitungsgremium der Pfarrei angehören zu wollen.

Das war sozusagen das Minimum. Alle sechs wurden folglich auch gewählt: Dorothea Göttgens-Hansen, Gabriele Herzog, Wilhelm Baumhof, Stefanie von Usslar, Bernhard Klein und Uwe Müller.

Nur sechs stellten sich in Markt Schwaben zur Wahl

Inzwischen hat sich das halbe Dutzend „Aufrechter“ als neues Laiengremium formell konstituiert. Vorsitzende wurde die 43-jährige Stefanie von Usslar, ihr Stellvertreter ist Bernhard Klein. Im Hintergrund, unter anderem in den wieder installierten Sachausschüssen, aber mischen gottlob noch einige weitere Kräfte, teils schon langjährige engagierte Katholiken mit: die Exvorsitzende Susanne Jantschik etwa, Rochus Gnacy, Elke Götz, Heidi Müller, Eva Maria Tittlbach-Krumey, Manfred Jantschik oder Veronika Kettner.

Ohne die, die sich nicht fest binden wollten, aber doch zumindest zeitweise oder projektbezogen Verantwortung übernehmen wollen, wäre es in der Tat schwierig geworden mit einer konstruktiven Arbeit des neuen Pfarrgemeinderats. Das weiß auch die neue Vorsitzende Stefanie von Usslar, die sich heuer als Kandidatin zur Verfügung stellte ohne jegliche Absicht, gleich auch Vorsitzende zu werden. Nun aber hat sie „Ja“ gesagt. Und ist zugleich längst froh, über ein kleines, aber feines und vor allem engagiertes Team zu verfügen, das Laienaufgaben in der katholischen Gemeinde übernimmt in einer Zeit, die für die Kirche allgemein auch weniger problembehaftet hätte sein können.

Stefanie von Usslar kam vor 13 Jahren mit ihrem Mann in die Marktgemeinde. Sie ist nicht nur Nachtkrankenschwester in einer privaten Klinik in München, sondern auch Mutter zweier Buben (zwölf und neun). Und jemand, der mit dem katholischen Glauben sozusagen groß geworden ist.

Als Zugereiste gleich so etwas wie Geborgenheit gespürt

Die Nachfolgerin von Jochen Speicher stammt eigentlich aus dem westfälischen Fröndenberg an der Ruhr im Kreis Unna. Ihre Eltern schickten das Madl schon mit neun Jahren zu den Messdienern. Später war sie auch Sternsingerin. Vater und Mutter engagierten sich besonders im Caritas-Bereich, die Mutter ist mit 70 Jahren noch immer Mesnerin in ihrer Heimatgemeinde. Der inzwischen verstorbene Vater war Kolpingvorstand.

Kirche, so sagt die 43-Jährige, sei in ihrem Leben immer präsent gewesen. Wobei ein Pfarrer die Markt Schwabenerin besonders geprägt haben muss: Der heutige Bischof von Osnabrück, Franz-Josef Bode, der sie einst – als Paderborner Weihbischof – firmte.

Eine wahre Leidenschaft ist die Kirchenmusik. Stefanie von Usslar spielte schon damals im Blasorchester in Menden im Sauerland Trompete; und inzwischen - seit sieben Jahren – auch in der Marktkapelle.

Als einst Zugereiste bekam die neue PGR-Chefin erste engere Kontakte aber über die St. Margaret-Pfarrei, wo ihr jüngerer Sohn getauft wurde. „Positiv aufgefallen ist mir von Beginn an eine Art Wohlfühlklima in der Pfarrgemeinde“, sagt sie in einem Gespräch mit der Heimatzeitung. Fortgesetzt hatte sich das gute Gefühl später bei Kleinkindergottesdiensten oder als Kommunionsmutter.

Als Corona noch dazu zwang, besondere Sitzordnungen bei Gottesdiensten einzuhalten, stellte sich die gebürtige Westfälin auch als Ordnerin zur Verfügung. „Da habe ich viele ältere und auch jüngere Menschen direkt kennenlernen können“, erzählt sie. Und immer mehr spüren dürfen, was Gemeinschaft ausmachen kann.

Religiös und musikalisch in Westfalen aufgewachsen

Dass möglichst viele andere Katholiken diese Erfahrungen auch einmal machen können oder sich zumindest wieder einmal daran erinnern, dass die katholische Kirche trotz aller Negativschlagzeilen der letzten Monate auch ein Hort echter Gemeinschaft sein kann, das ist derzeit eine ihrer größten Hoffnungen.

Aufgaben scheint es für die 43-Jährige und ihr Team also vor Ort genug zu geben. Zunächst wird es darum gehen, das Pfarrfest am 17. Juli zu organisieren, das immerhin den Weihbischof zu Gast haben wird und zugleich ein wichtiges Ereignis ist im laufenden Jubiläumsjahr der örtlichen Pfarrkirche. Weitere Zukunftsprojekte könnten oder sollten etwa besondere Angebote für Kinder sein, zum Beispiel auch ökumenische Kindergottesdienste oder andere Formen von Gottesdiensten, wie es sie in Ansätzen in St. Margaret auch schon gibt; etwa die „Zeit für dich“-Gottesdienste. Alles stehe, so von Usslar, ganz klar unter der Zielsetzung, nach und nach wieder mehr Leute zu gewinnen bzw. auch zurückzugewinnen. Sie selber hat eine wichtige Entscheidung für sich schon getroffen. Und hält es da mit einem leicht abgewandelten Zitat, das sich unlängst im Internet fand: „Ich lasse mir den Glauben nicht nehmen“.

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