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„Ich bin dankbar für all das, was ich im Ort machen durfte und wie mein Leben gelaufen ist“: Willi Mirus. 

Kommunalwahl 2020

Nach Gemeinderatswahl in Moosach: Willi Mirus verabschiedet sich nach 24 Jahren Einsatz

Nach Kommunalwahl: 24 Jahre setzte sich Willi Mirus für Moosach ein. Jetzt sagt er leise Servus.

Moosach– Es war die letzte kommunalpolitische Runde für Willi Mirus (AMB, 67). Die Stimmen der Moosacher, die Mirus wählten, reichten diesmal nicht aus für eine weitere Etappe im Gemeinderat. Doch am Boden zerstört ist Mirus deswegen nicht. Im Gespräch mit der Ebersberger Zeitung erklärt er, warum er gut mit dem Wahlergebnis umgehen kann. Ein Gartenbesuch, mit Schutzabstand.

Ein bisserl sieht Willi Mirus wie ein Überbleibsel aus den wilden 68-Jahren aus. Schulterlanges weißes Haar, olivgrünes Hemd, Stricksocken, Birkenstock. Doch er wirkt eher abgeklärt, fast milde. Den Rebellen, der in früheren Tagen sein Gemüt in Wallung versetzte, hat Mirus abgelegt. Lediglich die Zigaretten, die er noch immer selbst dreht, sind geblieben – und der VW-Bus vor der Haustüre verrät, dass hier ein Freigeist wohnt.

Zwei Wochen ist er noch 2. Bürgermeister

Über die Straße sind Motorengeräusche zu hören. „Glasfaserarbeiten“, kommentiert Mirus kurz und bündig den Lärm. Zwei Wochen ist er noch 2. Bürgermeister und als solcher in alles, was im Ort geschieht, bestens eingeweiht. Auch diesen Posten muss er lassen. Mirus stellt Kaffee auf den Tisch und dreht das kleine Radiogerät ab. Wie geht es ihm jetzt – angesichts des großen Loslassens? „Persönlich bin ich zufrieden, auch sehr dankbar für die lange Zeit. Ich respektiere den Willen der Bürger, die wissen sehr genau, dass es junge Kollegen gibt, die andere Prioritäten und Ziele setzen.“

Zu manchen Projekten hatte Mirus eben seine eigene Vorstellung, wie beispielsweise in jüngster Zeit zum Bau des Moosacher Kinderhauses. 24 Jahre saß Mirus für Moosach im Gemeinderat, davon sechs Jahre als 2. Bürgermeister, er mochte das Amt sehr. „Die Aufgabe war, stets den 1. Bürgermeister dann zu vertreten, wenn dieser keine Zeit hatte. Es gab viel zu tun hier bei uns, irgendwann reicht’s dann aber auch“, sagt er und lacht verschmitzt. Dann spricht er offen auch die finanzielle Seite an. „Das, was ein ehrenamtlicher Bürgermeister bekommt, ist für die Menge an Arbeit und für die Art der Herausforderung ein Schmerzensgeld.“

VW-Bus wartet auf Mirus

Nein, am Boden zerstört ist er nicht. Mirus erkennt klar sein künftiges mehr an Freiheit und weist auf den VW-Bus hin, der vor der Tür auf ihn wartet. Europa will er erkunden, wenn die Grenzen wieder offen sind. Sein Wunsch an die Zukunft – nach Corona: „Ich hoffe, dass die Demokratie unbeschadet aus der gegenwärtigen Krise geht.“ Ein weiterer Wunsch bewegt ihn: Für die Nahwärme würde er gerne weiter Verantwortung tragen, sie ist Mirus ans Herz gewachsen und bis heute sein wichtigstes Projekt. Seit sechs Jahren ist Mirus Moosachs Nahwärmebeauftragter.

„Ein Leuchtturmprojekt“, lobte Landrat Robert Niedergesäß

„Ein Leuchtturmprojekt“, lobte Landrat Robert Niedergesäß die Moosacher für ihr Heizsystem während der Eröffnung im März 2019 (wir berichteten). Ob Mirus den Posten behalten kann, wird der künftige Gemeinderat entscheiden, der den Nahwärmebeauftragten im Amt bestätigen muss. Was ist sein Fazit zu den vielen Jahren, im Dienst für die Moosacher? „Dankbarkeit“, sagt Mirus schlicht– und wie er das sagt, wirkt gar nicht abgedroschen, sondern ehrlich und echt. „Ich bin dankbar für all das, was ich im Ort machen durfte und wie mein Leben gelaufen ist, für die Zeit als Jugendbeauftragter, für den Naturkostladen, den ich 13 Jahre in Moosach hatte, für das Einheimischen-Grundstück, auf dem ich bauen konnte, für die Zeit als Gemeinderat, die Jahre als zweiter Bürgermeister und die Aufgabe, als Nahwärmebeauftragter zu wirken.“

VON SUSANN NIEDERMAIER

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