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Arschlecken 350! Das passende Bier zum Programm von Markus Lange r (50) aus Moosach gibt es bereits. Bayerisch, ehrlich, direkt und aus dem Leben soll es sein. 

Kabarettist Markus Langer

Dieser Moosacher ist Sepp Bumsinger

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Markus Langer ist der Polt aus Moosach – und auf dem Weg zum ganz großen Erfolg. Im Internet ist er in der Rolle des Sepp Bumsinger längst ein Star. Wir haben den 50-Jährigen getroffen.

Moosach – Für Markus Langer beginnt alles vor 47 Jahren auf einer kleinen Bühne im Landkreis Miesbach. Der kleine Markus ist drei Jahre alt. Er steht mit seinem Papa, dem Volksmusikanten aus Baldham-Dorf, im Rampenlicht: geblendet, begeistert von den Menschen im Publikum, die applaudieren. Wow! Der Moment brennt sich in sein Herz.

„Ich bin ein Glückskind“, sagt Langer

Fünf Jahre später, mit acht, ist Markus Langer wieder an der Seite seines Papas. Auch den Moment trägt Langer tief im Herzen. Der Papa stirbt neben ihm. Wenn er davon erzählt, wird er andächtig, fast ruhig; ungewohnt. Denn Langer ist ein Typ, der über seine Schicksalsschläge und Dämpfer, die es in seinem Leben gibt, gar nicht so lange reden will. Ein Typ, den Manche wegen seines Witzes als den zweiten Gerhard Polt beschreiben und der über sich selbst sagt, nur das Gute im Leben zu sehen. Und der das Jetzt lebt. „Ich bin ein Glückskind“, sagt Langer.

Markus Langer: 50 Jahre, Moosacher, schwarz-graue Haare, Aufsteh-Frisur. Ein Grinsen wie ein Bub. Und einen oberbayerischen Dialekt mit einem gerollten „rrr“ wie Gerhard Polt. Polt, der bayerische Kult-Kabarettist. Als Langer in der Realschule in Vaterstetten war, hat er als 14-Jähriger in der Pause Polt-Kassetten angehört. Mitschüler hätten den Kopf geschüttelt. Dass Markus Langer je mit Polt verglichen würde, hätte er sich damals nicht mal zu träumen getraut.

Bühnenprogramm bis 2020 vorgeplant

Langer ist inzwischen selbst ein in ganz Bayern bekannter Künstler. Sein Bühnenprogramm ist bis 2020 vorgeplant. Die Zuschauer werden immer mehr. Manche würden ihn Komiker nennen. Er sich selbst Kabarettist. Eine seiner Figuren: Sepp Bumsinger. Ein bayerischer Grantler mit orangefarbenem Cap und einem Gesicht wie nach der zwölften Halbe. A bisserl belämmert also. 2016 ist Langers Durchbruch mit Bumsinger – dank Internet. Das erste Video über Bumsinger wurde tausendfach geklickt. Ein großer deutscher Cerealienproduzent erregte das eigentlich bayerisch gemütliche und einfältige Gemüt von Sepp Bumsinger. Am Ende zertrümmerte er wütend das Radio, aus dem die schwäbische Stimme Müsliwerbung spuckte, mit den Worten: „Der soll sei Müsli selber fressen!“ Mit Bumsinger war auch ein neues Getränk geboren: „Arschlecken 350.“ Erst als hochprozentiger Obstler, dann als Biersorte.

Am liebsten in kurzer Hose und barfuß

Langer sitzt in einer Hütte am Gelände der Privat-Brauerei Gut Forsting, wo Arschlecken gebraut wird, unweit von Ebersberg. Auf einem der Tische liegt ein Holzbrett mit altem Weißbrot. Langer sitzt daneben, grübelt über sein Leben, streichelt über seinen Achttage-Bart am Kinn: „Hinter allen Figuren, die ich spiele, steckt ein Mensch“, sagt er. Er muss selbst staunen, wie emotional ihn sein Leben berührt. Langer, der Familienmensch, der gelernte Banker, der mal als Controller gearbeitet hat und fast erbrechen musste, weil es so viele Zahlen waren. Langer, der Biergartenmensch, der am liebsten nur mir kurzer Hose oder Lederhose und barfuß rumrennt.

Wenn er Bumsinger spielt, polarisiert er. Bumsinger lieben oder hassen, das sei es, erzählt er. Viele wollen diese Lockerheit, die derben bayerischen Wörter und Kraftausdrücke. Viele müssen über die Unbeschwertheit lachen. Auch seine Frau, seine Ideengeberin. Seine drei Kinder, alles Buben (10, 18, 20), wissen nicht so recht, ob Papas Figur peinlich ist oder nicht. Denn der Bekanntheitsgrad steigt von Tag zu Tag. Internet, Radio, Fernsehen. „Der Erfolg von Social Media hat mich auf die echten Bühnen gehoben“, sagt er. Über 70 000 Menschen folgen ihm bei Facebook. Und Langer kann mehr als nur Bumsinger.

„Arschlecken, Rasieren, 3,50“

Um zu verstehen, wer Langer ist, was er macht und was er werden könnte, müssen wir zurück, weit zurück. Zu seiner Oma und seinem Opa: Münchner Kindl, Nachkriegsgeneration. Der Opa hat Schusswunden und die Oma ein Herz, wie es Bayern kennt. Einer ihrer Lieblingssprüche: „Arschlecken, Rasieren, 3,50.“ Für Langer soll das später eine Art Lebensmotto werden. Und der Name seines Biers. Er erklärt den Spruch so: „Jetzt ham ma an Bodn verlegt, jetz mach ma uns a Halbe auf!“ Jetzt grinst Langer wieder wie ein Lausbub, sodass sein feines Goldkettchen um seinen Hals über sein T-Shirt hüpft. Er trägt es seit seiner Kommunion. Irgendwann will er es einem seiner Söhne schenken, irgendwann.

Oma und Opa waren, nein sind Taktgeber in seinem Leben. Alles a bisserl entspannter und nicht so zerfressen von Neid zu sehen. Das habe er von ihnen gelernt. Und das sei es, was er in seinem Bühnenprogramm trotz aller Witzeleien und Saufgeschichten versucht auszudrücken. Sagt er. Nach seinen Auftritten zitiert er gerne seine Oma, die meinte: „Kein Mensch auf der Welt hat sein Leben überlebt!“ Was es heißt: „Es geht ums Leben, und davon hat jeder nur eins. Manchmal muss man einfach mal was machen“, erklärt Langer.

Energiequelle Bayern

Eine andere Energiequelle ist für ihn Bayern. Weniger München. „Ich bin ein Dorfkind“, sagt er. In Moosach sei er angekommen. Seine Frau, seine Familie, ein paar Spezl, alles passt. Kleine Semmeln backen, ist sein Motto. Das Bankkonto müsse nicht platzen, um zufrieden zu sein. Auch wenn er in Zukunft zu 100 Prozent vom Kabarett leben und sich von seiner Internetfirma immer mehr zurückziehen will.

An Material mangelt es nicht: Wie jüngst beim Schneechaos, als er als Sepp Bumsinger mit Frau Holle telefoniert und sie gewaltig geschimpft hat: Wegen des ganzen Schnees stecke der Bierlaster fest! Hölle!

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