Naturschutz zum Reinbeißen

Landkreis - Hätten Sie’s gewusst? Am 11. Januar ist der Tag des Apfels. Darauf machte die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises jetzt aufmerksam. Aber Apfel ist nicht gleich Apfel. Im Landkreis sollen besondere Sorten wachsen.

Aus dem Supermarkt kennen wir die Sorten „Elstar“, „Golden Delicious“, „Jonagold“ oder „Granny Smith“. Das sind an die Kundenwünsche angepasste Designersorten. Alle gleich glänzend, Glamour-Äpfel sozusagen. „Gleichmäßig in Größe und Form und in Massen angebaut und von einheitlichem Geschmack“, sagt Johann Taschner von der Naturschutzbehörde. Einheitsware ohne besonderen Charakter sozusagen. Dabei geht es auch anders: „In Deutschland gibt es Hunderte von regionalen heimischen Apfelsorten.“ Taschner: „Im Landkreis Ebersberg haben es sich Untere Naturschutzbehörde und Kreisfachberatung für Gartenbau deshalb zur Aufgabe gemacht, alte und seltene Apfelsorten, wie zum Beispiel „Schafsnase“, „Roter Astrachan“, „Maschanzker“ oder den „Schweizer Orangenapfel“ mit ihrem unvergleichlichen Geschmack in den Streuobstwiesen in Alxing bei Bruck und Vorderegglburg bei Ebersberg wieder zu anzupflanzen.“ Die Sorten sollen so vor dem Verschwinden bewahrt werden.

Streuobstwiesen sind eine feine Sache für die Natur. Sie gehören zu den artenreichsten Biotopen überhaupt und der Mensch hat auch noch einen Nutzen davon. Auf den öffentlichen Streuobstwiesen darf sich nämlich der Bürger einen Apfel holen, wenn ihm danach ist (siehe unsere Karte). Wobei es nicht schadet, wenn man im Falle der Streuobstwiesen im Gemeindegebiet von Vaterstetten vorher mit den Baumpaten spricht oder im Falle der Wiese in Forstinning am Waldrand mit dem Bund Naturschutz, dem diese Fläche gehört.

Streuobstwiesen sind Naturschutz zum Reinbeißen. Da stört auch nicht, dass die Untere Naturschutzbehörde bei den genannten Sorten vielleicht ein bisschen auf Nutz-Neophyten gesetzt hat. Neophyten sind zugewanderte Pflanzen und zumindest beim „Roten Astrachan“ ist die Herkunft zweifelsfrei eine russische. Der Maschanzker hatte es nicht ganz so weit, er kam aus der Steiermark zu uns und gelangte schon als Streuobst des Jahres zu Berühmtheit, vielleicht auch deswegen, weil ihn die Steirer gerne mögen, wenn er schließlich als Schnaps oder Apfelessig in der Flasche serviert wird. Auch der Schweizer Orangenapfel hat es nicht weit zu uns gehabt, aber nur auf den ersten Blick. Denn als alte Apfelsorte ist er ein Hochstapler, der seine Geburtsstunde im Jahr 1935 gerne verschweigt und seine Eltern noch dazu, die aus Kanada und England stammen. Der Schweizer Orangenapfel ist eine Kreuzung aus Ontarioapfel und Cox Orangette. Ein richtiger Bayer ist er damit nicht, aber als Zuagroaster ziemlich assimiliert. Widersprechen kann er ohnehin nicht und muss sich darauf verlassen, dass er hier den einheimischen Geschmack trifft. Mit der Schafsnase verhält es sich ähnlich, denn deren Herkunft ist berlinerisch, und damit kann der Apfel zumindest auf eine einwandfrei deutsche Abstammung verweisen.

Allen Apfelsorten, die die Naturschutzbehörde favorisiert hat, ist zumindestens eines gemeinsam: Sie sind keine stromlinienförmigen Kunstprodukte, sondern verdienen es, „dass vielleicht auch unsere Kinder und Enkel nochmal in den einzigartigen Genuss einiger dieser alten Sorten kommen“, so Taschner.

Der Apfel war mit einem pro Kopf-Verbrauch von fast 26 Kilogramm des Deutschen liebstes Obst im Jahr 2013. Der seit 2010 existierende und von den deutschen Apfel-Erzeugerorganisationen gegründete „Tag des deutschen Apfels“ soll auf die Vielfalt der einheimischen, bzw. regionalen Sorten aufmerksam machen.

Michael Seeholzer

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