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Vokabeln lernen mal anders: Die Schulstunde im Museum machte allen beteiligten Spaß.  

Integration

Vokabeln büffeln im Heimatmuseum

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Ein P-Seminar des Franz-Marc-Gymnasiums verhilft ausländischen Schülern zu Deutsch-Unterricht der besonderen Art. Zum Beispiel mit einem Besuch im Markt Schwabener Heimatmuseum.

Markt Schwaben – Herbert Weiß spricht mit leicht bayerischer Akzentuierung. So, wie es hierzulande normal ist. Er redet zum Beispiel von Frondiensten, von Sühne. Von einer Ehefrau, die ein bayerischer Herrscher einst kurzerhand köpfen ließ, weil er, der Blaublütige, ihr, der Angetrauten, unterstellte, ein Verhältnis zu einem anderen Mannsbild gehabt zu haben.

Fron, Sühne, Mannsbild, Verhältnis: Vokabeln, die ganz sicher nicht zum täglichen Gebrauch eines deutschen bzw. bayerischen Muttersprachlers dieses Jahrhunderts gehören. Vokalen aber auch, deren Bedeutung sich selbst manchem Inländer/Muttersprachler nicht gleich erschließen muss. Schon gar nicht, wenn man noch jung ist und mit körperlicher Arbeit als Dienstleistung für einen Lehnsherrn, mit Buße und Untreue für gewöhnlich nicht viel am Hut hat.

Die, die Herbert Weiß hier zuhören, sind weder Inländer noch Muttersprachler. Es sind junge Leute, die sich teilweise erst seit ein paar Monaten in Deutschland aufhalten oder maximal seit zwei Jahren in Oberbayern sind. Es sind Übergangsschüler; Ü-Schüler. Buben und Mädchen aus den so genannten Übergangsklassen der örtlichen Grafen-von-Sempt-Mittelschule. Buben und Mädchen, deren Heimat Syrien heißt, Naher Osten, Asien. Und dennoch verfolgen sie sehr aufmerksam, was der 75-Jährige da zu berichten hat bei einem Rundgang durchs Markt Schwabener Heimatmuseum.

Weiß erzählt Geschichten aus der bayerischen Geschichte. Geschichten aus Zeiten, als eine Scheidung durch Köpfen der untreuen Gattin noch als normal galt. Als in Markt Schwaben ein paar Bauern lebten und mit viel Mühen überlebten.

Dass die Ü-Schüler der siebten bis neunten Jahrgangstufe an diesem Mittag von Herbert Weiß, Bernd Romir und Richard Neumeier von einem Raum des Heimatmuseums zum anderen geführt werden, hat eine besondere Vorgeschichte. Ausgangspunkt dieses Ausflugs in die lokale Geschichte Markt Schwabens war die Idee des P-Seminars am Franz-Marc-Gymnasium (FMG), Ü-Klassenschüler mit so genanntem Migrationshintergrund die deutsche Kultur (die natürlich nicht nur aus Ehegattenmorden und Unmoral bestand) und zugleich die deutsche Sprache näherzubringen.

„Schüler lernen im Ausland die Sprache am besten, wenn sie sie von Muttersprachler hören und im Idealfall mit ihnen jeden Tag in Kontakt treten“, sagt Olga Singer. Und die muss es wissen. Sie ist seit vielen Jahren als Fachfrau für das Unterrichtsfach „Deutsch als Fremdsprache“ eine der entscheidenden Lehrkräfte an der Schwabener Mittelschule. Und jemand, ohne die die Integration von Schülerinnen und Schülern aus Drittländern in der Marktgemeinde wohl nicht einmal annähernd so gut verlaufen wäre wie bislang. Nicht ohne Stolz kann die erfahrene Pädagogin berichten von jungen Leuten, die über diese Übergangsklassen zu Klassen- und Jahrgangsbesten geworden sind – heuer mal wieder kreisweit.

16 Jugendliche in den Jahrgangsstufen sieben bis neun gehören derzeit dieser Ü-Klasse an, fast ebenso viele gibt es auf der Ebene der fünften bzw. sechsten Klasse. Um ihnen die sprachliche Integration zu erleichtern, existiert seit ein paar Jahren am Gymnasium ein so genanntes P-Seminar „Offenes Haus“. Hier bemühen sich Gymnasialschüler einmal in der Woche, zurzeit immer dienstags, die Schülerkollegen aus der Mittelschule zu betreuen. Inzwischen ist dieses P-Seminar längst und ganz offiziell ein Unterrichtsfach, für das es auch Noten gibt. Ein Umstand, der bereits dazu führte, dass das FMG entsprechende Integrationspreise auch schon auf Bundesebene bekommen hat, wie Birgit Phlippen berichtet, die das gymnasiale Projekt betreut.

Dass man sich gemeinsam mit den Ü-Schülern zum Beispiel um Schularbeiten kümmert, ist nur eine Seite der Medaille. Die Idee, auch Ausflüge anzubieten, ist die andere Seite. Und sie ist auch nicht ganz neu. Schon frühere P-Seminare haben das gemacht. Erst unlängst fand bereits eine Tour zur Wolfmühle statt. Erstmals aber wurde nun das Heimatmuseum angesteuert.

Michael Moser aus der Q 12, einer der Verantwortlichen, ist sich zusammen mit Olga Singer sicher, dass man auf diese Weise zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen kann: Sich mit der lokalen Historie zum Beispiel Markt Schwabens zu befassen könne ein (neues) Gefühl für (eine neue) Heimat vermitteln und letztlich integrationsfördernd wirken, meinen beide. Und wenn es nur, wie Olga Singer erläutert, darum gehe, zu erfahren, warum es bei uns so viele Orte gebe, die auf -ing endeten. Zugleich schule der direkte Kontakt mit den Museumsleuten die sprachliche Kompetenz. Man weiß ja nie, wann man Vokabeln wie Sühne, Fron oder Verhältnis in seinem Leben noch einmal gebrauchen kann.

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