Gut aufgehoben: Die Hennen Billy und Jodie (v.li.) in den Armen von Andrea und Leni Hinterwaldner in der heimischen Küche.
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Gut aufgehoben: Die Hennen Billy und Jodie (v.li.) in den Armen von Andrea und Leni Hinterwaldner in der heimischen Küche.

HAUSBESUCH - Leni Hinterwaldner (16) hat Jodie, Billy und Co gerettet – Sie dürfen mit ins Haus

Das Hühnerparadies von Moosach: Wo es in der Küche scharrt und gackert

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
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Mitten in einer Wohnsiedlung in Moosach ist das Hühnerfieber ausgebrochen: Eine ganze Familie ist von den Tieren begeistert - sie dürfen sogar mit ins Haus.

Moosach – Das Huhn ist ein praktisches Tier. Es lässt sich von Robotern ausbrüten, aufziehen und schlachten, ohne eine fürsorgende Hand. Das weiche Fleisch wird gehäckselt und in Form gepresst, bis nichts mehr an das Tier erinnert – wobei, es gibt sogar Chicken Nuggets, die aussehen wie kleine Hühnchen. Kinder mögen so was. Und bis zu seinem letzten Tag legt das Industrie-Huhn fleißig Eier. Eine tierische Maschine.

Und ein Lebewesen, obwohl der Mensch das gern verdrängt. „Hühner sind frech, lustig und sie geben einem viel zurück“, sagt Leni Hinterwaldner aus Moosach. Die 16-Jährige ist Besitzerin einer siebenköpfigen Hühnerschar. Jodie, Billy und Konsorten brauchen den Schlachter nicht zu fürchten. Bei Hinterwaldners gehören sie zur Familie.

Das Huhn taugt zum Haustier - nur stubenrein ist es nicht

Immer wieder dürfen die Tiere ins Haus, gackern und picken auf dem Küchenfußboden und erschrecken die Katzen. Oder verbringen gemütliche Momente auf dem Schoß der Elftklässlerin, wenn die auf der Couch relaxt. „Hühner können Haustiere sein“, sagt Leni Hinterwaldner. „Die lassen sich gut dressieren.“ Auch wenn besser ein Handtuch zwischen ihr und dem Huhn liegt. „Sie sind nicht so stubenrein.“ Abhilfe, wenn kommt, was kommen muss, schafft Klopapier, das immer griffbereit liegt – gerade im Sommer kann es sein, dass alle sieben Hühnerdamen durch die offene Terrassentür eintrudeln.

Neugierig: Die Moosacher Hühner in ihrem überdachten Laufgehege.

Es hat gut ein Jahr Überzeugungsarbeit gekostet, bis die 16-Jährige ihre Eltern weichgeklopft hatte und die Erlaubnis für die Hühner bekam. Die Familie wohnt nicht auf einem Bauernhof, sondern mitten in einer Moosacher Wohnsiedlung. Der Stall samt Gehege, den sich die Tochter mit Babysitten und ein paar Zuschüssen aus der Familie erspart hat, steht im weitläufigen Garten.

Hühner in der Siedlung: Die Nachbarskinder sind begeistert

Damit haben auch die Nachbarn was davon: Besonders Henne Helga hat den Ruf, dass ihr kein Zaun zu hoch ist, wenn auf der anderen Seite ein schöner Platz zum Scharren lockt. Die meisten in der Siedlung nehmen das locker, berichtet Lenis Mutter Andrea. Die Tochter verkauft sogar die Eier in der Nachbarschaft und finanziert so das Biofutter für ihre Schützlinge. Und die Kinder rings herum seien von den Tieren sowieso begeistert.

Wegen der Stallpflicht ist den Tieren langweilig - es braucht Beschäftigung

Momentan herrscht für die sieben Hühner der Familie aber Ausgangssperre. Wegen der grassierenden Vogelgrippe hat das Landratsamt auf absehbare Zeit Stallpflicht angeordnet. Den Hühnern ist deswegen fad, stellt die Halterin fest: „Ich muss sie mehr beschäftigen.“ In ihrem Laufgehege finden die Sieben beispielsweise eine mit Körnern gefüllte Rasselflasche vor, eine Schaukel – oder einen hüfthoch aufgehängten Salatkopf, der nur mit einem Sprung zu erreichen ist. Und wenn die Langeweile überhand nimmt und das Gezeter aus dem Stall zu laut wird, sorgt eine Auszeit im Haus für emotionalen Ausgleich.

Leni Hinterwaldner wird mit den Hühnern nicht langweilig. Füttern, beobachten, gemeinsam „chillen“ und mal ein liebevolles Picken in die Wade – „ich habe es nie bereut“, sagt sie über ihre Anschaffung. Die anfangs skeptische Mutter pflichtet ihr bei: „Das war die beste Entscheidung überhaupt“, sagt Andrea Hinterwaldner. „Die sind so putzig!“

So lässt sich ein Hühnerleben aushalten: Auf dem Schoß von Leni Hinterwaldner (16) sitzt Hybrid-Huhn Billy. Statt beim Schlachter landete die Henne bei der Familie in Moosach – und darf auch mal bei den Hausaufgaben helfen.

Über den Verein „Rettet das Huhn“ bewahrt die 16-Jährige die Hennen vor dem Tod

Dabei sah es für die Hühnerdamen – Billy, Tilda, Jodie, Helga, Anni, und Gustl eigentlich gar nicht gut aus: Hybridhühner wie sie dürfen üblicherweise nicht viel länger als ein Jahr leben, weil dann die Legeleistung nachlässt. Vermittelt über den Verein „Rettet das Huhn“ hatten die sechs Tiere das Glück, bei der Familie in Moosach zu landen – genau wie das dunkel gefiederte Marans-Huhn Maray, das ein paar Monate später als „Waisenhuhn“ zu der kleinen Schar stieß.

Im besten Fall haben die Sieben einige schöne Jahre vor sich, rechnet Leni Hinterwaldner vor – älter als fünf werden auf Legeleistung gezüchtete Hennen kaum. Sie seien ganz schön zerrupft gewesen, obwohl auf einem Biohof gehalten, erinnert sich die 16-Jährige. Trotzdem war es Liebe auf den ersten Blick, das gibt auch die Mutter zu, die nichts über Hühnerdame Billy kommen lässt: „Die hat mich angeschaut“, sagt Andrea Hinterwaldner und seufzt lächelnd: „Mei...“ Der Rest ist Geschichte.

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