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Weiherspiele 2022: Geduld und Beharrlichkeit haben sich ausgezahlt

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Von: Friedbert Holz

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Bunt geht es zu am Weiher in Markt Schwaben auch in diesem Jahr.
Bunt geht es wieder zu bei den Weiherspielen auch in diesem Sommer. © Dziemballa

Nach zwei Jahren Pause gibt es in Markt Schwaben wieder Weiherspiele. Die Premiere ist schon gut gelungen.

Markt Schwaben – Die Geduld sowohl aller Aktiven im Theaterverein als auch seiner vielen Fans hat sich ausgezahlt: Endlich, nach zwei Jahren Zwangspause, konnten jetzt wieder alle Theaterluft über dem Weiher schnuppern - die räuberische Komödie „Das Wirtshaus im Eberwald“ feierte dort eine überaus gelungene Premiere.

„Ihr bringt jedes Jahr für vier Wochen Bühnenzauber an den Weiher“, gab sich auch Bürgermeister Michael Stolze gespannt, als er ein fast volles Zuschauer-Rund begrüßen konnte. Mit ihm strahlten aber nicht nur erwartungsvolle Theaterfreunde, auch die Abendsonne lugte endlich über die Bäume, hatte gegen den Regen gewonnen, der noch den Tag bestimmt hatte.

Nun aber, endlich, kamen die ersten Räuber auf die prächtige und große Holzbühne, geschaffen von Zimmerleuten aus der Nachbarschaft und vor den herrlichen Kulissen von Uwe Wilfert. Zwar sind Peter (Christian Jäger) und Paul (Regisseur Ferdinand Maurer in einer Nebenrolle) „nur“ Räuber-Gehilfen. Doch sie verspüren neben viel Gesangeslust vor allem viel Hunger, stehlen deswegen den vorbeireisenden Goldschmiede-Gesellen Max (Michael Schweighart) und Felix (Finn Uetzmann) ihre Brotzeit. Eigentlich aber sollen sie, auf Geheiß ihres österreichisch-ungarischen Hauptmanns Karl (Michael Siegert, er schuf auch das Bühnenbild), auf die Kutsche der Komtess Franziska von Kellerberg (Sabine Bogenrieder) warten. Denn der Chef der Räuber, der „nur Leute bestiehlt, die anderen auch etwas weggenommen haben“, will die Tochter von Graf Heinrich von Kellerberg (Franz Hermannsgabner) als Geisel nehmen, ihre Auslösung soll 20 000 Mark bringen. Diese ist mit ihrem wesentlich älteren Verlobten Baron von Sperling (Vereinsvorstand Franz Stetter) unterwegs, möchte ihn aber eigentlich gar nicht heiraten.

Eine Stück mit einigen Wendungen

Ebenfalls im Gefolge: Kaplan Benedikt (eine tolle Rolle für Theater-Urgestein Hermann Bogenrieder) sowie Zofe Katharina (Julia Geitner). Doch dann läuft alles ganz anders als erwartet: Der tapfere Geselle Felix bietet sich der Komtess im Wirtshaus im Eberwald an, in ihren Kleidern und an ihrer Stelle die Geisel zu spielen. Das adlige Töchterchen soll derweil, als Mann verkleidet, bei ihrem Vater das gewünschte Lösegeld holen. Der Trick gelingt, Franziska kann fliehen, doch ihr geiziger Papa denkt gar nicht daran, sie auszulösen. Er singt stattdessen gequält vom „schnöden Mammon“ (der ihm selbst fehlt), träumt vom vielen Geld seines Schwiegersohns (der aber ebenfalls klamm ist).

Überhaupt gibt’s jede Menge Träumer auf der Szenerie: Räuber Rupert (Bernhard Kulzer) möchte endlich wieder mal gut essen, die resolute Wirtin Rosi (Christa Hermannsgabner) hat sich in den schmucken Räuberhauptmann verguckt, ihre Tochter Camilla (Isabella Langmeier) macht Geselle Max schöne Augen. Schließlich schwebt da noch das leichte Franzosen-Mädel Babette (Brigitte Knauer) aufreizend über die Bühne: Sie hat sich schon durch viele Räuber-Zelte geschlafen und möchte irgendwann, „in meinem Moulin Rouge“, eine neue Tanzkarriere beginnen. Sie wird, ganz zufällig, zum Objekt missionarischer Bemühungen von Kaplan Benedikt. Er hat sich die Hure vorgeknöpft, will sie bekehren.

Tatsächlich gefällt Babette das Sünde-Beichte-Vergebungs-Konzept des Geistlichen ganz gut, von Räuber-Köchin Alma (Anna Seiler, mit 82 Jahren immer noch in Hochform) nur bissig kommentiert: „Der ewige Kreislauf des Katholizismus halt“.

Komtess Franziska, die sich nicht verkaufen lassen will („bin doch kein Zirkus-Gaul“), besingt derweil ihr Schicksal, prahlt, nun in Männerhosen, vor dem Räuberhauptmann mit einem Juweliers-Überfall.

Letztlich nehmen die Geschehnisse einen unerwarteten Verlauf, wenn auch mit einem friedlichen Ende. Tatsächlich ist es Ferdinand Maurer nicht nur trefflich gelungen, die einstige Novelle von Wilhelm Hauff ins Heute und in heimische Gefilde umzuschreiben, ihr viel Lokal-Kolorit zu geben. Er schuf zusammen mit Christian Jäger auch fünf wunderbare, fetzige Lieder, deren Melodien sofort „zünden“ - nicht wenige im Publikum ließen ihre Beine zum Rhythmus mitwippen, einige begannen sogar zu schunkeln.

Und so ist schnell eine ganz eigene, mitreißende Stimmung geschaffen, die sicher auch alle weiteren Besucher begeistern wird. Als Rathauschef Stolze auf der Bühne bei der Begrüßung meinte, dass es „ein tolles Gefühl sei, hier zu stehen“, konnte er nicht ahnen, dass es auch für die Besucherschar ein bewegendes Gefühl war, hier zu sitzen: Um das neue Stück des Theatervereins zu sehen, das bis 30. Juli dort gespielt wird.

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