„Wir werden in nächster Zeit das Thema Fusion nicht anfassen.“ Martin schottenheim, Vorstand

Die Nacht der "Nicht-Befürworter"

Zorneding - Die Fusion der Raiffeisenbank Zorneding mit der VR Bank München-Land ist geplatzt. Die Vertreterversammlung der Zornedinger verweigerte dem Vorstand die Gefolgschaft. Es ging hitzig zu.

Es war eine lange Nacht mit emotionalen Diskussionen, mit „äußerst hitzigen Debatten“, wie Insider berichten. Auf Wunsch der Mitgliedervertreter der der Raiffeisenbank Zorneding leitete nicht - wie üblich - der eigene Aufsichtratsvorsitzende die Zusammenkunft, sondern ein Mitglied des Dachverbandes. Am Ende war klar: Zorneding bleibt eigenständig und fusioniert nicht mit dem größeren Partner, der VR Bank München-Land. Daraufhin hat nach EZ-Informationen deren Vorstandsvorsitzender Anton Lautenbacher die Versammlung wütend und enttäuscht verlassen mit den Worten, man sei „auf Zorneding nicht angewiesen“.

„Es mag sein, dass der Satz so gefallen ist“, räumte am Freitag Oliver Brandhuber, einer von zwei Vorständen der Zornedinger Genossenschaftsbank, ein. Das sei auch verständlich. Denn beide Banken seien wirtschaftlich gesund und „müssen nicht fusionieren“. Die „positiven Zahlen“ sehen Brandhuber und sein Vorstandskollege Martin Schottenheim als Hauptgrund, warum 22 der 56 anwesenden Vertreter gegen den Zusammenschluss stimmten. Von „Gegnern“ wollte Schottenheim nicht reden, er sprach von „Fusions-Nichtbefürwortern“. Auch weitere Gründe habe es wohl gegeben, räumten die Banker ein, beispielsweise „Ängste“, der Service vor Ort könnten schlechter werden.

Als ursächlich für das ablehnende Votum sieht Lautenbacher allerdings „gezielte Stimmungsmache“, insbesondere beim Thema Lagerhäuser. Diese seien wichtig für die Landwirte im Raum Zorneding. Bei einer Fusion hätten die Lagerhäuser mit dem Einfluss der VR Bank München Land abgeschafft werden sollen, war zuletzt kolportiert worden. „Stimmt nicht“, betonte Lautenbacher gegenüber unserer Zeitung. Trotzdem habe in Zorneding offenbar die Sorge überwogen, eine Fusion bringe jenseits aller Synergie-Effekte auch gravierende Nachteile.

Rückblick: Bereits in den Jahren 2008/2009 hatte es Pläne für eine Fusion gegeben, die jedoch platzten. Vor einer Abstimmung in der Vertreterversammlung wurde das Vorhaben damals getoppt. Diese Versammlung ist bei Raiffeisenbanken das entscheidende Gremium. Es repräsentiert die Mitglieder, die anteilsmäßig Eigentümer der Bank sind. Diesmal ging man einen Schritt weiter. Die Versammlung hat jetzt entschieden - und abgelehnt.

„Wir respektieren das“, so Brandhuber am Freitag. „Wir nehmen das Votum ernst und werden das so umsetzen.“ In einem größeren Verbund hätte man die kommenden Aufgaben und Anforderung durch politische Vorgaben leichter umsetzen können. Das müsse die Zornedinger Raiffeisenbank nun allein bewältigen. „Wir haben jetzt die Aufgabe, zusätzliches Personal einzustellen, mit den entsprechenden Kosten.“ Schottenheim spricht von „drei, vier, fünf Stellen“.

Persönliche Konsequenzen, also die Bank zu verlassen, sehen die beiden Banker nicht als notwendig. Schließlich sei es ihre Aufgabe, auch Alternativen für die Zukunft aufzuzeigen. „Wir haben das erfüllt, was der Eigentümer von uns erwarten kann“, betont Schottenheim. „Unser Herzblut ist bei der Raiffeisenbank Zorneding. Wir haben erfolgreich gearbeitet und sind überzeugt, dass wir das auch in Zukunft machen werden“, erklärt Brandhuber. Einen Dämpfer haben die Vorstände jedoch erhalten. Nach Vorstellung des Jahresberichts wurden sie zwar entlastet, nach Informationen der EZ aber nicht einstimmig.

Weitere Pläne für einen Zusammenschluss soll es in „nächster Zeit“ nicht geben. Die Meinung der „Nicht-Befürworter“ in der Vertreterversammlung sei „ziemlich fest“, erklärte Schottenheim. Diesen Personenkreis „müsste ich zunächst überzeugen“. Und eine Fusion mit der Raiffeisen-Volksbank Ebersberg? Es habe entsprechende Stimmen für eine Landkreislösung in der Versammlung gegeben, räumte Brandhuber ein. „Aber darüber wurde nicht abgestimmt.“

Robert Langer und

Martin Becker

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