Was hat die Polizistin im Sinn? Am Ende geht es nicht gut für sie aus.
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Was hat die Polizistin im Sinn? Am Ende geht es nicht gut für sie aus.

Theaterverein Markt Schwaben

Mordslustig

Rund ums Nachbardorf Wifling geht es im neuen Stück des Theatervereins Markt Schwaben. Eine Krimikomödie vom Feinsten.

Markt Schwaben – Jenes beschauliche Dorf Wifling, zwischen Markt Schwaben und Erding gelegen, gilt unter Einheimischen nicht unbedingt als gesellschaftlicher Mittelpunkt. Und doch kann dort das plötzliche Ableben des Wirts eine Flut an Verwirrungen, Eitelkeiten und Affekt-Handlungen auslösen. Ganz spaßig ist das zu erleben im aktuellen Stück „Wifling – zwischen Baggersee und Leberkas“, einer schwarzen Komödie des Poinger Jung-Regisseurs Raffael Scherer.

Kunststudent Gerhard (Daniel Brandl) hat vor Jahren seine verträumte Heimat Wifling verlassen und lebt jetzt in München, als er vom Unfalltod seines Vaters erfährt. Der war angetrunken Auto gefahren und hinterlässt nun seinem Sohn die Gastwirtschaft Schlösslbräu, neben Metzgerei und Kirche einziger Treffpunkt in der Gemeinde.

Gerhard hat auch schon Pläne: Zusammen mit seinem Kunst-Kumpel Maurice (herrlich Französisch parlierend: Matthias Neugebauer) will er statt des bisherigen Gastraums ein Atelier aufbauen, hat bereits eine Eröffnungsparty geplant.

Doch dann kommt alles ganz anders: Polizistin Isabella, des drögen Landlebens überdrüssig, möchte unbedingt zurück nach München. Dies glaubt sie, nur mit einer sensationellen Mordermittlung erreichen zu können und verdächtigt daher den Wirtssohn, das Auto seines Vaters manipuliert zu haben.

Inzwischen melden aber auch andere Wiflinger ihr Interesse am Weiterbestand der Wirtschaft an: Metzger Sepp (Andreas Hergenröther) sieht seine Chancen als Lieferant schwinden, Rathauschefin Maria Obermayer (Brigitte Knauer) hätte gerne Wirtshaus samt Grundstück, um ihren Bürgern ein Wahlversprechen einlösen zu können, den Bau eines Gymnasiums.

Denn dann, so formuliert sie etwas hochnäsig, „werden hier die Kinder nicht mehr zu Metzgern“. Ein anschauliches Beispiel dafür ist die flotte Josy (Josephine Baum), die für ihr Leben gern Tiere schlachtet und für Gerhards Party auch schon Spanschwein Fritz bringt, fertig für die Kühltruhe. „Das muss gut schmecken, denn es hat sich auch heftig gewehrt.“

Wehren muss sich auch Gerhard gegen die immer heftigeren Anschuldigungen der Polizistin, die ihrerseits keine weiße Weste hat. Sie erpresst nicht nur Metzger Sepp wegen dessen mangelhafter Laden-Hygiene, sie hat auch den Wirt auf dem Gewissen. Und so geschieht das zweite Unglück in der Wiflinger Idylle: Gerhard rutscht im Affekt das Messer aus, die Polizistin stirbt. Metzger Sepp entsorgt die Leiche („das sieht hier doch keiner“), fordert aber als Gegenleistung den Fortbestand der Wirtschaft. Zu allem Unheil mischt sich auch noch Klatschreporterin Karla (Regina Czapek) ein, die den halben Ort mit ihren erdachten Sensationsnachrichten verunsichert. Nur Helmut, Kellner aus Leidenschaft (Hans-Jörg Diekhoff), bleibt ganz ruhig – hat er eine Ahnung? Denn als das Testament des Wirts entdeckt wird, ändert sich die Situation für alle, ein furioses Ende steht bevor.

Bei ihrem ersten Auftritt wirkte zwar noch nicht jede Textsequenz sicher, aber die junge Truppe verstand es trotzdem, das Publikum gut zu unterhalten. Es ist letztlich eine herrliche Parodie auf das von Städtern oft geschmähte, gar nicht so beschauliche Landleben. Die größte schauspielerische Leistung gebührt aber Jan, dem Sohn der Polizistin (Maxi Wagner). Wie er es schafft, bei jedem seiner Auftritte wieder eine frische Leberkas-Semmel zu vertilgen, ist schon sehenswert. Und so findet er schließlich sein Glück auch nicht als Student, sondern als Metzger-Azubi bei seiner Josy.

Weitere Vorstellungen

Noch zwei Mal tritt die Theatertruppe am Bergfeld auf: am Freitag, 2. November, und am Samstag, 3. November, jeweils um 20 Uhr.

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