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Engagieren sich für ihre Schulen: V.l. Irene Jung, Carola Schedl, Alexandra Umlauf, Anett Schuster, Nicole Kübler, Andrea Gabler-Coutinho und Arthur Waadt.   

Streit um Schulbau

Verhärtete Fronten in Markt Schwaben

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Alle Argumente sind ausgetauscht. Und die Fronten inzwischen so verhärtet, dass man im Moment ratlos scheint, wie es weitergehen soll mit dem nach wie vor umstrittenen Neubau eines Schulzentrums in Markt Schwaben.

Markt Schwaben – Es sind Schockbilder. Sie zeigen Schimmelbefall. Eine undichte Turnhalle, alte Fußböden, marode Leitungen, undichte Fenster. Und es sind Hinweise auf fehlende Lehrerparkplätze, auf zu kleine und dunkele Aufenthaltsräume oder einen Pausenhof für Schulkinder, der diese Bezeichnung nicht wirklich verdient.

„Ja“, sagt Andrea Gabler-Coutinho, „die Bilder sollen schocken“. Sollen eine besondere Perspektive bieten auf das Schulgebäude am Gerstlacherweg, das so mancher gestandene Schwabener derzeit gerne auch mal mit einem verklärenden Blick betrachtet. So, als handele es sich bei dem Zweckbau aus vergangenen Jahrzehnten um eine Immobilie mit gewaltigem Bewahrungsfaktor.

„Wir brauchen eine neue Schule“, heißt es auf einem der Plakate, das Mitwirkende des Elternbeirats der Grafen-von-Sempt-Schule zusammen mit Mitgliedern des Grundschul-Beirats an diesem Vormittag auf dem Marktplatz Passanten präsentieren. Am Grünen Markt haben sie sich postiert. Sammeln Unterschriften pro Neubau. Sammeln Widerrufe gegen schon geleisteten Unterschriften für ein drohendes Bürgerbegehren, das den Erhalt des Jahnsportplatzes fordert. Sollte es durchkommen und ein Bürgerentscheid daraus werden, so ist ihre Sorge, könnte ein Neubauprojekt um Jahre verzögert werden. Und alles viel teurer werden.

Den am Stand aktiven Eltern, zumeist Müttern, könnte es im Grunde wurscht sein. Dann, wenn es im besten Fall zu einem Baustart kommen wird, sind ihre Söhne und Töchter mutmaßlich gar nicht mehr an der Mittel- bzw. Grundschule. Und dennoch engagieren sie sich. „Weil es um die Kinder geht“, wie es unisono heißt. Darum geht es vielen in diesen Zeiten.

Die, die den Neubau irgendwie verhindern wollen, argumentieren etwa mit einer in ihren Augen unverantwortlichen Verschuldung der Kommune, die die nachfolgenden Generationen auszubaden hätten. Sie sagen, Markt Schwaben werde unter Zwangsverwaltung gestellt, sollte die Schuldenlast weiter wachsen. Verweisen auf so viele andere, ebenfalls dringliche Investitionen.

Andere argumentieren, dass eine Kommune gescheite Schulen als Pflichtaufgabe bereitzustellen habe. Wenn eine Gemeinde überhaupt ein Recht habe, neue Schulden in Millionenhöhe aufzunehmen, dann für die eigenen Schülerinnen und Schüler, also für die nachfolgende Generation.

Doch es ist alles ja noch viel komplizierter geworden, seit Monika Braun im Sommer begonnen hatte, Unterschriften für ein Begehren zu sammeln mit der Forderung, den Sportplatz zu erhalten. Viele unterschrieben. Geschätzt bis dato rund 1000. Der Sportplatz, wenngleich baurechtlich nur geduldet am jetzigen Standort, hat immerhin Tradition. Und kickenden Jugendlichen eine Spielstätte zu nehmen, könne man schließlich nicht unterstützen. Hieß es.

Inzwischen hat sich so mancher etwas intensiver befasst mit dem Thema. Und bemerkt, dass es der Initiatorin nicht so sehr um das Fußballfeld, als vielmehr um die Verhinderung eines millionenschweren Neubaus geht. Manche fühlen sich inzwischen getäuscht, über den Tisch gezogen. Und sagen das auch offen am Stand der Elternbeiräte.

Dann gibt es die, die nicht unterschreiben wollen bei den Elternvertretern, weil „das alles ja 45 Mio. Euro“ koste. Dass auch ein Um- und Ausbau Millionen verschlingt und am Ende womöglich ein Schulgebäude dastehen wird, von dem keiner weiß, ob es pädagogischen Anforderungen der Zukunft entsprechen wird, wird gerne mal ausgeblendet.

Es hätte ja solche Pläne für An- und Umbauten gegeben, heißt es ferner. Einer, der sich hier stets als besonderer Kritiker artikuliert hat, war und ist SPD-Ratsherr Dieter Kämpf, ein ehemaliger Lehrer. Auch wenn der Bürgermeister Georg Hohmann sein Parteigenosse ist, haben beide kein Problem damit, auch mitten auf dem Markt lautstark zu streiten. Es geht um angeblich bewusst zurückgehaltene Alternativpläne, um mangelhafte Öffentlichkeitsarbeit. Darum, dass sich gewisse Leute mit dem Neubau ein Denkmal setzen wollten. Darum, in Zweifel zu ziehen, ob ein geplanter neuer Jahnplatz wirklich auch dort entstehen wird, wo er geplant ist.

Hohmann kennt das alles. Er ist bei solchen Auslassungen auch an diesem Markttag bemüht, klarzustellen, dass es solche geheimgehaltenen Pläne nicht gibt; bis auf eine lockere Skizze des Architektenbüros Hache, die FW-Ratsherr Bernd Romir, Ex-Leiter der Grundschule, vor zwei Jahren in die Debatte brachte.

Alexandra Umlauf, stellvertretende Vorsitzende des Beirats an der Grundschule, berichtet, dass viele den Eindruck gewonnen hätten, es sei von Seiten der Verwaltung zu langsam informiert worden. Das Begehren hätte sich so nicht entwickelt, hätte es eine andere Art der Aufklärung gegeben, sagen manche am Infostand. Hinweise, die Hohmann auch kennt. Und zurückweist. Er erwähnt stattdessen die immer vorhandenen unterschiedlichen Kanäle, auf denen die Problematik in nahezu allen Facetten dargestellt wurde und wird: Gemeindeblatt, Bürgerinfoabend, Bürgerversammlung, Homepage der Marktgemeinde, Facebook. Und nicht zuletzt die Tagespresse.

Die Vorsitzende des Beirats an der Mittelschule, Andrea Gabler-Coutinho, schildert derweil grundsätzliche Probleme „ihrer“ Schule. Die Umbenennung zur Mittelschule, so die Aschheimerin, habe das Image nicht wirklich gestärkt. Wenn sie, die Mittelschule, dann auch noch in einer solchen Immobilie untergebracht werde, beschädige man das Selbstwertgefühl der dort unterrichteten Kinder. Längst hätten Eltern das Gefühl, ergänzt sie, dass die Schäden am Haus noch viel größer seien, als sie bis dato bekannt geworden seien.

Alle erdenklichen Argumente bekommen die Mütter und Väter aus den Elternbeiräten binnen weniger Stunden am Grünen Markt live geboten. Und sie hören auch viel, was wie Gleichgültigkeit klingt. Es schmerzt, wenn ältere Semester sagen, das alles gehe sie nichts an. Sie, die Eltern, erleben, wie verhärtet die Fronten inzwischen sind. Dass Rechthaberei und Eitelkeiten die Debatte um die Zukunft der Schulkinder zu beherrschen scheint. Sie selber wollen, sagen sie zurückhaltend, ein Zeichen setzen. Schließlich hatte man sich lange genug zurückgehalten.

Inzwischen haben sich fast alle Lehrer der beiden Schulen, wie berichtet, per Unterschrift für einen Neubau ausgesprochen. Grundschulleiterin Susanne Anderl-Schottner hatte bei einem Bürgerinfoabend vor den Sommerferien eine flammende Rede für die Kinder gehalten. Eine Rede, die ihr Respekt und Anerkennung einbrachte. Unzählige weitere Debatten mit allen möglichen Protagonisten hat sie danach absolviert. Auch sie schaut kurz beim Stand der Elternbeiräte vorbei. Und wünscht sich zuallererst derzeit nur, dass man wieder in Ruhe seiner eigentlichen Arbeit nachgehen können möchte; „in adäquaten Räumen.“ Wann der Streit um den richtigen Weg ein Ende haben wird? Die Rektorin weiß es nicht.

Georg Hohmann ist der Frust inzwischen deutlicher als je zuvor anzumerken. Vielleicht, sinniert er, sei es besser, der Bürgerentscheid komme möglichst bald. Dann habe die Hängepartie ein Ende und jeder wisse, wie es weitergehen wird; mit allen finanziellen und anderen Konsequenzen.

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