Renate Schaumberg, Vorsitzende der Senioren Union

Nazi-Broschüre: Schaumberg spricht von Rufmord

Grafing - Die wegen des Verkaufs einer Nazi-Broschüre massiv unter Druck geratene Chefin der Senioren Union im Landkreis, Renate Schaumberg, wehrt sich. Am Sonntagabend warf die 71-jährige der Grafinger CSU eine „Rufmordkampagne abscheulichster Art“ vor.

Schaumberg, die auch dem Grafinger Ortsverband der Senioren Union vorsteht und der wegen ihrer Nähe zu Bürgermeister Rudolf Heiler (FW) seit langem ein angespanntes Verhältnis zu weiten Teilen der CSU-Führung nachgesagt wird, wies die gegen sie erhobenen Vorwürfe entschieden zurück. Als sie vom Grafinger CSU-Vorsitzenden Josef Carpus auf den Verkauf eines indizierten Buches beim Sommerfest der Senioren Union aufmerksam gemacht worden sei, habe sie ihn sofort um Bekanntgabe des Namens der Person gebeten, „die dieses Buch gekauft hat, um den Sachverhalt nachvollziehbar zu machen und strikte Konsequenzen zu ziehen. Jede Mail von Herrn Carpus wurde von mir beantwortet und ebenso, per Einschreiben, wurde bereits am 16.12.2011 eine offizielle Erklärung an Herrn Carpus gesandt, in der ich mich persönlich und auch im Namen der Mitglieder der Senioren Union, ausdrücklich von rechtsradikalen Gedankengut distanziere.“

Gegenüber der Ebersberger Zeitung widerspricht Carpus. Zwar habe Schaumberg in der Tat auf seine E-Mails geantwortet, doch habe sie die darin gestellten Fragen nicht beantwortet. Sinngemäß habe sie stets gesagt, sie wisse von nichts und sie verbitte sich derartige Anschuldigungen.

Carpus betonte, dass es „hier nicht um die Person Schaumberg geht“, sondern einzig und allein um die Frage, ob „Die Auschwitz-Lüge“ beim Sommerfest der Senioren Union verkauft worden sei oder nicht.

Schaumberg, die viele Jahre lang die Grafinger Bücherei leitete und jetzt das „Aktiv-Büro“ der Stadt organisiert, hält dagegen: „Herr Stadtrat Carpus kann an einer dinglichen Aufklärung nicht interessiert gewesen sein, denn er gab den Namen nicht bekannt und verhinderte somit eine Aufklärung. Genau am Holocaustgedenktag wurde dann eine Rufmordkampagne abscheulichster Art gegen mich gestartet. Seine Gründe hierfür sind mir nicht ersichtlich.“

Sie, Schaumberg, habe alles in ihrer Macht Stehende getan, „um eine sachliche Aufklärung zu bekommen“. Am 4. Januar habe sie die Rechtsabteilung der Landesleitung der CSU über den Vorgang informiert. „Dieses Schreiben und meine gesamte E-Mail-Korrespondenz mit Herr Carpus habe ich auch an Frau Dr. Niebler als Kreisvorsitzende der CSU gesandt. In der Presse habe ich das erste Mal die Broschüre gesehen, die bei dem kleinen Flohmarkt zugunsten einer Senioren-Patenschaft, angeboten worden sein soll.“

Carpus geht davon aus, dass es in den nächsten Tagen zu Gesprächen zwischen dem CSU-Ortsverband und dem Kreisverband kommen wird, um die Frage der politischen Zukunft Schaumbergs zu klären. Kreis-Chefin Angelika Niebler sagte der Ebersberger Zeitung am Sonntagabend, man werde Renate Schaumberg in dieser Woche zu den massiven Vorwürfen hören - und zwar noch vor der Sitzung des Kreisvorstands der Partei am kommenden Freitag. Das habe der engere Parteivorstand am Samstag beschlossen. Niebler hatte am Freitag gesagt: „Sollte der Vorwurf zutreffend sein, ist dies ein ungeheuerlicher Vorgang, der sowohl strafrechtlich als auch politisch sanktioniert werden muss.“

Von Michael Acker

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