Nach Pleite nur Verlierer

Ebersberg - Der Insolvenzantrag der Firma "

Eltern, Kinder, das Betreuungszentrum Steinhöring und die ehrenamtlichen Fahrer waren wie vor den Kopf geschlagen: Der Behindertenfahrdienst musste am Wochenende die Beförderung sämtlicher Personen einstellen (wir berichteten). Er war "nicht mehr in der Lage die Verträge zu erfüllen." So unterrichtete die Geschäftsführerin Denise Höltje schriftlich die Fahrer, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass eventuell offenstehende Forderungen nicht etwa gegen sie als Geschäftsführerin, sondern gegen die GmbH zu richten seien. Das Personal wurden aber aufgefordert, die Fahrzeuge "gesichert abstellen zu wollen."

Als Anbieter war "fahrdienste.de" drastisch billiger als das Rote Kreuz im Landkreis, das daraufhin 100 Mitarbeiter kündigen musste. Alle wunderten sich, wie das gehen soll. Jetzt fand die neue Firma aber offensichtlich nicht genügend Personal, das bereit gewesen wäre, zu den neuen Konditionen zu arbeiten.

Martin Böttcher, selbst eineinhalb Jahre lang ehrenamtlich als Fahrer für die Behinderten tätig gewesen, meinte gestern, die Pleite sei absehbar gewesen. Es sei ihm komisch vorgekommen, dass seine ehemaligen Fahrerkollegen davon berichteten, ihnen sei eine Bezahlung per Scheck angekündigt worden. "An ihrer Stelle würde ich Anzeige erstatten", riet Böttcher. Denn die Leute hätten 14 Tage oder drei Wochen gearbeitet, ohne einen Cent Geld dafür zu sehen.

Der Leiter des Betreuungszentrums, Frank Frese, zeigte sich gestern auf Anfrage der EZ skeptisch, was die weitere Entwicklung betrifft. Die Regierung von Oberbayern habe ihm die Auskunft gegeben, dass jetzt der nächstbilligere Bieter der einmal durchgeführten Ausschreibung nachrücke. Den kennt Frese allerdings überhaupt nicht. "Die haben keinerlei Referenzen", meinte er und befürchtet, dass sich die traurige Entwicklung noch einmal wiederholen könnte. Derweil hatte sein Personal am Wochenende alle betroffenen Eltern von behinderten Kindern und Jugendlichen angerufen, die einen Notfahrdienst auf die Beine stellten. "Das können wir aber nicht lange durchhalten", so Frese.

Das Bayerische Rote Kreuz könnte aus dem Stand "acht Schultouren mit Personal und Fahrzeugen abdecken", informierte gestern Kreisgeschäftsführer Wolfgang Strehhuber. Er übte Kritik daran, dass ein viele Jahre lang funktionierender Fahrdienst für behinderte Kinder und Jugendliche in der Ausschreibung von der Regierung von Oberbayern behandelt wird "wie irgendeine andere handwerkliche Leistung".

Böttcher, früher selbst Kaufmann in der Autobranche, fragt sich dagegen, wie die Regierung es habe versäumen können, die "Liquidität von fahrdienste.de zu prüfen".

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