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Tamara Weidlich führt den Moosacher Dorfladens. Die Menschen mögen den Dorfladen, sagt sie. Dennoch müsse man täglich schauen, dass man über die Runden komme. 

Ein Jahr ist seit der Gründung vergangen

Dorfladen-Chefin: „Ich mache es für Moosach“

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Im März vergangenen Jahres hat der Moosacher Dorfladen eröffnet. Wie geht es ihm? Hat er eine Zukunft? Wir haben eine der Chefinnen besucht.

Moosach – Es ist ein heller Raum: 50 Quadratmeter groß, Café-Ecke mit türkisfarbenen Kissen, Kasse, Waage, Äpfel, Tomaten, Nudeln und im direkt neben der Eingangstüre ein weißes Regal mit frischer Marmelade. Früher gab es hier an der Taubenstraße in Moosach nur Wein. Heute ist dort ein Dorfladen. Tamara ist eine der Chefinnen. Sie ist 48 Jahre alt, vierfache Mutter, Floristin und sagt: „Ich mache es nicht für mich, sondern auch für Moosach.“

Seit Jahren gab es in der Gemeinde keinen Lebensmittelladen mehr. Und seit Jahren wusste Tamara Weidlich, dass die Leute einen Laden bräuchten. Einen Ort, an dem es nicht nur frische Biosemmeln und Milch gibt. Einen Ort, an dem sich jung und alt trifft, man ratschen kann und, wenn man seinen Geldbeutel vergessen hat, seine Zeche anschreiben lassen kann. Schon vor Jahren wollte Andrea Windecker, die zweite Geschäftsführerin des Dorfladens, einen solchen in Moosach eröffnen, aber es fehlte der passende Raum. Nachdem eine Weinhandlung 2016 in der Taubenstraße dichtmachte, nutzen Andrea Windecker und Tamara Weidlich die Chance.

Im März letzten Jahres eröffneten beide den Laden mithilfe von weiteren Gesellschaftern, die Geld gaben. Dorfläden bleiben attraktiv, sind aber auch mit Risiken behaftet. Aktuell soll in Egmating ein Dorfladen entstehen. Wir blicken gemeinsam mit Tamara Weidlich auf das erste Jahr des Dorfladens in zurück. Ein Dorfladen sei eine Gratwanderung. „Man muss von Monat auf Monat schauen“, sagt Weidlich.

Als der Laden Anfang März 2017 eröffnete, waren die Öffnungszeiten noch anders. Heute sind sie verkürzt und es gibt eine Mittagspause. Nicht nur, weil viele Kunden um die Mittagszeit nicht einkaufen, sondern auch, „um Personalkosten zu senken“, wie Weidlich sagt. Dass die ersten Jahre hart seien, sei normal, wie bei jedem, der sich selbstständig mache. Über den „Berg“ sei man noch lange nicht. Weidlich sagt ganz offen: „Man muss schauen, dass es weitergeht und dass wir über die Runden kommen.“

Obwohl viele Menschen vor der Eröffnung viel Interesse an dem Dorfladen gezeigt hätten, müssten Weidlich und ihre Kolleginnen, die dort helfen, nun Kunden erreichen und sie dazu bringen, ins Geschäft zu kommen. „Jeder Kunden zählt eben für uns“, sagt Weidlich. „Die Leute, die kommen, mögen den Dorfladen.“ Viele in Moosach seien es gar nicht mehr gewohnt, um einzukaufen, nicht mehr mit dem Auto fahren zu müssen. „Ältere Kunden freuen sich“, sagt Weidlich.

Als in den letzten zwei Jahrzehnten Lebenmittelläden in Gemeinden und im Innenstadtbereich von den größeren Discountern, die sich außerhalb ansiedelten, verdrängt wurden, schimpfen viele Menschen über diese Entwicklung. Nun gehe man den Schritt wieder zurück. Es sei eine Chance für die Menschen, sagt Weidlich. Die müssten diese nur annehmen. Viele seien, schätzt Weidlich, es gar nicht mehr gewohnt oder wissen es schlichtweg nicht, dass man auch in kleinen Läden gut und genauso günstig einkaufen könne, wie in einem Supermarkt. So wie im Moosacher Dorfladen, der einen bunte Mischung aus konventionellen, biologischen und regionalen Produkten biete. Und sollte das ein oder andere doch ein „paar Cent teuerer sein“, als im Discounter, „darf man nicht vergessen, dass die Kunden nicht fahren müssen“. Es ist eben ein Laden für Moosach.

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