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Petra Stankovic mit ihrem Opa Hans. Zum 99. Geburtstag bekam er von seinen Markt Schwabener Verwandten eine Seekreuzfahrt geschenkt.

Tolle Aktion in Markt Schwaben

Was für ein Geschenk! Uropa Hans (99) sticht in See

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Nur wenige werden in die Situation kommen, sich Gedanken machen zu müssen, was man dem Opa zum Geburtstag schenkt, wenn es sich um dessen 99. Wiegenfest handelt. Petra Stankovic aus Markt Schwaben war in diesen Tagen genau in dieser Lage.

Markt Schwaben – Was also dem Senior schenken, der inzwischen in einer Residenz in Krefeld lebt? Wie gut, dass Hans Milz seiner Urenkelin Katharina erst vor Kurzem von einem Traum erzählte, den er sich in diesem Leben unbedingt noch erfüllen wolle. So erfuhr die 26-jährige Markt Schwabenerin vom Wunsch ihres Uropas, einmal eine Kreuzfahrt mit einem dieser Riesenschiffe machen zu wollen.

Bei den Stankovic’ in Markt Schwaben wurde familienintern beraten. Und dann auch nicht lange gefackelt. Enkelin Petra, die seit 1992 in der Marktgemeinde lebt und in einer Patentanwaltskanzlei in Riem arbeitet, buchte schließlich eine solche Kreuzfahrt mit einem großen Anbieter. „Jetzt oder nie“ hatte man sich gesagt.

Am 8. April geht es los. Erst fliegt die Schwabenerin nach Düsseldorf, holt ihren Opa in der Seniorenresidenz ab, mietet sich dort ein Auto und fährt weiter nach Kiel. Und dort werden die beiden dann in See stechen und Ziele in Skandinavien ansteuern; Norwegen, Schweden, Dänemark. Sowohl für den rüstigen Senior als auch für die agile Enkelin übrigens die erste Kreuzfahrt ihres Lebens.

Um so überraschter war Hans Milz, als er zu seinem Ehrentag von dem ausgefallenen Geschenk seiner Markt Schwabener Verwandtschaft erfuhr. „Ich kann das gar nicht glauben“, hatte er zugegeben. Und Petra Stankovic ergänzt: „Weder ich noch Opa haben eine Vorstellung, was da auf uns zukommen wird.“

Dass sie ihrem Großvater eine Riesenfreude machen wird, ist aber gewiss. Der gebürtige Bremer hatte Zeit seines Lebens immer davon geträumt, einmal Schiffskoch werden zu wollen. Der Krieg zerstörte seine beruflichen Ambitionen. Hans Milz wurde Mitarbeiter in einer Speditionsabteilung eines großen Texilunternehmens und kam so ins Rheinland. Eine weitere Leidenschaft, die Autos, waren jedoch einfach zu teuer. Doch das dritte Steckenpferd, die See, konnte er von daheim aus wenigstens regelmäßig ausleben. Immer wieder zog es ihn mit Frau und Kind im Urlaub nach Belgien ans Meer.

Nachdem seine Gattin 1988 gestorben war, wurden die Verbindungen zu den weiteren Verwandten noch enger als ohnehin schon. Bis zu seinem 92. Lebensjahr besuchte Hans Milz besonders intensiv seine Lieben im fernen Markt Schwaben. Oftmals hielt er sich, berichtet Petra Stankovic, mehrere Monate im Jahr in der Marktgemeinde auf. Und knüpfte dabei leidenschaftlich zahlreiche Kontakte. Entweder machte er den Wochenmarkt unsicher, pflegte Kontakte zum Beispiel zu Klaus Bonzio im Buchladen am Markt oder seinem Nachbarn und Arzt Georg Holley, unterhielt sich gerne und lange mit Familie Löffl in der Löfflmühle oder mit Zahnarzt Karl Haushofer, der sich ganz nebenbei auch noch darum kümmerte, dass der Bremer Dauerbesucher aus Krefeld stets einen festen Biss hatte, um die köstlichen Spezialitäten Oberbayerns mit vollem Herzen genießen zu können. „Opas Gesicht ist in Markt Schwaben bekannt“, sagt Petra Stankovic. Und damit hat sie wohl nicht untertrieben.

Einen festen Biss wird Hans Milz sicherlich auch benötigen, wenn es demnächst in den hohen Norden Europas geht. An Speisen fehlt es auf Kreuzfahrtschiffen in der Regel ja nie. Wenn alles ganz optimal verläuft, dann darf Hans Milz vielleicht auch mal einen Blick in eine Schiffsküche werfen. In einen Arbeitsplatz, den er sich als junger Mann so sehr für sich gewünscht hatte.

Allerdings befürchtet Petra Stankovic, dass hier hygienetechnische Vorschriften an Bord noch einen Strich durch die Rechnung machen könnten. Den Spaß an der Seereise mit Uropa Hans will sie sich deshalb aber nicht nehmen lassen. Und vielleicht muss sich Familie Stankovic aus Markt Schwaben in etwa elf Monaten nochmals Gedanken machen, wie man Hans Milz angemessen beschenken kann. Dann, wenn er 100 wird.

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