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„Es gibt keine gesunden Igel, die tagsüber herumlaufen, gesunde Igel sind nachts unterwegs“: Maike Sailer.

Hilfe und Tipps für Igel

Die Igel-Mama von Moosach: Maike Seiler hilft den stacheligen Gesellen

Maike Seiler (35) ist seit ein paar Jahren als Nothelferin für die stacheligen Gesellen im Einsatz. Einmal hatte sie 38 Igel zu Hause. 

Moosach – Während im vergangenen Sommer andere Moosacher Familien zum Steinsee zum Baden fuhren, blieben die Seilers freiwillig zuhause. Maike (35), Andreas (46) und die drei Kinder (15, 11, 4) kuschelten als Pflegefamilie 38 winzige Igelbabys, die ansonsten verhungert wären. „Kleine Igelkinder ohne Mamas fressen erst, wenn sie zuvor Hautkontakt haben“, erklärt Maike Seiler. Ein großes Herz für Tiere hat die junge Frau schon von Kindesbeinen an, seit 2016 ist sie in Moosach und Umland im Einsatz als Igel-Nothelferin.

Zu ihrem zeitaufwendigen, doch lebenserhaltenden Dienst für die stacheligen Gesellen kam sie vor vier Jahren rein zufällig. Herbst 2016. Maike Seiler sitzt mit Mann und Kindern auf der Terrasse, es ist heller Tag. Plötzlich wuselt ein Igel über die Terrasse. Die tierliebe Frau nimmt ihn hoch und setzt ihn in eines der Gartenbeete. Dann ruft sie eine Freundin an, um vom Erlebnis zu erzählen. 

„99 Prozent der tagaktiven Igel haben gesundheitliche Probleme“

Doch die sagt ihr, das Verhalten des Tieres, mitten am Tag durch die Gegend zu laufen, sei ungewöhnlich. „99 Prozent der tagaktiven Igel haben gesundheitliche Probleme und Parasiten“ weiß Seiler heute. „Es gibt keine gesunden Igel, die tagsüber herumlaufen, gesunde Igel sind nachts unterwegs“, erklärt sie.

Auch Igel leiden unter dem Klimawandel. Für die Futtersuche müssen sie immer weitere Strecken gehen.

Zwischenzeitlich beschäftigte sie sich intensiv mit den kleinen Wildtieren, kontaktierte Tierärzte und informierte sich beim Igelnotdienst. Jetzt ist sie selbst Igel-Expertin und widmet große Teile ihrer Freizeit, um zu helfen. Oft geht es um Leben und Tod, ihr Igelnothilfedienst ist für die Stacheligen zu Beginn der Winterzeit meist die einzige Überlebenschance. Die Parasiten, die Igel befallen, haben gruselige Namen. Da gibt es die für Igel gefährlichen Lungenhaarwürmer und den Darmsaugwurm. 

Viele Igel im Ebersberer Landkreis

„Der ist im Raum München und auch hier im Ebersberger Kreis sehr vertreten“, sagt Seiler und informiert, wie dieser Parasit Igeln schadet. „Der Wurm setzt sich an der Darmwand fest und bringt die zum Reißen.“ In diesem Jahr könnte es besonders schlimm werden, befürchtet Seiler. „Die Igel wachten viel zu früh auf, nahezu alle sind bereits in einem katastrophalen Zustand.“

Derzeit wohnen noch drei Igel bei ihr im Keller, vor kurzem verbrachten sechs noch den Winterschlaf bei ihr. Die wilderte sie aus, teils im eigenen Garten. „Als die 38 kleinen Igel-Waisen bei uns wohnten, stand mir beinahe die Scheidung ins Haus“, berichtet Seiler ehrlich. 

„Bin meinem Mann heute noch so dankbar, dass er umdachte und einfach mithalf“, sagt sie und schickt ihm ein freundliches Lächeln. „Wir konnten nicht mehr schwimmen gehen mit den Kindern, wir haben uns drei Wochen lang gemeinsam mit Hilfe von lieben Freunden tagsüber und nachts beim Kuscheln und Füttern abgewechselt“, erzählt sie weiter.

Woher kamen die vielen kleinen Igel?

Woher kamen die vielen kleinen Igel? „Über das Igelnothilfenetz. Meist werden die Igelmamas auf dem langen Weg der Futtersuche überfahren und die Babys bleiben allein zurück“ berichtet Seiler. Der Hintergrund: „Igel sind ebenfalls von der Klimaveränderung betroffen, denn es gibt kaum mehr Insekten, die das Hauptfutter der reinen Fleischfresser sind. Um sich zu ernähren, müssen Igel daher ewig weit laufen und werden überfahren“, klagt sie.

Weil Menschen schon im Vorfeld helfen können, will die Nothelferin auch die Leser der EZ motivieren: „Statt dass Ihr Garten zu 100 Prozent schön und gepflegt aussieht, lassen Sie bitte Laubhaufen für die Igel liegen oder richten Sie in ihrem Garten ein spezielles Eckerl für diese Wildtiere ein“, bittet sie und setzt eine Warnung hinterher: „Falls ein Igel tagsüber durch ihren Garten läuft, besteht Alarmstufe Rot: Der Igel hat entweder Parasiten oder ist krank. Helfen sie dem Tier“, bittet Seiler.

Tipps für Helfer

Für alle, die den Mut haben, selbst zu helfen, hat die Igelnothelferin verschiedene Informationen und Tipps parat:
1. Tier sichern. Eigenschutz beachten (Handschuhe, Handtuch, Jacke o.a. nutzen) Igel mit beiden Händen seitlich unter dessen Bauch anfassen.
2. Wiegen/untersuchen. Igel wiegen und auf Wunden, Parasiten und Fliegeneier prüfen, erwachsene Igel müssen eine runde Körperform haben.
3. Behandeln. Igel zunächst wärmen. Wenn das Tier Fliegeneier hat, dann diese vor dem Wärmen entfernen, Zecken ziehen, gegen Flöhe Jacutin Pedicul Spray verwenden.
4. Unterbringen. Bei Zimmertemperatur (18-23 Grad), Karton oder Hasenkäfig mit Zeitungen auslegen, altes Handtuch oder kleinen Karton gefüllt mit Zeitungsschnipseln, Futter (Katzennassfutter, darf günstiges sein) und Wasser anbieten (Igel muss zuvor warm sein).

„Keinesfalls Schnecken füttern, die frisst der Igel nur im Notfall, zudem sind Schnecken Überträger des Lungenwurms, der tödlich für den Igel ist“, weiß die Moosacher Expertin.

Wer sich das Unterfangen nicht selbst zutraut, kann Hilfe und Anleitung bei den Profis holen – die Telefonnummer der Igel-Hotline lautet: (0800) 72 35 75 0.

VON SUSANN NIEDERMAIER

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