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Wohin geht die Reise im deutschen Bildungssystem? Dieser Wegweiser steht auf dem Geländer in Niederseeon.

Interview mit der neuen Chefin der Montessori-Schule Niederseeon, Angelika Oedingen

„Wir unterrichten Kinder, nicht Fächer“

Angelika Oedingen (62) hat die Leitung der Montessori-Schule Niederseeon übernommen. Wir sprachen mit der 62-Jährigen über gelungene Schultage, Bildungsvisionen und Montessori.

Welchen besonderen Herausforderungen muss sich ein Schulleiter einer Privatschule stellen?

Angelika Oedingen: Der Einfluss, aber auch der Einsatz der Eltern ist sehr viel höher. Die Mitsprache ist viel größer, das ist völlig anders als an der Regelschule. Alle Ansprüche zu einem Ziel zu bringen, ist sicher eine große Herausforderung.

Was hat Sie an der Schule und deren Leitung gereizt?

Angelika Oedingen: Montessori ist zukunftsfähig, Montessori ist modern. Ich habe den Anspruch, Montessori hier und jetzt zu gestalten. Die pädagogische Basis ist hundertprozentig vorhanden, aber wir müssen immer wieder daran arbeiten, nicht stehen bleiben.

Montessori in drei Schlagworten: Welche nennen Sie?

Angelika Oedingen: Selbstbestimmt, verantwortungsvoll und Freiheit des Geistes. Ich empfinde die Kinder hier sehr frei, offen, aufgeschlossen.

Ein gelungener Schultag – was gehört für Sie dazu?

Angelika Oedingen: Es gibt zwei Möglichkeiten: einen Input zu geben und die Schüler sind so sehr begeistert, dass sie gar nicht mehr aufhören wollen und man sie fast aus der Schule kehren muss; oder die Schüler stürzen sich mit voller Kraft auf etwas, das sie können und wissen wollen. Es geht also immer um die Selbstständigkeit und nicht das Aufgezwungene, das ist für mich wesentlich.

Wie war Ihre eigene Schulzeit?

Angelika Oedingen Leiterin der Montessori-Schule Niederseeon.

Angelika Oedingen: Ich war auf einem Mädchengymnasium und bin gerne in die Schule gegangen. Ich hatte tolle Lehrer, die mich wirklich beflügelt haben. Aber das ist ja schon alles urlangeher!

Wenn Sie Bildungsministerin wären – was würden Sie ändern?

Angelika Oedingen: Für eine bessere Lehrerausbildung sorgen, die mehr auf den Menschen bezogen ist. Denn wir unterrichten keine Fächer, wir unterrichten Kinder. Überhaupt müssen wir unser Gesamtbild, wie das Lernen funktioniert, immer wieder hinterfragen. Da denke ich auch an Digitalisierung – aber bitte mit Maß. Das Wichtigste für das Lernen ist immer die Beziehung zwischen Schüler und Lehrer.

Was haben Sie sich für die nächsten Jahre vorgenommen?

Angelika Oedingen: Ich würde gerne große Gemeinschaftsprojekte machen. Zum Beispiel eine Theaterinszenierung, an der die ganze Schule beteiligt ist. Oder einen Film über die Schule drehen, in dem nicht wir Erwachsenen, sondern die Kinder selber ihre Schule vorstellen.

Das Gespräch führte
Uta Künkler

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