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Nach 44 Ehejahren: Rentnerin will Mann und sich selbst töten

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Ebersberg - Nach 44 Ehejahren hat sie versucht, ihren demenzkranken Mann und sich selbst umzubringen. Eine Rentnerin (68) aus Ebersberg muss sich deshalb wegen Mordversuchs verantworten.

Zum Prozessauftakt räumte die 68-Jährige ein, ihrem schwer kranken Mann im Juni 2010 zehn Schlaftabletten eingeflößt und ihm mit einem Küchenmesser Schnitte an beiden Handgelenken zugefügt zu haben. Danach nahm auch sie Pillen und verletzte sich selbst mit einer Rasierklinge und einem Teppichmesser an Armen und Beinen. “Ich hatte den Gedanken, ich muss ihn pflegen und kann ihn nicht alleinlassen, egal was passiert“, sagte die Angeklagte. In dieser Lage sei ihr der Gedanke gekommen, “dass wir beide gehen“. Die Tochter des Paares rettete die beiden.

Kurz vor dieser Tat hatte sich die Angeklagte einer Augenoperation unterzogen und danach rechts nur noch verschleiert gesehen. Sie habe Erblindung befürchtet, sagte die 68-Jährige vor Gericht. Während eines freiwilligen Aufenthalts in einer psychiatrischen Klinik war der Ehemann im Heim, aus dem ihn die Angeklagte nach ihrer Rückkehr abholte, weil er nicht gut betreut worden sei. Sie habe unter starkem Druck gestanden. Sie habe ihn gefragt, ob er mit ihr gehen und mit ihr sterben wolle. “Er sagte ja.“ Sie habe gewusst, dass ja bei ihm oft nein bedeutete, gab die Angeklagte zu, in diesem Fall “war ich mir aber sicher“.

Der Ehemann leidet seit fünf Jahren an Demenz. Eine Kommunikation ist mit ihm nicht mehr möglich, er wurde unter die Betreuung seiner Frau gestellt. Die Angeklagte hat vor fünfzehn Jahren bereits ihre Schwiegermutter gepflegt, die überforderte Frau musste damals mit schweren Depressionen wochenlang in die Psychiatrie. Ihr Anwalt hält die Anklage wegen Mordversuchs nicht für haltbar, für diesen Vorwurf fehle es an der Voraussetzung der feindlichen Gesinnung.

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