Großes Hindernis: Die Unterführung am Poinger S-Bahnhof ist ganz und gar nicht barrierefrei. foto: rm

Neue Bahnunterführung: 3,5 Millionen Euro in der Warteschleife

Poing - Die Arbeitsgemeinschaft (Arge) der Bauträger und Investoren in Poings Neubaugebiet ist vertraglich verpflichtet, die Gemeinde finanziell zu unterstützen bei der Verbesserung der Infrastruktur. Dazu gehört der Neubau einer Bahnunterführung. Die Verträge sind allerdings nicht zeitlos gültig.

Über zehn Jahre lang beschäftigen sich die Gemeindeverwaltung und der Gemeinderat nun schon mit dem Neubau einer Bahnunterführung in der neuen Ortsmitte. Immer wieder hat ihnen die Deutsche Bahn einen Strich durch die Rechnung gemacht, indem sie Planungen verworfen und das Projekt aufs Abstellgleis geschoben hat. Noch kann die Gemeinde relativ gelassen sein, denn so lange die Arbeitsgemeinschaft (Arge) der Bauträger und Investoren am Bergfeld tätig ist, so lange stehen 3,5 Millionen Euro für die Unterführung zur Verfügung. Diese Summe ist vertraglich festgelegt, informiert Bürgermeister Albert Hingerl. Ursprünglich waren es vier Millionen Euro, im Laufe der vergangenen Jahre ist aber etwa eine halbe Million hauptsächlich für Planungskosten draufgegangen.

Der Haken an der Sache: Die Bauträger zahlen die restlichen 3,5 Millionen Euro ausschließlich für den Bau der Unterführung. "Die Mittel dürfen nicht anderweitig verwendet werden", berichtet Hingerl. Deshalb wäre es Unsinn, das Projekt zu streichen und abzuwarten, bis die Bahn und der Freistaat Bayern den vom Wirtschaftsministerium angekündigten, barrierefreien Ausbau der bestehenden Unterführung realisiert (soll bis spätestens 2018 geschehen). Außerdem, so Poings Bürgermeister, soll die neue Unterführung ein verbindendes Element zwischen Poing-Süd und Poing-Nord sein. "Diese Funktion kann die vorhandene Unterführung mit ihrer Breite und Lage nicht wahrnehmen."

Die letztmals aktualisierte Kostenschätzung für den Neubau beläuft sich auf rund 8,2 Millionen Euro - allerdings ist diese Aufstellung bereits ein paar Jahre alt. Im aktuellen Finanzplan der Gemeinde Poing bis zum Jahr 2017 spielt das Projekt keine große Rolle. Wie gesagt: Noch ist genug Zeit.

Allerdings, und das ist der nächste Haken an der Sache: Die vertragliche Vereinbarung mit der Arge Am Bergfeld endet, wenn sämtliche Neubaugebiete abgeschlossen sind. Das dürfte in etwa acht bis zehn Jahren der Fall sein. Danach ziehen die Bauträger und Investoren aus Poing ab - und nehmen die 3,5 Millionen Euro wieder mit, sollte bis dahin die Unterführung nicht gebaut sein.

Im Jahr 1988 haben die Gemeinde Poing und die Arge Rahmenverträge abgeschlossen; diese wurden mit zahlreichen Ausführungs- und Einzelverträgen für jedes Wohnquartier im gesamten Neubaugebiet Am Bergfeld (Poing-Nord) konkretisiert bzw. fortgeschrieben, teilt Bürgermeister Albert Hingerl mit. In den Verträgen ist geregelt, dass die Arge sich an Investitionskosten der Gemeinde beteiligt für Infrastrukturmaßnahmen, die durch das Neubaugebiet erforderlich werden. Hierzu gehören laut Hingerl insbesondere der Neubau von Schulen und Kindertagesstätten, Bürgerhaus, Feuerwehrhaus, Dreifachhalle und Freisportanlagen im Sportzentrum. "Ferner stellen die Bauträger die öffentlichen Verkehrs- und Grünflächen sowie die Grundstücke für diese Gemeindebedarfseinrichtungen zur Verfügung." Die Verträge laufen bis zum Abschluss der letzten neuen Wohngebiete W7 und W8.

In Sachen Sportanlagen hat Poings Zweiter Bürgermeister Franz Langlechner (CSU) in diesen Tagen angeregt, die Verträge zu prüfen, ob und wie sich die Arge an einer Erweiterung des Sportzentrums beteiligen muss. Konkret geht es um den Kauf eines Ackers, der nördlich an den Sportpark (Richtung Ottersberg) angrenzt.

von Armin Rösl

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