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Die Bewohner des Sackmann-Hauses in Moosach wenden sich gegen ein Flüchtlingsheim, das in unmittelbarer Nachbarschaft entstehen soll. Sie wollen einen Gemeinderatsbeschluss via Bürgerentscheid aushebeln. 

Gegen Gemeinderatsbeschluss

Anwohner wollen Asylbewerberheim kippen

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Moosach - Eine Gruppe von Moosachern plant einen Bürgerentscheid gegen das in der Grafinger Straße geplante Asylbewerberheim. Sie spricht sich für eine dezentrale Unterbringung der Flüchtlinge aus.

Der Beschluss war hinter verschlossenen Türen gefallen, verkündet wurde er dann Ende November: Die Gemeinde Moosach baut eine Unterkunft für 46 Asylbewerber an der Grafinger Straße. Jetzt formiert sich Widerstand. Bewohner des so genannten Sackmann-Hauses, in deren unmittelbarer Nachbarschaft das Projekt verwirklicht werden soll, strengen einen Bürgerentscheid an, um den Gemeineratsbeschluss zu kippen. 

Wie Marco Lindenbeck, einer der Bewohner des Sackmann-Hauses, gegenüber der Ebersberger Zeitung sagt, hätten er und seine Mitstreiter nichts gegen die Aufnahme von Flüchtlingen in Moosach. Doch lehnten sie eine zentrale Unterbringung ab. Deshalb hat die Gruppe ein Konzept der dezentralen Unterbringung erarbeitet und dieses Bürgermeister Eugen Gillhuber vorgestellt. Der sagt: Er persönlich halte eine dezentrale Unterbringung für besser und habe das von Anfang an gesagt. Jetzt gebe es einen anderslautenden Gemeinderatsbeschluss, insofern kämen die neuen Ideen drei Monate zu spät.

Rückblick: Die kleine Kommune im Landkreis-Süden hatte sich ihr Asylbewerberheim-Projekt so vorgestellt: Auf dem Grundstück Flurnummer 219 an der Grafinger Straße wird die 23 mal 14 Meter große Unterkunft für 46 Flüchtlinge gebaut. Erdgeschoss und erster Stock werden jeweils rund 300 Quadratmeter groß sein, in jeder Etage sind 23 Zimmer für je zwei Asylbewerber, dazu Küche, Aufenthaltsraum und Sanitäranlagen. Rund 1,4 Millionen Euro investiert die Gemeinde in das Gebäude. Refinanziert wird das Projekt über Förderungen und die Unterbringungskosten: Für jeden Asylbewerber erhält die Gemeinde 250 Euro pro Monat vom Landratsamt. Später einmal, wenn die Flüchtlinge wieder ausgezogen sind, soll das Gebäude anderweitig genutzt werden.

Die Bewohner des Sackmann-Hauses sind sich sicher, dass Integration keinesfalls durch die zentrale Unterbringung von zum Teil traumatisierten Menschen gelingen könne. Das hätten genügend Beispiele in anderen Orten gezeigt, die nun die Probleme der Ghettoisierung zu bewältigen hätten. Auch in Moosach herrsche „absolute Konzeptlosigkeit“, was zum Beispiel Fragen der Sicherheit oder Betreuung angehe. 

Die Sackmann-Haus-Gruppe schlägt vor, die Flüchtlinge dezentral – sprich über den Ort verteilt – unterzubringen. Und zwar in sogenannten Mikrohäusern. Dabei handelt es sich um mobile kleine Wohneinheiten, die ohne Bauantrag auf ein Grundstück gestellt werden können und vier Personen Platz bieten. „Das Ziel hinter dem Projekt ist die Würdigung der Einzelschicksale mit einem Maximum an Integrationspotential. Innerhalb des Mikrokosmos rund um die Mikrohäuser teilen sich die Anwohner die Aufgabe der Integration. So wird niemand überfordert. Auf vier neue Menschen kommen dann etwa 24 Anwohner“, heißt es in dem Konzept, das auch die Finanzierungsfrage anspricht und vorschlägt, von jedem Moosacher 30 Euro pro Jahr für die Unterbringung der Flüchtlinge zu verlangen. Das so eingenommene Geld würde zusammen mit den staatlichen Asylbewerber-Zuschüssen für die Finanzierung der Mikrohäuser ausreichen, heißt es.

Die Bewohner des Sackmann-Hauses wollen selbst mit einer „größeren Summe“ einsteigen, auch um „unserem Konzept die notwendige Ernsthaftigkeit zu verleihen“, heißt es. Zudem sei man in Kontakt mit Hochschulen, die großes Interesse hätten, den Ansatz der dezentralen Unterbringung von Asylbewerbern wissenschaftlich zu begleiten. Lindenbeck: „Das Projekt hat das Potential zu einem Leuchtturmprojekt für Deutschland und seine ländlichen Gemeinden zu werden“.

 Die Unterschriftensammlung für ein einem Entscheid vorgelagertes Bürgerbegehren soll schon an diesem Samstag am Moosacher Wertstoffhof beginnen. Anfang Februar soll eine große Infoveranstaltung stattfinden, der genaue Termin werde noch bekanntgegeben. Zudem will die Sackmann-Haus-Gruppe über einen eigenen Internetauftritt informieren, der in diesen Tagen eingerichtet werden soll.

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