B13: 85-Jährige kracht in BMW und stirbt

B13: 85-Jährige kracht in BMW und stirbt
+
Typisches Bild: Stau in der Herzog-Ludwig-Straße

Immer neue Probleme

Verkehr in Markt Schwaben: Kaum in den Griff zu kriegen

  • schließen

Markt Schwabens Infrastruktur ist eigentlich top. Aber gerade das ist auch ein großes Manko. So kommt noch mehr Verkehr in die Gemeinde.

Markt Schwaben – Markt Schwaben zukunftsfähig machen: Ein Slogan, den wir in diesen Wochen und Monaten im heranmarschierenden Kommunalwahlkampf sicherlich noch häufiger hören werden. Aber seit fast auf den Tag genau einem Jahr gibt es im Rathaus der Marktgemeinde bereits eine Stabsstelle, die sich im Grunde genau damit befasst. Vorwiegend sogar. Besetzt ist sie mit dem 51-jährigen Peter Ziegler, dessen Abteilung sich offiziell „Stabsstelle Datenschutz, Verkehrsmanagement und Breitband“ nennt (siehe auch Extrakasten).

Ganz besonders Fragestellungen, wie sich die Marktgemeinde einmal einbetten wird in die regionale Verkehrsinfrastruktur, sind ein Themenkomplex, mit dem sich Ziegler und der Markt gegenwärtig – und wohl noch für Jahrzehnte – beschäftigen. Nicht erst, seit es eine Arbeitsgemeinschaft zahlreicher Kommunen im Münchner Osten gibt, möglichst gemeinsam nach tragfähigen Konzepten zu fahnden, hat Markt Schwaben nämlich als „Hotspot“ des Durchgangsverkehrs östlich der Landeshauptstadt und in relativer Nähe zum Flughafen im Grunde massive Probleme.

Latenter Parkplatzmangel

Sichtbar werden sie jeden Werktag in Form langer Staus in der Herzog-Ludwig-Straße (wir berichteten erst kürzlich). Oder in Gestalt eines latenten Parkplatzmangels in Bahnhofsnähe trotz des Park-and-Ride-Hauses im Burgerfeld; manche sagen auch wegen des Parkhauses.

„90 bis 95 Prozent der im Stau Stehenden sind keine Markt Schwabener“, ist sich Ziegler inzwischen sicher. Er und Bürgermeister Georg Hohmann haben drei Hauptursachen der akuten Schwabener Verkehrsprobleme herausdestilliert. Einmal sei da die ganz besondere Takt- und Tarifzonen-Situation im Bahnhof Markt Schwaben zu nennen, heißt es in einem Gespräch mit unserer Zeitung. „Daran wird sich auch mit nächsten Umstellung des Tarifsystems durch den MVV für Markt Schwaben nichts ändern“, sagt Ziegler, der jahrelang als Berater für die DB und vier Jahre lang als Standortleiter für den Kundenservice München und Nürnberg der DB tätig war, also mit Bahnthemen bestes vertraut ist.

MVV-Zonen locken noch mehr Autoverkehr an

Markt Schwaben wird demnach auch weiterhin in dem Sektor liegen, der sich längst als „XXL-Zone“ eingebürgert hat, demnächst aber einen anderen Namen bekommen wird. Das Problem dabei: Der nächste Bahnhof entlang der Linie nach Erding, Ottenhofen, ist bereits in einer anderen Tarifzone. Genau das macht sich in der täglichen Praxis ziemlich brutal bemerkbar, sind sich Hohmann und Ziegler einig. Am besten ablesbar ist dieses Manko in den künftigen Preisen ab Dezember. Eine Einzelfahrt ab Markt Schwaben nach München kostet dann 6,60 Euro, ab Ottenhofen 8,30 Euro. Nimmt man ein gewöhnliches Monatsticket, so wird man demnächst von einem Unterschied von 113,40 zu 137,90 Euro sprechen, beim Jahresabo von 1077 für das Ticket ab Markt Schwaben und ab Ottenhofen von 1308. „Gründe“, so Hohmann, „die viele aus dem benachbarten Landkreis Erding weiterhin dazu veranlassen werden, mit dem Auto nach Markt Schwaben zu fahren und von dort weiterzupendeln – und nicht von Ottenhofen aus“. Dass es ab Markt Schwaben gegenüber dem Bahnhof Ottenhofen auch noch eine ganz andere, lukrativere Taktung gibt, verstärke die Anziehungskraft des Bahnhofs Markt Schwaben nur noch.

Eine Lösung? Offenbar ganz schwierig. Verkehrspolitisch wäre, so Hohmann und Ziegler auf Anfrage der EZ, zu erwirken, dass der Bahnhof Ottenhofen quasi zwei Tarifzonen zugeordnet wird, also die gleichen Zonenlage bekommt wie Markt Schwaben. Solche Konstellationen gibt es im MVV-Bereich an vielen Stellen. Das zu erwirken, so Hohmann, werde eine der nächsten politischen Zielsetzungen sein müssen.

Welche Regulierungsmöglichkeiten gibt es noch? Erhöht man den Takt ab Markt Schwaben Richtung Hauptstadt, könnte der Bahnhof der Marktgemeinde für viele im Umland noch attraktiver werden, als er eh schon ist. Deshalb müsse, so Ziegler, zugleich in jedem Fall alles getan werden, um den öffentlichen Zubringerverkehr zum Schwabener Bahnhof nachhaltig zu verbessern.

S-Bahn-Verbindungen sollen besser werden

Auf seinem persönlichen Wunschzettel stünde bei Peter Ziegler auch eine spürbare Verbesserung der Querverbindungen zwischen den S-Bahn-Strängen. Ein Beispiel: Der Bus zwischen der Marktgemeinde und Ebersberg, der nah wie vor für viele im Vergleich zum eigenen Pkw zu teuer ist. Deshalb zu teuer, weil der MVV für den kleinen Schlenker, den der 446er über Anzing macht, auch noch einen Aufpreis nimmt. Ziegler: „Es muss darum gehen, preislich deutlich unter dem Individualverkehr zu liegen, damit die Menschen die der Komfortzone Pkw verlassen“. Dazu gehören für ihn auch mehr Radwege. Nächster Knackpunkt ist die Flughafentangente Ost, FTO. Ziegler und Hohmann wollen beobachtet haben, dass etwa im Süd-Nordverkehr aus Richtung Ebersberg kommend viele mit Fahrziel Flughafen bzw. München gar nicht erst in Moos auf die A 94 und bei Anzing auf die FTO fahren, Sondern stattdessen geradeaus weiter Richtung Marktgemeinde, sich dort durch den Ort zwängeln und dann erst bei der Auffahrt Gelting wieder auf die Tangente kommen. Oder gleich über Gelting, Pliening und Landsham Richtung Riem/München fahren. Ziegler, ein Riemer, ahnt: Hier sind Lösungen zu finden, die ihn noch lange intensiv beschäftigen werden.

Zum täglichen Verkehrskollaps lesen Sie auchdiesen Artikel 

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Räuber im Linienbus: Er wollte ein Handy
Im Bus der Linie 461 ist es am Donnerstagabend am S-Bahnhof Poing zu einer körperlichen Auseinandersetzung gekommen. Ein Mann hatte versucht, ein Handy zu rauben.
Räuber im Linienbus: Er wollte ein Handy
Dieb mit viel Kraft und großem Durst
Mit bloßen Händen hat ein Einbrecher die Gittertür zu einem Kellerabteil in einem Mehrfamilienhaus in Poing aufgebogen. Ziel des Unbekannten war der Kühlschrank.
Dieb mit viel Kraft und großem Durst
Kreis-CSU macht Cannabis-Werbung - unfreiwillig 
Die CSU gilt nicht gerade als Verfechter eine Cannabis-Legalisierung. Jetzt machte der Kreisverband unfreiwillig Werbung für die Droge. Der „Gärtner von Grafing“ hat …
Kreis-CSU macht Cannabis-Werbung - unfreiwillig 
Klimaexperte: Der Ebersberger Forst wird brennen
Dramatische Auswirkungen des Klimawandels für Land-, Forst- und Wasserwirtschaft im Landkreis Ebersberg sieht der Grafinger Meteorologe Björn Walz.
Klimaexperte: Der Ebersberger Forst wird brennen

Kommentare