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Nicht übermäßig gut besucht, aber dafür eine Plattform für heiße Debatten: Die Bürgerversammlung im Unterbräu-Saal.

In Bürgerversammlung kracht es

Warum einige Markt Schwabener richtig sauer auf die Verwaltung sind

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Vizebürgermeister Albert Hones verteidigt die Mitarbeiter. Und das, obwohl er gar nicht müsste. Verkeimtes Trinkwasser ist nur noch am Rande Thema. 

Markt Schwaben – Es war nur ein Nebensatz aus dem Munde des Zweiten Bürgermeisters Albert Hones im Verlauf der Bürgerversammlung im Unterbräu-Saal. Aber eine Randbemerkung, die gegenwärtig gut charakterisiert, dass so mancher Schwabener in der Bewertung der täglichen Arbeit seiner Gemeindeverwaltung auch öffentlich harsche kritische Noten längst nicht mehr ausspart.

 „In der Verwaltung“, hatte der Vizebürgermeister bemerkt, „wird nicht geschlafen und auch nicht geschlampt.“ Genau das aber ist das, was sich Beschäftigte an exponierter Stellen im Rathaus inzwischen immer häufiger anhören müssen. Oder es zu lesen bekommen in bisweilen wütend formulierten Mails. Zum Beispiel erst unlängst in Sachen Trinkwasser, aber auch schon vorher zu Themen wie Schulbau, Verschuldung oder das tägliche Verkehrschaos.

Kritik an Verwaltung nicht gerechtfertigt 

„Die Kritik in Richtung Verwaltung ist ungerechtfertigt“, sagt der Aushilfsverwaltungschef auf Zeit. Dabei könnte sich Hones, wenn er wollte, bequem zurücklehnen. Oder andeuten, dass ihn persönlich derartige Kritik nur marginal träfe. Tut der CSU-Mandatsträger aber nicht. Und so sah er sich im Saal gleich mehrfach in der teils undankbaren Rolle, sich geradezu schützend vor jede Kritik in Richtung Rathaus zu stellen. Kritik, die sogar von Bürgern kam, deren Nähe zu seiner christsozialen Partei nicht unbekannt ist. Und Kritik, die bisweilen auf die Rathaus-Abteilungsleiter geradezu niederprasselte.

Hones vertritt seit Wochen den längerfristig erkrankten Rathauschef – und bekommt seither quasi jeden Tag live und unverblümt mit, dass selbst erfolgreiche, fleißige Arbeit einer Behörde in der allgemeinen Wahrnehmung nicht gut wegkommt, wenn sie von denen, für die sie am Ende geleistet wird, als intransparent, nicht nachvollziehbar, ineffizient, willkürlich und wenig zukunftsweisend empfunden wird.

Sensibles Dreiecksverhältnis 

Man hat hier und da mittlerweile in der Tat den Eindruck, dass ein Grundvertrauen zwischen der Verwaltung und einem offenbar noch recht kleinen Teil an Kommunalpolitik Interessierter deutlich geschwunden ist. Und auch der Marktgemeinderat steht da offenbar nicht außen vor. Jedenfalls waren es am Donnerstag gleich einige Wortführer, die es vorzogen, ihren Dampf lieber in diesem Auditorium abzulassen, statt im Rat als gewählte Vertreter kreativ, konstruktiv mitzuwirken und Verantwortung zu übernehmen.

Es scheint, so das Fazit nach zwei Stunden Versammlung, dass das sensible Dreiecksverhältnis Bürger, Rat und Verwaltung zumindest mittelfristig sich auf ein anderes Mit- und damit Füreinander einstellen sollte. Zurzeit funktioniert Politik in der Marktgemeinde, zunehmend oft, so: Bürger schimpfen auf Rat und Verwaltung, einige im Rat attackieren, auffallend gehäuft, ebenfalls die Verwaltung. Und deren Mitarbeiter scheinen mitunter ganz gerne in beide Richtungen auch mal zurückschießen zu wollen – dürfen aber nicht. Kein gutes Gesamtklima.

Bauamtsleiter Frank Eichner war es, der einen ambitionierten Versuch unternahm, aus diesem Dilemma auszubrechen. Er warb für eine Kommunalpolitik mit Visionen. Es gelte die Frage zu beantworten, für was Markt Schwaben in Zukunft einmal stehen wolle. Die Kommune brauche ein strategisches Konzept. Einen Umgang ihrer Bürger untereinander, der geleitet werde von dem Gedanken, die vorhandenen Potenziale an Ideen und Wissen optimal auszuschöpfen.

„Man hat Fehler gemacht“

Ja, räumte Eichner ein: man habe Fehler gemacht, habe in puncto Kommunikation nicht immer optimal agiert. Daher stelle man sich im Rathaus inzwischen offen und ehrlich die selbstkritische Frage, was wie besser gemacht werden müsse.

Eichners Appell: Er war ein erster Versuch, aus dem Fahrwasser gegenseitiger Unterstellungen und Vorwürfe auszubrechen. Dass es ein mühevoller Weg werden wird, bekamen alle Protagonisten gleich mitgeliefert. Etwa, als Ratsherr und Arzt Georg Holley nüchtern zu erklären versuchte, dass es bei der Verkeimung des Trinkwassers um unbedenkliche, geradezu minimale Konzentrationen gehandelt habe. Dass das Abkochgebot eine Vorsichtsmaßnahme gewesen sei. Letzte Zweifel konnte auch er nicht ausräumen. Wem, als dem renommierten Mediziner, könnte man mehr Vertrauen schenken?

Am Ende war es eine zweite Nebenbemerkung des Vizebürgermeisters, die gleichsam an alle gerichtet war. Hones hat, massiv wohl in den letzten Wochen, miterleben müssen, wie sehr zunehmender Egoismus das Zusammenleben erschwere. Man müsse, sein Fazit, doch einfach nur mehr miteinander reden.

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