Da geht’s lang: Ebersbergs Kreisvorsitzende Angelika Niebler scheint ihrem Erdinger Kollegen Martin Bayerstorfer den Weg zu zeigen. Foto: ham

Nach Lenz-Sieg: Erdinger lecken ihre Wunden

Ebersberg - Der Sieg des Frauenneuhartingers Andreas Lenz (31) im Rennen um die CSU-Bundestagskandidatur hat im Nachbarlandkreis Erding tiefe Wunden geschlagen. Nun wird aufgearbeitet - und geschimpft.

Mindestens drei Abweichler in den Reihen der 80 Erdinger Delegierten waren es, die Andreas Lenz zur Bundestagskandidatur verholfen haben. Der Erdinger Kandidat, Josef Widmann (46), den der dortige CSU-Chef Martin Bayerstorfer in letzter Sekunde aus dem Ärmel gezogen hatte, musste sich geschlagen geben. Noch in der Nominierungsversammlung wurde klar: Die Gegenstimmen standen schon vorher fest - ungeachtet zweier Probeabstimmungen, bei denen der 46-Jährige alle 80 Voten bekommen hatte. Seither treibt den Erdinger Parteivorstand die Frage um: Sollte Landrat Bayerstorfer beschädigt werden? Der versucht, sich gelassen zu geben.

„Ich gebe zu, ich war und ich bin nicht glücklich über den Ausgang, zumal sich die Abweichler vorher immer anders verhalten haben.“ Ob es eine gezielte Aktion gewesen sei, deren Ergebnis vorher festgestanden habe, wisse er nicht. „Ich will niemanden verdächtigen“, sagt Bayerstorfer. „Vor Überraschungen ist man nie gefeit.“ Dennoch ist er der Auffassung: „Josef Widmann, dem jetzt auch kein Verliererimage anhaftet, war genau der richtige Mann. Wir werden ihn sicherlich künftig auf dem Schirm behalten.“ Erdings Oberbürgermeister Max Gotz macht keinen Hehl daraus, „dass ich maßlos enttäuscht war“. Widmann könne all das vorweisen, „was sich ein anderer jetzt erst erarbeiten muss“, sagt er mit Blick auf den jungen Lenz. Dennoch plädiert der Vize-Kreisvorsitzende dafür, „die Spekulationen über die Hintergründe jetzt schnell zu beenden“, denn die brächten im Wahlkampf gar nichts. Vor der Erdinger Entscheidung über den Landtagskandidaten in knapp zwei Wochen mahnte Gotz „jetzt endlich absolute Geschlossenheit“ an.

Für den Landkreis Erding strebt Ulrike Scharf in den Landtag. Sie sagt: „Ich bin sehr enttäuscht. Wenn’s um die Wurst geht, muss die Familie zammhalten.“ Schließlich ist es ein wichtiges Mandat in einer Zeit vieler drängener Projekte. „Wir wären mit einem Mann aus den eigenen Reihen besser aufgestellt.“ Um Besänftigung ist Erdings Ehren-Kreisvorsitzender Hans Zehetmair bemüht. Er war bei der Nominierung im Unterschied zur Ebersberger Ehrenvorsitzenden Christa Stewens nicht dabei. „Vielleicht war die Vorbereitung- und Vorstellungszeit für Josef Widmann zu kurz“, mutmaßt er. Lenz habe sich schon vor Wochen bei ihm vorgestellt. „Er ist sehr systematisch vorgegangen“, so der frühere Kultusminister. Und weiter: „„Mit Lenz haben wir einen sehr qualifizierten Mann.“ Bedauerlich sei, wenn sich interne Kritiker „hinter ihrem Stimmzettel verstecken“. So viel Offenheit könne man durchaus verlangen. „So redlich muss jeder einzelne schon sein“, verlangt Zehetmair.

Hans Moritz

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