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Stolz und dankbar: Die Sinnflut-Macher Börnie Sparakowski (l.) und Peter Feller (2. v. r.) stellen seit 25 Jahren das Sinnflut-Festival auf dem Erdinger Volksfestplatz auf die Beine. Lea Feller (2. v. l.) ist mittlerweile in der Geschäftsleitung und bildet auch aus. Simone Empl (r.) ist aktuell Azubi bei der Sinnflut GmbH.  

Zum 25. Jubiläum: Interview mit den Sinnflut-Machern 

Vom Hippie-Festival zum Generationentreff

25 Jahre Kunst und Kultur auf dem Volksfestplatz Erding: Auf ein Vierteljahrhundert können die Sinnflut-Macher Börnie Sparakowski und Peter Feller zurückblicken.

ErdingGenauso alt ist Fellers Tochter Lea. Seit 2013 ist sie als Veranstaltungskauffrau und Wirtschaftsfachwirtin in der Geschäftsleitung der Sinnflut GmbH tätig.

Anlässlich des Jubiläums trafen wir die Drei zum Interview – beim Aufbau der Sinnflut-Bühnen, die heuer elf Tage lang zum Forum für eine große musikalische Werkschau von Bands und Musikern, größtenteils aus dem Landkreis Erding, werden. Das Festival hat gestern begonnen und dauert bis Sonntag, 5. August.

-25 Jahre Sinnflut – Wie fühlt sich das an?

Börnie Sparakowski: Wir sind stolz und dankbar, dass wir das seit 25 Jahren machen dürfen und können. Das ist nicht selbstverständlich, dass ein Festival so lange funktioniert. Wir sagen einfach Danke für 25 Jahre Freundschaft und Zusammenarbeit mit Künstlern, Sponsoren und der Stadt.

-Wie ist Sinnflut entstanden, wer hatte die Idee?

Sparakowski: Willy Wermelt und ich waren damals bei Tollwood in München beschäftigt. Wir dachten uns, so etwas müsste doch auch in Erding klappen. Ein Festival für Künstler aus dem Landkreis. Wir wollten was machen, was es bis dato nicht gegeben hat. Peter kannten wir über die Musik, er spielt ja in der Band Sigurd kämpft. Er hatte die Kontakte zu den Künstlern im Landkreis und auch zum damaligen Bürgermeister Gerd Vogt.

Peter Feller: Der Vogt dachte, des is a bissl so a Musikding, macht’s ihr nur. Ich weiß noch, wie die Frau Sollanek (langjährige Kulturreferentin der Stadt Erding, Anm. d. Red.) kam und sich unsere beiden Zelte angeschaut hat. Die haben bestimmt geglaubt, das ist eine einmalige Aktion.

-Wie lief dann das erste Festival?

Feller: Wir waren schräg und verrückt. Sinnflut galt als Hippie-Festival. Beim ersten Sinnflut spielte ja Bob Geldof. Viele kamen nur, um zu schauen, ob der wirklich kommt. Die ersten Festivals waren nur vier Tage lang. Das hat damals Riesenspaß gemacht. Rund 6000 Besucher hatten wir beim ersten Sinnflut.

Sparakowski: Natürlich haben wir darauf spekuliert, dass die Leute neugierig sind und kommen. Aber erst einmal haben wir Miese gemacht.

-Trotzdem haben Sie ein zweites Festival organisiert.

Sparakowski: Ja, der Zuspruch von vielen Seiten hat uns angespornt.

Feller: Aber es hat sieben Jahre gedauert, bis wir in den schwarzen Zahlen waren. Wir sind mit unserem Privatvermögen gerade gestanden.

-Was war für Sie persönlich das schönste Erlebnis in Zusammenhang mit Sinnflut?

Sparakowski:Ach, da gab es so viel. Ich will da nichts herausheben.

Feller: Doch, mir fällt da schon was ein. Einmal hatte die Band Die Happy bei uns einen Auftritt. Der Sänger Sasha war damals mit der Leadsängerin liiert und ebenfalls in Erding. Der war ein richtig muskulöser Typ und hat einfach meine Tochter Lea auf den einen Arm und ihre Freundin Julia auf den anderen gesetzt. Das war ein nettes Bild. Da denke ich gerne dran. Sasha hatte dann später bei uns einen Auftritt in der Eishalle, der mitgeschnitten wurde. Ich habe damals auch einen Stick bekommen. Das war eine tolle Sache. Dann fällt mir gleich noch was ein: Das Moosburger Duo, die Humoristischen Torfsänger, sind einfach zum Soundcheck ins große Zelt gekommen und haben dann gemeint, „das ist schon ein bisschen groß hier“. Das hatten wir aber für die Biermösl-Blosn aufgestellt. Das Duo hatte einfach die Bühne verwechselt. Und diese Geschichte stand dann glatt am nächsten Tag auf der ersten Seite der Bild-Zeitung. Hans Söllners Film „Der Bayerische Rebell“ beginnt auch auf dem Sinnflut-Festival. Das gefällt mir.

Lea Feller: Ich liebe das Gefühl, am ersten Sinnflut-Tag über das Gelände zu schlendern und erleichtert festzustellen, dass doch wieder alles geklappt hat. Das ist einfach schön.

- Was waren die weniger schönen Erlebnisse?

Sparakowski: Natürlich ist es immer sehr traurig, wenn ein Mitarbeiter stirbt. Das mussten wir leider auch schon ein paar Mal miterleben. Ich persönlich hatte mal eine weniger schöne Erfahrung mit einem Konstantin-Wecker-Auftritt. Der hat dreieinhalb Stunden gespielt und wollte immer noch nicht aufhören. Da hat aber schon die Ruth Geiersberger gewartet. Die war nach ihm dran. „Die Leute wollen mich hören“, hat er sich verteidigt und einfach weiter gemacht. Dann habe ich gesagt, okay, dann stellen wir den Strom ab. Da hat er mich gepackt, auf die Bühne geworfen und ins Publikum gerufen: „Das ist der, wegen dem ich jetzt aufhören muss.“ Das Publikum hat mich ausgebuht und ich hatte die Arschlochkarte. Das war ein Mordsdrama, da war auch das Fernsehen da.

Feller: Ja, und zwei Mal mussten wir auch schon wegen Regen und Sturm ein ganzes Zelt räumen. Einmal haben wir die Kinder rausgetragen. Das war schon was. Aber die Stadt hat damals auch gemerkt, dass wir doch gut organisiert sind.

-Was hat sich im Laufe der Jahre in der Organisation des Festivals verändert?

Feller: Jedes Jahr verändert sich was. Die Auflagen werden immer mehr. 15 Jahre hatten wir einfach unsere Dächer über den Bühnen. Seit letztem Jahr müssen wir geschlossene Zelte aufstellen. Wir wollten nie diese Bierzelt-Atmosphäre. Wir lieben das Offene.

Lea Feller: Dafür stehen wir ja auch.

-Sind noch Aussteller oder Verkäufer der ersten Stunde dabei?

Feller: Nicht mehr so viele. Der Mayr-Wirt war der einzige Erdinger, der beim ersten Festival gesagt hat: „Da bin ich dabei, das wird bestimmt eine Gaudi.“ Leider hat er ja letztes Jahr aufgehört. Wir haben damals ja viele angefragt. Die meisten haben gesagt, so ein Schmarrn. Nach ein paar Jahren wollten sie dann doch dabei sein. Auch von der Stadt werden wir ja mittlerweile als Partner absolut respektiert.

Lea Feller: Aber wir schmeißen ja keinen raus, das sieht unser Konzept vor. Wenn jemand aufhört, bekommt ein anderer eine Chance. Natürlich bevorzugen wir die heimischen Bewerber, aber wir schauen schon auch drauf, dass wir was Neues anbieten können.

-Wie sieht es bei den Künstlern aus?

Sparakowski: Die Künstler wechseln. Mittlerweile steht schon die zweite Generation auf der Bühne, also die Kinder der Künstler vom Anfang. Das ist klasse.

-Haben Sie in den 25 Jahren nie ans Aufhören gedacht?

Sparkowski und Feller nicken gleichzeitig.

Feller:Immer wieder mal. Du bist ja nur am Auseinandersetzen. Und Börnie und ich, wir haben noch unsere eigentlichen Jobs – Börnie als Messebauer, ich als Sozialpädagoge bei der Brücke.

- Aber Sie haben weiter gemacht...

Feller:Mussten wir ja, wir hatten uns am Anfang ganz schön verschuldet. Und außerdem macht es ja einen Riesenspaß.

Sparakowski: Die Künstler brauchen uns. Wenn es uns nicht mehr gibt, wo sollen sie dann auftreten? Wir bringen Freude, und das macht mich schon glücklich. So lange die Ideen im Kopf sind, machen wir weiter. Aber wir wollen auch an die nächste Generation weitergeben.

-Ist denn von der jungen Generation schon etwas geplant?

Lea Feller: Ich hätte da schon ein paar Ideen, die sind noch nicht ganz spruchreif. Aber ich möchte, dass das Festival zeitgemäß bleibt.

Sparakowski (grinst):Ach, da wissen wir ja noch gar nichts davon. Aber das ist schon gut. Mach nur, Lea.

Das Gespräch führte

Alexandra Anderka.

Weitere Informationen

Alle Infos zum Sinnflut unter www.sinnflut.biz.

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