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Hoch her geht es in der vermeintlichen Klapsmühle, bis sich am Ende alles in Wohlgefallen auflöst.

Theaterverein Markt Schwaben

Grüße aus dem Irrenhaus

Markt Schwaben – Irgendwann in den 1800er Jahren, als Kaffee und Kuchen noch für eine Mark zu haben waren, hätte es jene „Pension Schöller“ in Berlin tatsächlich geben können. Dorthin lud der Theaterverein diesmal ein, und es ist ein Stück, wie gemacht für einen launigen Jahreswechsel.

Zwar hat diese Komödie von Carl Laufs und Wilhelm Jacoby bereits eine beeindruckende Karriere in Radio und Fernsehen hinter sich. Doch auch die Fassung der jungen Schwabener Schauspiel-Truppe kann sich sehen lassen. Regie führt Bühnentalent Ferdinand Maurer, der auch selbst mit auftritt.

Schon damals, vor gut 200 Jahren, gab es wohl exaltierte Zeitgenossen, wie etwa den Gutsbesitzer Philipp Klapproth (Franz Stetter). Dem wohlsituierten Single steht der Sinn nach einem Besuch im Irrenhaus: „Damit könnte ich an meinem Stammtisch angeben, könnte den Apotheker ausstechen“. Leichter gesagt als getan. Und so bekommt sein mittelloser Neffe Alfred (Andreas Müller) den Auftrag, eine solche Anstalt auszumachen – als Gegenleistung lockt viel Geld für ein eigenes Café. Tatsächlich findet sich eine Lokalität, in der Gestalt eben jener Pension Schöller. Der pfiffige Kellner Hans (Michael Siegert), der sich schon als Kompagnon im neuen Lokal wähnt, schlägt vor, die etwas schrulligen Gäste dieser Herberge Onkel Philipp als „Verrückte beim Abendausgang“ zu verkaufen. Tatsächlich amüsiert sich Gutsherr Philipp köstlich über einen frustrierten, weil zu früh pensionierten Major (Rainer Bigalke), lauscht ergriffen den Abenteuern des exotischen Weltenbummlers Bernhardy (Florian Czapek) und ist fasziniert von der jungen Schriftstellerin Josephine Zillerthal (mit spitzem Lachen: Sabine Bogenrieder). Schließlich stolpert noch Eugen (Ferdinand Maurer) in die Szenerie, der Schauspieler werden will, aber durch einen Schock plötzlich kein „L“ mehr sprechen kann. „Ich schwöre, sie fallen gar nicht auf unter denen“, ermutigt Kellner Hans den begeisterten Onkel. Der antwortet auf die Frage, ob er verheiratet sei oder „à la carte lebe“, ganz kess: „Ich war noch nie im Hafen der Ehe, habe bisher nur Hafen-Rundfahrten gemacht.“

Seinen Neffen Alfred allerdings hat es dagegen erwischt: Herrlich, wie Andreas Müller den schüchternen, hypernervösen Liebestollen spielt, wie er versucht, zarte Bande zur Pensions-Tochter Franziska (Lena Stolze) zu knüpfen. Von seinem Ausflug in die vermeintliche Welt der Irren ist Onkel Philipp gar nicht mehr begeistert, als seine neuen Bekannten ihn auf seinem Gutshof besuchen. Jetzt fliegt der ganze Schwindel auf, doch neue Überraschungen und Liebschaften eröffnen sich. Und wie es sich für eine solide Komödie gehört, fügt sich schließlich alles zu einem glücklichen Ende.

Wer einen amüsanten Abend erleben möchte, sollte sich „Pension Schöller“ nicht entgehen lassen. Noch dreimal spielt der Theaterverein das Stück: am 5., 6. und 7. Januar, jeweils um 20 Uhr.

Friedbert Holz

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