Kolumne zum Wochenende

Dreckwühler statt Handywischer!

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Wenn die Finger voller Erde sind, kann das auf Kreativität eines Kindes rückschließen lassen. Behauptet zumindest unser Kolumnist Christoph Hollender. Über Hütten im Wald und wieso Werkunterricht an Schulen elementar wichtig ist. 

Als ich Kind war, habe ich Lager gebaut. Kennen Sie das? Für die, die es nicht kennen: Gemeinsam mit Freunden kundschaftete ich Verstecke aus und baute Hütten aus Ästen und Moos im Wald. Die Jeans durfte danach keinesfalls mehr blau sein. Und die Fingernägel mussten dick mit brauner Erde beklebt sein. Dann gab’s Brotzeit. 

Heute stirbt das Lagerbauen aus. Viele Kinder, mit denen ich spreche, sagen, eines ihrer Lieblingshobbys sei: „Smartphone“ oder „Tablet“ (ohne Artikel, auch die Sprache ändert sich leider). Lieber in der digitalen Welt wischen als im Wald im Dreck wühlen also. Klar, die digitale Welt begeistert. Ihr wohnt ein Zauber inne, um es frei nach Hermann Hesse zu formulieren. Aber sie kann täuschen. Dann, wenn das Lagerbauen stirbt. 

Was nämlich verloren geht, ist ein hohes Maß an kreativer psychischer und physischer Entwicklung der Kinder. Ich habe mit Grundschullehrerinnen gesprochen. Sie sagen, das Erleben von Gegenständen mit Körper und Hirn sei elementar wichtig für ein Kind. Das findet in Schulfächern statt, die gerne belächelt und als unwichtig abgetan werden: Werken, Handarbeit, Gestalten. Doch wer sich mit Psychologen unterhält, bekommt genau das bestätigt. Das haptische Erleben trage in keinen anderen Fächern derartige Früchte. Kinder, die komplexe Holzteile mit ihren Händen feilen, leimen, spüren und riechen, entwickeln wichtige Hirnareale weiter. Digital nicht simulierbar! Werkunterricht bereitet Kinder auf selbstständige Arbeiten im Leben vor, im Haushalt, im Garten, am Arbeitsplatz. Projekte im Kopf entwickeln, anpacken, praktisch umsetzen.

Vor einigen Tagen fragten mich zwei Burschen, vielleicht Fünftklässler, am Bahnhof nach meinem Handy. Sie hätten die Bahn verpasst, wollten die Eltern anrufen. Einer der Burschen tippte mit seinen verdreckten Fingern und brauner Erde unter den Nägeln auf meinem Smartphone. Ich grinste. Doch noch ein Lagerbauer, dachte ich. Schönes Wochenende!

P.S.: Zuschriften sind nicht nur per Mail, sondern auch gerne per Post möglich! 

Rubriklistenbild: © dpa / Reiner Dieffenbach

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