Isabella Speckmaier und Raffael Scherer freuen sich auf das Theaterprojekt „Wifling“. Premiere ist am kommenden Freitag.
+
Isabella Speckmaier und Raffael Scherer freuen sich auf das Theaterprojekt „Wifling“. Premiere ist am  Freitag, 26. Oktober.

„Wifling“: Premiere beim Theaterverein Markt Schwaben

Mysteriöse Todesfälle

  • vonJörg Domke
    schließen

Markt Schwabener Theaterautoren wollen mit einem Kriminalstück, das im Dorf Wifling spielt, Leben in den Nachbarort bringen

Markt Schwaben  – Charakteristisch für Jugendsprache ist, dass sie grob ist, in der Regel an gewisse Grenzen geht und mitunter makaber wirken kann. Um zum Beispiel einen Ort zu umschreiben, an dem sprichwörtlich der Hund begraben ist, gibt es einen Vergleich, der – inklusive aller grammatikalkischen „Schräge“ – etwa so klingt: „Hier ist es noch töter als auf dem Zentralfriedhof von Chicago“.

Dieser Gottesacker in der Millionenstadt im Bundesstaat Illinois hat sozusagen, aus Markt Schwabener Sicht, ein lokales Pendant. Um etwa zu beschreiben, wo nun gar nicht los ist, wenn man die Marktgemeinde als Maßstab nimmt, muss bei jungen Leuten aus Markt Schwaben immer mal wieder der Wörther Ortsteil Wifling im Landkreis Erding herhalten. Früher, sagt Raffael Scherer, sei da ja noch eine Gaststätte gewesen und eine Brauerei, jetzt nur noch eine Bahnlinie, eine Autowerkstatt und ein Metzger.

Das ist natürlich arg übertrieben, aber eben Jugend-Denke.

Dabei hat der 24-Jährige eigentlich eine besondere Beziehung zu Wifling. Als Kind war er oft am dortigen Weiher. Sein Onkel Hans ist dort seit langer Zeit so etwas wie der Bademeister.

„Alle sagen immer, in Wifling passiert nichts“, erzählt der junge Poinger. Inzwischen hat er einen Bachelor-Abschluss als Filmregisseur und nennt sich einen freischaffenden Filmemacher und Drehbuchautor.

Um also mal etwas mehr Leben nach Wifling zu bringen, lag es nahe, dort mal was Besonderes passieren zu lassen. Für den Drehbuchexperten hieß das, Städter und Landmenschen mal so richtig zusammenkrachen zu lassen.

Zum Beispiel in der Lebensgeschichte des jungen Gerhard, der in Wifling aufwächst und in der großen Stadt sein berufliches Glück als Kunststudent sucht. Doch dann stirbt der Vater, Gerhard erbt das Wirtshaus und möchte daraus ein Atelier machen. Im Dorf aber hat man andere Pläne. Der Metzger wünscht sich weiter eine Gaststätte, um seine Waren verkaufen zu können. Die Bürgermeisterin träumt von einem Gymnasium. Die Polizistin verdächtigt den Studenten, seinen Vater ermordet zu haben. Und einen zweiten Mord gibt es auch noch.

Endlich also mal was los in Wifling, möchte man meinen.

Daniel Brandl spielt den Gerhard, sein Kommilitone Maurice wird von Tim Zeiff dargestellt. Ein alter Hase vom Schwabener Weiher ist Hans-Jörg Diekhoff, der den Kellner Helmut verkörpert. Die Bürgermeisterin Maria Obermayer ist Brigitte Knauer. Der Metzger heißt Sepp und wird von Andreas Hergenröther verkörpert, seine Tochter Josy heißt eigentlich Josephine Baum. Die Polizistinnenrolle hat Isabella Weber, ihr Sohn Jan wird von Maxi Wagner gespielt. Bleibt noch Karla, die Reporterin, gespielt von Regina Czapek.

Raffael Scherer: „Wir haben natürlich darauf geachtet, dass keine Parallelen zu lebenden, realen Personen entstehen“. Der Rathausboss ist daher ganz bewusst weiblich geworden. Lediglich beim Metzger könne man eine gewisse Nähe unterstellen, räumt er ein. Um dem vorzubeugen, hatte der Theaterverein Markt Schwaben den real existierenden Metzger aus Wifling, Phillipp Gantner, kurzerhand zu den Proben eingeladen. So konnte der sich schon mal ein Bild davon machen, dass die schwarze Komödie von Raffael Scherer, an der dessen Spezl Matt Neugebauer mitwirkte, eine letztlich humorvolle Aufarbeitung eines ganz ungewöhnlichen Kriminalfalls sein wird.

„Wir wollen den Wiflingern nichts Böses“, versichert Scherer – im Gegenteil. Am Ende soll jedenfalls die Botschaft herauskommen, dass es sich auf dem Land auch ganz gut leben lässt und dass die Menschen dort wissen, was sie tun.

Damit auch möglichst viele Wiflinger live mitbekommen, was man sich im nahen Markt Schwaben so alles über ihren Ortsteil ausgedacht hat, wurde diesmal intensiv auch im Landkreis Erding plakatiert. Eine der Aufgaben, die Isabella Speckmaier erledigte. Die 26-jährige Forstinningerin ist zugleich Regieassistentin. Und auch sie ist Theaterwissenschaftlerin mit Bachelor-Abschluss.

Was übrigens mit Blick auf den Theaterverein Markt Schwaben schon fast keine Besonderheit mehr ist. Neben Isabella Speckmaier und Raffael Scherer gibt es mit Daniel Adolf einen weiteren jungen Mann aus dem Dunstkreis des Vereins, der sein Hobby, die Schauspielerei, zum Beruf gemacht hat oder machen will. Der Poinger ist zurzeit Student an der Schauspielschule Berlin. Und Co-Autor Matt Neugebauer hat ebenfalls eine Schauspielausbildung, arbeitet aber gegenwärtig als pädagogische Kraft in einem Hort.

Für Scherer ist „Wifling“ sein zweites Theaterwerk. Mit „Diesel, 1,50 Mark“ hatte er im vergangenen Jahr als Autor Premiere. „Das war aber noch mehr Klamauk als jetzt“, sagt er selber.

Übrigens: Der junge Poinger ist sich sicher, nach den vier Aufführungen in diesen Tagen guten Gewissens immer wieder nach Wifling zurückkehren zu können. Der nächste Termin steht schon fest. Es ist seit Jahrzehnten Tradition in seiner Familie, dass man am 2. Weihnachtstag, wenn auch nur für Sekunden, in Badebekleidung in den Weiher springt. So langweilig kann Wifling also doch nicht sein.

Spieltermine: Vier Aufführungen stehen in diesen Tagen in der Theaterhalle im Burgerfeld an. Premiere ist am Freitag, 26. Oktober. Gespielt wird zudem, am 27. Oktober sowie am 2. und 3. November, jeweils ab 20 Uhr. Tickets kosten elf Euro. Es gibt sie im Vorverkauf noch am heutigen Mittwoch, von 16 bis 18 Uhr, im Büro am Schlossplatz in Markt Schwaben, telefonisch unter (0 81 21) 22 4 22 oder online auf der Seite www.theater-marktschwaben.de.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare