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Bis zum Bauch in Plastiktüten eingewickelt: Zoll stoppt illegalen Hunde-Transport - fünf Tiere gerettet

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Von: Armin Rösl

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Hunde und Welpen in Boxen und Tüten
Zwischen Möbel und Gerümpel versteckt, zum Teil in Plastiktüten gewickelt: Der Zoll hat einen illegalen Hundetransport gestoppt. © Tierschutzverein Ebersberg

Die Welpen waren in ihren eigenen Exkrementen gefangen: Der Zoll hat auf der FTO einen illegalen Hundetransport gestoppt. Der boomt wegen Corona.

Markt Schwaben – Evelyn Bauer, Vorsitzende des Tierschutzvereins Ebersberg, hat schon viele Tiere in bemitleidenswertem Zustand gesehen und im Tierheim aufgenommen. Das, was Zollbeamte am Samstagvormittag entdeckten und Bauer zeigten, war selbst für sie neu und unfassbar: drei Hundewelpen (etwa sieben Wochen alt) bis zum Bauch in Plastiktüten eingewickelt. Voll Urin und Kot.

Ein Hundewelpe
Die Welpen waren bis zum Bauch in Plastiktüten gebunden. © Tierschutzverein Ebersberg

Unfassbare Entdeckung: Zoll stoppt illegalen Tierhandel - Hunde ohne Futter und Wasser in Transporter versteckt

Sie und zwei mittelgroße Labradormischlinge (etwa fünf Monate alt, schätzt Bauer) waren in einem Transporter versteckt, der voll mit Möbel und Gerümpel war. Ein illegaler Tiertransport. Der Zoll hatte das Fahrzeug auf der Flughafentangente Ost (FTO) bei Markt Schwaben gestoppt und kontrolliert. Der Wagen sei aus Rumänien gekommen, berichtet Bauer: „Das Ziel wären die Niederlande gewesen.“

Ein junger Labrador in einer Katzenbox.
Die Labradormischlinge waren in Katzenboxen eingesperrt. © Tierschutzverein Ebersberg

Wie viele Stunden die Tiere im Transporter ausharren mussten, ist unklar. Die Welpen sowie die beiden Labradormischlinge sind laut Tierschutzvereinsvorsitzende „in keinem guten Zustand“. Die beiden mittelgroßen Hunde waren jeweils in eine Katzentransportbox gepfercht. „Sie konnten sich keinen Millimeter bewegen.“ Dies alles ohne Wasser und Futter, fügt Evelyn Bauer hinzu. Die Boxen hätten aufgebrochen werden müssen, damit die Hunde befreit werden konnten.

Illegale Hundetransporte durch Corona um 20 Prozent gestiegen - „Bitte bestellen Sie nicht übers Internet Welpen“

Bereits im Dezember habe der Zoll auf der FTO einen anderen illegalen Hundetransport entdeckt, damals sei es ein Hundewelpe gewesen, das ins Tierheim gekommen ist, berichtet die Vorsitzende. Sie appelliert an die Bevölkerung: „Bitte bestellen Sie nicht übers Internet Hundewelpen aus Osteuropa! Wir wissen nicht, wie die Hunde in ihrem Ursprungsland gelebt haben, aber was wir wissen: Die Transportbedingungen für diese armen Geschöpfe sind unmenschlich.“

Bitte bestellen Sie nicht übers Internet Hundewelpen aus Osteuropa!

Evelyn Bauer, Vorsitzende Tierschutzverein Ebersberg

Als Evelyn Bauer am Samstag zusammen mit dem Veterinäramt die fünf Hunde abholte, habe ein Zollbeamter ihr gesagt, dass seit der Corona-Pandemie die Zahl der illegalen Hundetransporte um etwa 20 Prozent gestiegen sei. Jedes vierte Fahrzeug aus Rumänien habe Welpen an Bord. „Und das sind auch nur die Fahrzeuge, die kontrolliert werden“, so Bauer. Wie groß die Dunkelziffer ist, sprich: wie viele illegale Tiertransporte nicht auffliegen, das wisse niemand.

Ungewisse Dunkelziffer bei illegalen Tiertransporten

In der Corona-Pandemie ist der Wunsch nach einem Haustier gestiegen – Menschen sehnen sich in diesen Zeiten der Kontaktbeschränkungen nach tierischer Gesellschaft. Viele versuchen ihr Glück übers Internet. Der Deutsche Tierschutzbund schreibt auf seiner Internetseite: „Wer ein Tier online kauft, unterstützt dabei oft – auch ohne es zu wissen – den illegalen Welpenhandel. Dieser erlebt durch die Corona-Krise einen Aufschwung.

Zwei Hundewelpen
Zwei der befreiten Hundewelpen. Alle drei Welpen sind jetzt im Tierheim Ebersberg. © Tierschutzverein Ebersberg

Fast täglich erreichen den Deutschen Tierschutzbund Anrufe von Menschen, die Hunde online gekauft haben und erst im Nachhinein feststellen, dass ihnen weder Kaufvertrag noch Papiere vorliegen oder der Welpe krank ist. Die Tierheime kämpfen ganz akut mit den dramatischen Folgen, etwa, wenn zu junge kranke Welpen beschlagnahmt, abgegeben oder ausgesetzt werden.“

Weil momentan die Hundeplätze in der Tierauffangstation Ebersberg belegt seien, habe das Tierheim München die beiden Labradormischlinge aufgenommen, berichtet Evelyn Bauer. Die drei Welpen befinden sich im Tierheim Ebersberg in Tollwut-Quarantäne. „Bis etwa Mitte April“, sagt die Vorsitzende.

Zoll rettet Welpen: Hunde kommen in Tierheimen unter

Danach könne man sie zur Vermittlung freigeben. Mit Blick auf Corona bittet Bauer, sich gut zu überlegen, ob man sich jetzt einen Hund oder eine Katze zulegen möchte. Denn: „Irgendwann ist die Pandemie vorbei, die Leute gehen wieder in die Arbeit – was ist dann mit den Tieren?“

Auch am Rastplatz in Aying konnte die Polizei kürzlich einen illegalen Welpenhandel stoppen: Fünf kleine Hunde waren ohne Wasser in einem Kofferraum eingepfercht. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Ebersberg-Newsletter.

(Von Armin Rösl)

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