Messerstecher muss ins Gefängnis

Vaterstetten - Das Landgericht München II verurteilt den 40-jährigen Lkw-Fahrer, der einen Kollegen angegeriffen hatte, zu einer vierjährigen Haftstrafe.

In seinem letzten Wort wiederholte Baranauskas S. (40) in verschiedenen Versionen, wie leid ihm alles tut: „Das tut mir sehr leid, was passiert ist“, sagte er, „ich habe mir viele Sorgen gemacht über das, was passiert ist. Es tut mir sehr, sehr leid.“ Das Urteil nahm er dann regungslos entgegen.

Das Landgericht München II verurteilte den litauischen Lkw-Fahrerer, der auf einen Kollegen (49) eingestochen hatte, zu vier Jahren Haft wegen gefährlicher Körperverletzung.

Restlos konnte der Fall nicht aufgeklärt werden, weil die beiden einzigen - noch dazu betrunkenen - Beteiligten unterschiedliche Angaben machten.

Sicher ist soviel: Baranauskas S. und Arnoldas K., die beide bei derselben Spedition arbeiteten, verabredeten sich für den 29. März 2014 an der Autobahnraststätte Vaterstetten-Ost, um dort gemeinsam das Wochenende zu verbringen. Sie gingen in einem Supermarkt einkaufen und besorgten sich Lebensmittel und vier Flaschen Rum, von denen sie drei an einem provisorischen Tisch an der Raststätte tranken.

Danach gehen die Versionen auseinander. Der Angeklagte behauptet, dass sein Kollege mit einer Flasche auf ihn losgegangen sei, woraufhin es zum Gerangel kam und er auf ihn eingestochen habe. K. dagegen berichtet von einem „Alkohol-Nebel“, aus dem er erst wieder zu sich kam, als er merkte, dass er „durch den Rücken atmete“.

Das Schwurgericht ging am Ende des Prozesses davon aus, dass es am Abend zu einem Streit zwischen den Brummifahrern darüber kam, ob auch die vierte und letzte Flasche Rum geleert werden sollte. Der Angeklagte wollte sie noch trinken, sein Kollege nicht.

Das Landgericht München II kam nicht zu der Überzeugung, dass S. mit einer Flasche angegriffen wurde; nirgendwo lagen zum Beispiel Scherben. Vielmehr habe S. dem K. zwei Stiche in den Rücken versetzt, als dieser in seinen Lkw kletterte. Das sei die naheliegendste Möglichkeit.

Ein Stich traf links, einer rechts von der Wirbelsäule, jeweils unterhalb des Schulterblattes. Dabei entstanden zwei bis drei Zentimeter tiefe, stark blutende Stichwunden, durch die das Lungenfell leicht angeritzt wurde, sowie ein leichter Pneumothorax. Das Gericht geht davon aus, dass die Tatzeit zwischen 22.30 und 23 Uhr liegt, da der Schlaf des Opfers bei dieser Verletzung nicht sehr lang angedauert haben kann. Gegen 23.43 Uhr suchte er Hilfe in der Raststätte. Nur dem Zufall ist es zu verdanken, dass die Stiche nicht tiefer waren - und tödlich endeten.

Das Landgericht erkannte am Ende nicht auf versuchten Totschlag, sondern auf gefährliche Körperverletzung. Zwar gilt: „Wer ein Messer führt und es in den Körper eines anderen sticht, handelt grundsätzlich mit Tötungsvorsatz“, sagte der Vorsitzende Martin Rieder. Doch weil S. nicht weiterstach, obwohl er die Möglichkeit dazu gehabt hätte, ging das Gericht von einem sogenannten Rücktritt aus.

Nina Gut

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