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Freundlich, vielfältig, offen: Christopher Höhl, 30, ist der „Neue“ im Landratsamt.

Auftakt in der Behörde

Der Neue im Landratsamt 

Christopher Höhl mag Eric Clapton, Klavier spielen und ist mit 30 Chef von 100 Mitarbeitern im Landratsamt Ebersberg. Seit wenigen Wochen leitet er dort die Sozialabteilung. 

Ebersberg – Weihnachtsfeier 2016 im Landratsamt Ebersberg: Für Christopher Höhl ist es die erste. Fast keiner der Mitarbeiter kennt ihn, er ist der „Neue“, der zukünftige Leiter der Abteilung Soziales. 30 Jahre jung, aus München, Jurist und Musiker.

Nach der Weihnachtsfeier kennt ihn fast jeder, denn was damals im Dezember im Amt passierte, wird Höhl nicht vergessen. Es gab Lebkuchen und Punsch, alles ganz normal. Und es gab ein Klavier. Für Höhl perfekt. Er setzte sich an das Instrument und spielte. Sweet Home Chicago, einen Blues, bekannt aus dem Film „Blues Brothers“. Das kam an bei den neuen Kollegen und auch bei Landrat Robert Niedergesäß (CSU). Ein „glücklicher Start in den Job“, sagt Höhl. Er lächelt.

Nur Anwalt sein? Nein! 

Dass der 30-Jährige in seiner ersten Arbeitswoche ein Klavierkonzert gab, war für ihn genauso überraschend wie der Job im Landratsamt selbst. Studiert hat Höhl Jura in München, bis vergangenes Jahr hat er als Anwalt für Baurecht in einer Kanzlei in der Landeshauptstadt gearbeitet. Nach knapp einem Jahr entschied sich Höhl, etwas anderes zu machen. Nur Anwalt sein, sei ihm zu theoretisch, zu einseitig. Er habe nach mehr Praxis und Vielfalt gesucht. Er wollte in den Staatsdienst, ab in eine Behörde.

Verwaltung und Vielfalt? Klingt erst einmal neu. Christopher Höhl erklärt, wieso eine Behörde viel vielfältiger sei, als viele glauben und dass es ein verstaubtes Klischee sei, dass dort nur Bescheide geschrieben und Pausen geplant werden. Zum Beispiel beim Thema Asyl. Das fällt in Höhls Ressort. Aktuell sei dieses Thema am anspruchsvollsten und spannendsten, sagt Höhl.

„Ein Leben in Papierform“

Wie, wo und wann Flüchtlinge im Landkreis untergebracht werden, müssen seine Leitungskräfte koordinieren. Knifflige Entscheidungen muss aber am Ende immer er treffen und dafür einstehen. Das gelte auch für Sozialhilfeleistungen, die das Amt genehmigt. „Oft hat man ein Leben in Papierform“, also eine Akte, „vor sich liegen“, sagt Höhl. Als Abteilungsleiter sei man der letzte in der Reihe, zu dem sich alle umdrehen. Seine Reihe besteht aus 100 Mitarbeitern, eingerechnet ist auch das Jobcenter, das er mit betreut.

Mit 30 Jahren bereits Chef von so vielen Mitarbeitern? Die ersten Tage habe ihm diese große Verantwortung tatsächlich schlaflose Nächte beschert. Denn der strenge Chef, der am ersten Tag gleich auf den Schreibtisch haut und alles umschmeißt, sei er nicht, und wolle er auch nicht werden. „Viele arbeiten seit Jahrzehnten hier und haben eine unglaubliche Erfahrung“, sagt der Münchner. „Ich lerne natürlich dazu.“ Gegenseitiges Vertrauen sei das Stichwort.

Im Landkreis verwurzelt

Und es sei eine Typfrage, wie man als Chef auftrete. Höhl setzt auf Offenheit. Und auf Vermittlung. In seinem Büro stehen grüne Kokospalmen, sein Schreibtisch ist aufgeräumt. Aktenstapel mag er gar nicht. Locker sitzt der Mann an einem kleinen Holztisch und erzählt. Am Revier seines Sakkos strahlt ein Landkreis-Ebersberg-Anstecker.

Den Neuen verbindet aber mehr mit dem Landkreis als der Metall-Anstecker. Er ist hier geboren und aufgewachsen, in Markt Schwaben ging er auf das Gymnasium. Als 2016 die Abteilungsleiterstelle im Landratsamt frei wurde – Stefanie Geisler leitete diese sechs Jahre –, bewarb sich Höhl. Es klappte, Höhl ist glücklich. Er sagt, Verwaltung sei mehr als verwalten. Es sei gestalten. Vielleicht zieht Höhl seine kreative Motivation aus seinem musikalischen Talent. Konzerte vor bis zu 20 000 Zuschauern, zum Beispiel am Stadtgründungsfest am Marienplatz in München, hat er schon gegeben. Das letzte große Konzert fand im Landratsamt statt, vor rund 500 Gästen, im Dezember, auf der Weihnachtsfeier.

Christoph Hollender

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