Eis schleckender Rottweiler: Streit um ein Tier dieser Rasse gibt es derzeit im Landkreis. Juristisch geht es dabei nach bayerischer Lesart um einen Kampfhund. Andere sagen, um einen so genannten Kampfhund. Foto: dpa

Nachbarstreit um einen Rottweiler

Landkreis - Ein Rottweiler in einem fremden Garten sorgt für Streit unter Nachbarn. Das Ganze spielt sich in einer Gemeinde im nördlichen Landkreis ab. Eine Situationsbeschreibung:

Bürgermeister sind ab und an gut beraten, sich bei nachbarschaftlichen Auseinandersetzungen in ihrer Gemeinde zurückzuhalten. Gar dünn kann das Eis werden, wenn es sich bei den streitenden Protagonisten um Hundehalter handelt - und es vorwiegend um Fragen der richtigen Hundehaltung geht. Noch eine Steigerung dessen liegt vor, wenn sich zwei Tierfreunde streiten, der eine dem anderen sogar die Fähigkeit, ein Tier fachgerecht halten zu können, abspricht und die Streithansel obendrein noch benachbart sind.

Zugegeben, solche Fälle kommen nicht oft vor. Begeisterungsstürme lösen sie bei Rathauschefs dennoch nicht aus. Egal, was man macht; Bürgermeister und Verwaltung sind in ihrer Rolle als Schlichter in der Regel immer auch Verlierer bei derartigen Konflikten.

Unter anderem deshalb nachfolgend eine anonymisierte Darstellung der bisherigen Abläufe in einem Konflikt der Sorte „Tierfreund gegen Tierfreund und Nachbar gegen Nachbar in einem“. Sozusagen der „Klassiker“:

Hund von Familie A. hält sich nicht an Grundstücksgrenzen. Macht den Garten von Nachbar B. unsicher. Der bringt noch schnell seinen eigenen Zamperl, einen Golden Retriever, in Sicherheit. Die Katze flüchtet selbstständig.

Das Problem: Der Hund der Eheleute A. ist ein Rottweiler. Eine Gattung, über die sich vorzüglich streiten lässt (wie man nachfolgend noch sehen wird). Dazu muss man wissen: In den meisten Bundesländern handelt es sich beim Rottweiler um ein gewöhnliches Haustier. In fünf Ländern aber ist der Rottweiler Kampfhund der zweiten Kategorie. So auch in Bayern.

Hat der also etwas in fremden Gärten verloren? B. sagt: Auf keinen Fall. Also: Das Rathaus wird informiert, das Landratsamt kontaktiert, die Polizei gerufen. Es gibt inzwischen sogar ein Aktenzeichen. Mündlicher und schriftlicher Kontakt mit Familie A. folgt postwendend. Inhalte: Man werde rechtlich Forderungen wegen erfolgter Verschmutzung des Anwesens, Sachbeschädigung, Verstoßes gegen das Halten gefährlicher Tiere, Hausfriedensbruch, unbefugtes Eindringen etc. prüfen. Und, last not least, die klare Forderung: Ein Kampfhund der Kategorie II hat in einem Wohngebiet nichts verloren. Noch dazu, da sich alles in direkter Nähe zu einer Kindertageseinrichtung abspielte.

Während es einem erkennbar verängstigen Anlieger, nämlich B., verständlicherweise nicht schnell genug gehen kann, muss und will die zuständige Gemeindeverwaltung emotionslos und streng nach den bayerischen Bestimmungen reagieren. Verhältnismäßigkeit ist da das erste Gebot.

Also: Blick in das Negativ-Gutachten samt Wesenstest, das bei Kampfhunden der Kat.II-Klasse vorgeschrieben ist. In diesem Fall macht es acht DIN-A-4-Seiten aus. Und ist versehen mit einem amtlichen Stempel. Darin steht: Vom Kampfhund der Familie A. gehe keine Gefährdung aus. Es gebe keine nachweisbare gesteigerten Aggressivität. Das alles klingt wie eine Unbedenklichkeitsbescheinigung.

Die Gemeindeverwaltung reagiert schnell und erlässt nach den Vorkommnissen auf dem Grund von B. umgehend einen Bescheid: Befristete Anleinpflicht im Garten. Das macht in diesem Fall Sinn, weil durch laufende Baumaßnahmen das Anwesen der A.s gewissermaßen vorübergehend offen ist. Weil Familie A. in jedem Fall aber gegen die Leinenpflicht für ihren Rottweiler verstoßen hat, steht noch ein Zwangsgeld über 250 Euro im Raume. Die Eheleute A. zeigen sich derweil einsichtig, heißt es. Aber: Sollte ihr Rottweiler nochmals das Weite suchen, kann es für sie richtig teurer werden. Bußgeld droht.

Was die Verwaltung mit diesen ergriffenen Maßnahmen für rechtskonform hält, ist aus Sicht von B. nicht ausreichend. In einem der vielen Briefe hin und her ist bereits von einer Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den zuständigen Sachbearbeiter im Rathaus die Rede. Zu deutsch: Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.

Das Halten von Hunden; es beschäftigt die Verwaltungen hierzulande immer wieder. Kampfhunde im Sinne der Verordnung, heißt es, seien jedoch nicht einmal das Hauptproblem. Mehr Arbeit bereiten den Verwaltungsleuten normale, mittelgroße Hunde. Also jene Tiere, von denen der Halter in der Regel fest überzeugt ist, dass er/sie nur spielen will, während der/die Gegenüber genau diese harmlosen Absichten überhaupt nicht erkennen mag.

Um hier als Ordnungsbehörde Maßnahmen ergreifen zu können, wäre wünschenswert, möglichst zeitnah Hinweise zu bekommen von Zeugen oder Opfern bei entsprechenden Hundeattacken. Ein Biss gehöre in jedem Fall gemeldet, heißt es. Fakt ist aber: So weit kam es im aktuellen Fall aus dem nördlichen Landkreis (noch) nicht. jödo

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