Von einer Rolle in die nächste schlüpfen gelingt den Nachwuchs-Schauspielern schon richtig gut. Foto: sro

Der nackte Wahnsinn am Grafinger Gymnasium

Grafing - "Das ist Farce, das ist Leben!" jubelt Floyd. Mit einer Erfolgskomödie von Michael Frayn wollen Schüler des Grafinger Gymnasiums ab Dienstag, 13. Juli, vor allem eins beweisen: Dass sie Thater spielen können.

In der „Badewanne“ des Gymnasiums Grafing geht es derzeit heiß her. Dort laufen die Proben zu: „Der nackte Wahnsinn“ von Michael Frayn. Zunächst gibt es ein „Aufwärmspiel“. Die Mitglieder der Theatergruppe stellen abwechselnd verschiedene Emotionen dar. Dabei ist es spannend zu sehen, wie unterschiedlich etwa eine Emotion wie „Rache“ ausgedrückt werden kann. Komisch übertrieben etwa, wie in einer Komödie, oder authentisch, wie für ein ernstes Stück. So eingestimmt kann „Der nackte Wahnsinn“ ganz gemütlich beginnen.

Haushälterin Mrs. Clackett (Veronika Lauber) betritt die Bühne und will es sich vor dem Fernseher bequem machen. Doch sie wird harsch unterbrochen von der herrischen Stimme des Regisseurs Lloyd (Florentin Will): „Immer dieselbe Geschichte“, donnert er unzufrieden und gibt Regieanweisungen. Der Zuschauer ahnt: Es geht um ein Stück im Stück. Drei verschiedene Ebenen tun sich in dem Moment auf: Die echte Truppe der wirklichen Probe, die eine Truppe spielt, die ein Stück probt - eine spannende Sache.

Veronika Lauber hat also im Stück den Namen Dotty und spielt im Stück im Stück die Haushälterin Mrs. Clackett. Sie und alle anderen Darsteller mussten mit dieser Herausforderung erst einmal umgehen lernen. Auf welcher Ebene muss ich an meiner Figur arbeiten?

Einer hat das Problem der Doppelrollen nicht: Florentin Will, der als Regisseur Lloyd als einziger keine zwei Rollen hat. Er hat diese gewählt, weil sie „ein vielseitiger Charakter ist“ und „weil ich einmal eine Autoritätsperson spielen wollte. Diesen Regisseur, der renommiert ist und ironisch in seiner Art.“ Die Herausforderung in seiner Rolle sieht er darin, dass der Regisseur viel älter ist als er selbst und er überlegt: „Wie steh’ ich, wie geh’ ich, wie geb’ ich mich erfahren?“ Ähnlich geht es da Charlotte Schrader, obwohl sie vor einer ganz anderen Aufgabe steht. Sie spielt als Mädchen eine Männerrolle und arbeitet hauptsächlich daran, sich männliche Angewohnheiten zuzulegen. „Ich stehe anders und ich flirte anders“, bemerkt sie, die im Stück Garry spielt und im Stück im Stück Roger Tramplemaine.

„Der nackte Wahnsinn“ ist kein Stück in dem es vordergründig um den Textinhalt geht. Vielmehr muss der Text bei allen Beteiligten so gut sitzen, dass auf allen Ebenen des Stückes die Einsätze stimmen, sonst gibt es Verwirrung. Eine große Aufgabe für die Schauspieler als Team also. Die Geschichte über das Leben der Schauspieler, ihre Beziehungen zueinander, den alltäglichen Kampf mit den Requisiten und den Unzulänglichkeiten der Anderen wirft unsere Sehgewohnheiten über den Haufen. „Tür auf, Tür zu, Sardinen rein, Sardinen raus, das ist Theater, das ist Farce, das ist Leben“, braust Lloyd wirkungsvoll auf und bringt das temporeiche Stück auf den Punkt.

Zu sehen ist das Stück immer um 19 Uhr ab Dienstag, 13. Juli, bis Freitag, 16. Juli, in der „Badewanne“ des Gymnasiums Grafing.

Von Nicole Sutherland

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